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Donnerstag, 4. Februar 2016

Die (bzw. meine) beste Idee, seit es Facebook gibt

Am Anfang war der Algorithmus.

Es ist noch keine Woche her, dass mir ein Feature meiner Facebook-App auffiel, das entweder neu war oder das ich vorher einfach nie bemerkt hatte. Ich hatte eine Übersicht der Facebook-Gruppen geöffnet, in denen ich Mitglied bin, und stolperte unversehens auf eine Anregung der App, selbst Gruppen auf Facebook zu gründen. Und die App begnügte sich nicht etwa damit, vorzuschlagen "Gründe doch mal 'ne Gruppe!"; nein, sie machte ganz konkrete Vorschläge, was für Gruppen das sein könnten und welche meiner Freunde ich dazu einladen könnte. Und gleich der allererste Vorschlag meiner App war eine Gruppe namens "Freunde, denen Bistum Münster gefällt". Da musste ich lachen. 

Mit "Bistum Münster" meinte die App schließlich nicht das Bistum also solches, sondern die gleichnamige Facebook-Seite. Und dass ich mit den Gestaltern dieser Seite so meine, sagen wir mal, Differenzen habe, ist ja eine ziemlich bekannte Tatsache. "Guter Witz!", dachte ich daher und postete eine launige Anmerkung über diesen originellen Vorschlag an meine FB-Freunde und -Freundesfreunde. 

Wie sich zeigte, fand die Idee bei diesen aber recht viel Anklang. Will sagen, sie gaben ebenfalls allerlei heitere Kommentare dazu ab - was mich dazu veranlasste, darüber nachzudenken, ob das nicht vielleicht wirklich eine gute Idee wäre. Wenn auch nicht ganz in dem Sinne, wie der Vorschlag wohl gemeint war. Schließlich hatte die Erfahrung gezeigt, dass einige meiner Facebook-Bekannten erheblichen Spaß daran haben, wenn ich Beiträge vom Bistum Münster (oder anderen Bistumsseiten) in meiner Chronik teile und mit kritischen oder sarkastischen Bemerkungen garniere - während andere nichts damit anfangen können oder sogar genervt davon sind. So etwas, dachte ich mir, könnte man durch die Einrichtung einer Gruppe doch sehr schön filtern. Gleichzeitig fand ich, man müsse sich nicht unbedingt speziell auf die Bistum-Münster-Seite einschießen; Inhalte von eher fragwürdiger Qualität gibt es schließlich auch bei anderen kirchensteuerfinanzierten Social-Media-Auftritten. Im Rahmen der Diskussion über diesen Sachverhalt merkte Bloggerkollege Thomas aus dem Abendland schließlich an, er selbst verwende für derartige Fälle stets die Formulierung "ein ungenanntes Bistum". Das klingt gut, fand ich. Ich schlief aber noch eine Nacht darüber, ehe ich mich daran machte, die Gruppe "Ein ungenanntes Bistum" auf Facebook einzurichten.

Die Resonanz war verblüffend. Ehe ich auch nur dazu gekommen war, eine Gruppenbeschreibung zu formulieren und einen idealtypischen, mit einem Foto von Toastbrot versehenen Tagesimpuls von der Seite meines allerzweitliebsten Bistums zu teilen, steuerten meine zu Gründungsmitgliedern der Gruppe ausersehenen FB-Freunde nicht weniger als drei Beiträge bei. Als ich endlich doch eine Gruppenbeschreibung ausgearbeitet hatte, lautete diese wie folgt:

"Bist Du auch genervt von der Social-Media-Tätigkeit mancher deutscher Bistümer? Von Tagesimpulsen zwischen Esoterik und Nonsens, von zu viel Politik, Sport und Promi-Gossip und zu wenig Glaubensinhalten? Findest Du auch manchmal, die FB-Seite des einen oder anderen Bistums sollte sich lieber in "Interreligiöses Teekränzchen gegen Rechts" (oder so) umbenennen?

Dann bist Du hier richtig! Teile Deine bizarrsten Fundstücke, gern aber auch Beispiele dafür, wie es besser ginge!

WICHTIGER HINWEIS: Das Ganze ist natürlich nicht zuletzt auch humorig gemeint. Beschimpfungen gegen Bischöfe oder Frauen in Hosen, bittere Lamenti über den allgemeinen Niedergang des Katholizismus oder Zweifel an der Rechtgläubigkeit von Papst Franziskus sind in dieser Gruppe nicht willkommen! (Und wenn doch, dann nur mit Augenzwinkern...)" 
Nun, einige Tage später, bin ich mehr als angetan von der Resonanz, die diese aus einer Laune heraus geborene Gruppengründung gefunden hat. Die Gruppe "Ein ungenanntes Bistum" hat derzeit 66 Mitglieder und hat sich zu einer wahren Fundgrube für Skurriles und Bizarres aus der Welt des real existierenden Katholizismus entwickelt. Dabei geht es längst nicht nur um verunglückte "geistliche Impulse"; fleißig geteilt werden etwa auch Videos von liturgischem Tanz und sonstigem Ringelpiez, Fotos von schlimmen Messgewändern (z.B. von der Seite Bad Vestments) und unbekömmlicher Kirchenarchitektur, und im Kommentarbereich wird auch schon mal aus dem Nähkästchen geplaudert, was z.B. persönliche Erfahrungen mit der Stuhlkreismafia angeht. Aber - und das ist das Schöne an dieser Gruppe - alles mit Humor. Statt sich zu ereifern und zu grämen, wird lieber gescherzt und gealbert. Da schlüpfen auch schon mal gestandene Tradis spaßeshalber in die Rolle prilblumenliebender WiSiKianer. Und ich habe ein neues digitales Lieblingsspielzeug entdeckt: den Meme-Generator.


Natürlich hat diese ganze Blödelei einen durchaus ernsten Hintergrund. Aber die Gruppenregeln stellen sicher, dass dieser Ernst eben im Hintergrund bleibt. Auf dass allen Beteiligten das Lachen nicht vergeht. Denn, wie Max Goldt einmal schrieb - sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert - : Wer noch in der Lage ist, herzlich zu lachen, dem gerinnt sein Genervtsein nicht zu Hass. Außenstehende wären vermutlich überrascht, was für ein lustiges Volk diese radikalen Christen sind, vor denen in jüngster Zeit so viel gewarnt wird.

Wobei, à propos Außenstehende: Es handelt sich um eine geschlossene Gruppe. Einen geschützten Raum gewissermaßen. Das ist wichtig, denn nur wenn in inhaltlichen Fragen ein gewisser Grundkonsens vorausgesetzt werden kann, kann sich das, worum es in dieser Gruppe geht, ungestört entfalten. Anders gesagt: Nach Herzenslust herumblödeln lässt sich nur, wenn man einigermaßen darauf vertrauen kann, dass die Anderen den Witz verstehen. -- Wobei das mit dem "geschlossenen" Charakter einer Facebook-Gruppe auch wiederum relativ ist. Man kommt schon rein, aber man muss vorher anklopfen. Und gegebenenfalls einen kleinen Background-Check über sich ergehen lassen, denn, wie gesagt, es ist schließlich ein geschützter Raum. Aber übermäßig streng sind wir bei den Aufnahmekriterien nun auch wiederum nicht: Trotz der grundsätzlich katholischen Ausrichtung der Gruppe haben wir sogar ein paar Evangelikale dabei... ;)


Kommentare:

  1. Die Evangelikalen haben wir aber nur aufgenommen, um sie zu bekehren. Der Katholische Katechismus liegt schon bereit.

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