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Freitag, 19. Mai 2017

Das! Ist! Unser Haus!

Lange nichts mehr aus St. Willehad berichtet - gibt's da überhaupt nichts Neues? Doch, durchaus. Der Bau des umstrittenen neuen Pfarrzentrums schreitet voran: Auf der Facebook-Seite der Pfarrei waren Fotos zu bewundern, die die frisch gegossene Bodenplatte und erste Mauersteine zeigten. Ein Kosten-Update wurde bei dieser Gelegenheit nicht mitgeteilt; meinem letzten Kenntnisstand zufolge bewegt sich die Kalkulation irgendwo zwischen einer und eineinhalb Millionen Euro. Schauen wir mal, ob es dabei bleibt. 

Interessante Neuigkeiten gibt es derweil aus dem ebenfalls zur Pfarrei St. Willehad gehörenden Küstenbadeort Tossens, rund 22 Kilometer von Nordenham entfernt - einem Hotspot der Urlauberseelsorge. Dort wurde am 18. Mai das "katholische Kommunikationszentrum OASE" wiedereröffnet, das unter Pfarrer Jortzick 2014 wegen zu hoher Betriebskosten geschlossen worden war. An die ursprüngliche Errichtung dieses Zentrums kann ich mich noch aus meiner Jugend erinnern - im Bericht der Nordwest-Zeitung vom 17.05. heißt es, die OASE sei 1998 erbaut worden, aber das deckt sich nicht so recht mit meiner Erinnerung, denn zu diesem Zeitpunkt wohnte ich gar nicht mehr dort. Jedenfalls war die OASE auf Initiative des damaligen Pfarrers Alfons Kordecki errichtet worden, dem die Förderung der Urlauberseelsorge ein wichtiges Anliegen war. Neben allerlei "kulturellen" Veranstaltungen fanden damals auch Gottesdienste in der OASE statt; das Zentrum hat also auch einen Sakralraum, der den Sachsen- und Friesenmissionaren St. Sturmius und St. Benjamin geweiht ist. Davon ist in den Berichten zur Wiedereröffnung der OASE allerdings keine Rede, aber das muss ja nichts heißen. Was man hingegen über die geplante zukünftige Nutzung der Einrichtung erfährt, ist folgendes: 
"Nach der Wiedereröffnung soll nun künftig an jedem Donnerstagabend in den Monaten von Mai bis Ende August ein Programm angeboten werden, das sowohl für Urlauber wie auch für Einheimische attraktiv ist. Im Anschluss, so Pfarrer Karl Jasbinschek, soll eine Auswertung zeigen, wie das Konzept angekommen ist und wie es weiterentwickelt werden könnte." 
Das klingt ja erst mal nach Potential. Skepsis scheint dennoch geboten: 
"Bei der nächsten Veranstaltungsabend am Donnerstag, 25. Mai, um 19.30 Uhr lautet das Thema: 'Atempause – zwischen Himmel und Erde.' Mit Bildmeditationen vom Jakobus-Pilgerweg, Liedern, Gitarrenmusik, Gebeten, Atemübung [Aaaargh!] und spirituellen Anregungen soll das Fest Christi Himmelfahrt persönlich erfahrbar werden. Karl Jasbinschek gestaltet den Abend mit Diakon Christoph Richter."
Na ja. Auch früher fanden in der OASE schon Veranstaltungen wie "Jesus in Jazz" statt. Weiß man auch nicht, was man davon halten soll. Ganz in der Nähe befindet sich übrigens Minervas Hexenhof. Aber das nur nebenbei. 

Parallel zur Ankündigung der Wiedereröffnung der OASE erfuhr ich über die Facebook-Seite der Pfarre St. Willehad aber auch noch von anderen Neuigkeiten aus Tossens
"Das ehem. Pfarrhaus in Tossens, Nordseeallee 28, steht kurz vor dem Verkauf. Interessierte können sich am Freitag, 12. Mai 2017, zwischen 15:00 und 19:00 Uhr ein Bild der Immobilie, aber auch der Oase machen. In dieser Zeit kann Inventar aus dem ehem. Pfarrhaus gegen eine kleine freiwillige Spende mitgenommen werden. Alles, was derzeit noch im Haus steht, steht Interessierten zur Verfügung. Weiterhin sind in der Oase mehrere hundert Bücher abgängig. Auch diese können an dem Nachmittag gesichtet und gegen eine Spende mitgenommen werden." 
Daran kamen mir nun gleich mehrere Aspekte sonderbar vor. Zunächst: Wieso gibt es in Tossens überhaupt ein "ehem. Pfarrhaus"? Meines Wissens hat Tossens seit der Reformation keinen eigenen katholischen Pfarrer mehr gehabt. Und dann: Wenn das Haus "kurz vor dem Verkauf" steht, wieso soll es dann noch besichtigt werden? Auf Nachfrage erhielt ich vom Moderator der FB-Seite (ich nehme an, es handelt sich um Diakon Richter) genauere Auskunft: 
"Das Haus wird bald über eine Sparkasse vermarktet. Es ist ein gewöhnliches EFH, welches zur Beherbergung von Urlauberteams der Strandkorbkirche gedient hat. Auch ein früherer Pfarrer hat dort zeitweilig gewohnt. Da wir keine Verwendung mehr für das doch angegriffene Haus haben, wird es verkauft. Die Oase nebenan bleibt nach wie vor Teil der Gemeinde und wird für die Urlauberkirche genutzt." 
Ach so. Aha. Na dann. Und wie finde ich das? - Nicht gut. Ich bin in dieser Hinsicht wohl im Wortsinne konservativ (von lat. conservare = "bewahren"), jedenfalls bekomme ich immer so ein nervöses Zucken um die Augenwinkel, wenn ich den Eindruck habe, dass kirchliche Einrichtungen ihren Besitz verschleudern. Und dabei geht es zunächst mal gar nicht darum, worin dieser Besitz konkret besteht. Sondern darum, dass die Entscheidungsträger in den Gremien über Dinge verfügen, die in einem ideellen Sinne nicht ihnen gehören. Sondern dem Volk Gottes als Ganzem. Nehmen wir mal das Inventar des Hauses und die Hunderte von Büchern aus der OASE. Die waren zum Nutzen der Gemeinschaft bestimmt, und nun landen sie gegen Spende in Privatbesitz und sind damit für die Gemeinschaft verloren. Ich weiß, öffentliche Bibliotheken machen das mit ihren Altbeständen genauso, und das gefällt mir ebenfalls nicht. Darüber ärgere ich mich bloß tendenziell weniger, weil ich an öffentliche Bibliotheken weniger hohe ideelle Ansprüche stelle als an die Kirche.

Anderes Beispiel - auch damit das hier nicht so nach Willehad-Schelte aussieht -: Neulich war mal wieder Kreis junger Erwachsener in St. Antonius, und da kam zur Sprache, dass der Pfarrgemeinderat beschlossen habe, wenn die zahlreichen Gesellschaftsspiele, die im Schrank der "Guten Stube" des dortigen ehemaligen Pfarrhauses lagern, nicht genutzt würden, dann müssten sie weg. "Das ist so eine typische Pfarrgemeinderats-Denke", stöhnte ich. "Was nicht genutzt wird, muss abgeschafft werden. Anstatt dass man sich mal Gedanken darüber machen würde, was man tun könnte, damit es genutzt wird." Immerhin, einer der Anwesenden lachte. Und der ist im Pfarrgemeinderat.

Nun bin ich nicht unbedingt der Ansicht, dass es um die ollen Gesellschaftsspiele schade wäre (an dem betreffenden Abend beim Kreis junger Erwachsener wurde prompt beschlossen, einen Spieleabend zu veranstalten, und darüber war ich auch wieder nicht glücklich, da ich nicht gern Gesellschaftsspiele spiele - aber das ist eben mein privates Problem), und auch bei den Büchern aus der Tossenser OASE bin ich, ohne sie gesehen zu haben, keinesfalls sicher, ob es schade um sie ist. Aber es geht mir eben ums Prinzip.

Und dann das Haus selber. Natürlich, nicht genutzte Immobilien verursachen unnütze Kosten. Wenn die Kirchengemeinde also keine Verwendung für das Haus hat, was hätte sie Besseres tun können als es zu verkaufen? - Nun ja: vielleicht eine Ausschreibung für ein Nutzungskonzept machen. Wär ja mal was gewesen. Als ich auf Facebook Fotos des Hauses sah, kamen mir fast die Tränen. Was hätte man da alles machen können! Kochen und essen, Gäste beherbergen, im Garten Gemüse anpflanzen - kurz gesagt: LEBEN. Genau das kann man in der OASE, so schick sie ansonsten sein mag, nämlich nicht. Und dies, die Einheit von Glauben und Leben - ob man das Konzept nun "Punkpastoral" nennt oder "Benedict Option" oder wie auch sonst - ist meiner festen Überzeugung nach das, was der Kirche hierzulande fehlt und worin ihre Zukunft liegen könnte. Wie schön wäre es gewesen, man hätte sich ein paar engagierte junge Leute gesucht, die das "angegriffene" Haus in Eigenregie renovieren und dafür dann mietfrei (bzw. gegen Deckung der Betriebskosten) dort wohnen und ihre Projekte realisieren können. Gebetshaus Tossens. Träumen wird man ja wohl dürfen.

Aus urheberrechtlichen Gründen nur ein Symbolbild (Quelle hier). Ich hatte nicht die Zeit, mal eben schnell nach Tossens zu fahren und das echte Haus zu fotografieren. 
Und noch ein Symbolbild (Quelle hier).
Nun will ich den Verantwortlichen in St. Willehad nicht unbedingt einen Vorwurf daraus machen, dass sie darauf nicht gekommen sind. Und es wäre ja auch fraglich gewesen, ob sich jemand gefunden hätte, der so ein Projekt ausgerechnet in Tossens würde durchziehen wollen. Worum es mir eigentlich geht, das geht weit über diesen Einzelfall hinaus. Erst gestern schrieb ich:
"Nicht vergessen sollte man auch, dass Kirchengemeinden oft über beträchtlichen Immobilienbesitz verfügen. [...] [Man kann] davon ausgehen, dass es eine ganze Reihe kirchlicher 'Funktionsimmobilien' (Pfarrhäuser, Pfarrbüros, Gemeindezentren etc.) gibt, die im Zuge der Bildung von Großpfarreien bzw. 'Pastoralen Räumen' ihre bisherige Funktion verlieren werden oder schon verloren haben. Ich mein ja nur." 
Wo Glaube Raum gewinnt, Baby! Aber wenn die Pfarreien (oder Bistümer, oder wer halt jeweils der juristische Eigentümer der betreffenden Immobilien ist) auf diese Situation reagieren, indem sie die Häuser verhökern oder abreißen, dann gewinnt Glaube keinen Raum. Dann bleibt von den Räumen nur schnödes Geld, und das wird irgendwann für irgendwas ausgegeben und ist dann weg. -- Ich bin in Berlin öfter mal in verschiedenen Pfarrgemeinden unterwegs, und überall sehe ich räumliche und "infrastrukturelle" Kapazitäten, deren Potential nicht ansatzweise ausgeschöpft wird. Gut, zum Teil liegt es sicherlich daran, dass es an Leuten fehlt, die aus diesem Potential etwas machen. Aber ich habe den Verdacht, dass es den Leuten, die es durchaus gäbe, strukturell nicht gerade leicht gemacht wird. Weil die Entscheidungsträger zu sehr in festgefahrenen Bahnen denken. Lasse mich diesbezüglich aber gern - sehr gern - eines Besseren belehren... 

Ach, übrigens: Der Mittwochsklub sucht eine Location für Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, Andachten, aus längere Sicht evtl. auch Livemusik u./o. Filmvorführungen. Gern einigermaßen zentral (Tegel können wir selber). Hat da jemand was für uns? :D 



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