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Samstag, 4. Mai 2013

Shiny Happy Focolari

Am gestrigen Freitag, dem 3. Mai 2013, fand in den Räumen der Katholischen Akademie in Berlin eine Veranstaltung der Fokolar-Bewegung statt, in deren Rahmen die Präsidentin dieser geistlichen Gemeinschaft, Emmaus Maria Voce, einen Vortrag mit dem Titel Dialog des Lebens hielt. Bloggerkollege Josef Bordat hatte mich zu dieser Veranstaltung eingeladen; also dachte ich mir: Das wird bestimmt ganz interessant.

Dem Namen nach war mir die Fokolar-Bewegung durchaus ein Begriff; zur Vorbereitung auf meinen Besuch der Veranstaltung las ich mir auf die Schnelle noch etwas genaueres Wissen an: Die Bewegung wurde 1943 in Italien vo der damals 20jährigen, 2010 selig gesprochenen Franziskaner-Tertiarin Chiara Lubich gegründet und 1962 von Papst Johannes XXIII. als geistliche Gemeinschaft approbiert. Ihrem Ursprung nach ist sie demnach eine katholische Bewegung, die jedoch in der Praxis einen zunehmend überkonfessionellen und sogar interreligiösen Charakter trägt: Nicht nur Katholiken, nicht nur Christen können Focolari sein, sondern z.B. auch Buddhisten und Muslime - "[i]n Algerien beispielsweise", so verrät Wikipedia, "besteht die Fokolarbewegung zu über 90 % aus Muslimen". Interessant. Dem modernen Geschmack - der Auffassung, die unterschiedlichen Religionen seien doch im Grunde nur unterschiedliche Wege zum selben Ziel und sollten sich mehr auf das Verbindende als auf das Trennende konzentrieren - kommt ein solches Projekt einer religionsübergreifenden spirituellen Bewegung zweifellos entgegen, und so fällt es ins Auge, dass in dem oben zitierten Wikipedia-Artikel der Abschnitt "Kritik", der in Artikeln zu religiösen bzw. kirchlichen Themen sonst einen großen Teil des Gesamtumfangs auszumachen pflegt, gänzlich fehlt. Lediglich die ausgeprägte Marienfrömmigkeit der Focolari-Gründerin Chiara Lubich erzeugt ein leises Stirnrunzeln.

[Update: Wie ich erst später erfuhr, hat es in früheren Versionen des hier angesprochenen Wikipedia-Artikels den Abschnitt "Kritik" - mit der bei Kirchenthemen zu erwartenden Tendenz - sehr wohl gegeben; der Abschnitt wurde jedoch nach intensiver Diskussion entfernt, da sich gezeigt hatte, dass die dort geäußerten Kritikpunkte unfundiert, spekulkativ und z.T. geradezu an den Haaren herbeigezogen waren. Näheres dazu siehe hier.]

Nun kann ich nicht verhehlen, dass gerade dieses vermeintliche Fehlen von Reibungsflächen und Angriffspunkten mich erst einmal skeptisch stimmte. Abgesehen von der Frage, was bei dem Projekt einer interreligiösen Spiritualität anderes herauskommen soll als ein letztlich unbefriedigender "kleinster gemeinsamer Nenner", kam mir auch die boshafte Redewendung in den Sinn, wer nach allen Seiten offen sei, der könne nicht ganz dicht sein.

Der Auftakt der Veranstaltung in der Katholischen Akademie - die übrigens ausgesprochen gut besucht war und bei der auch einige Prominenz zugegen war; namentlich erwähnt wurden die Botschafterin der Demokratischen Republik Kongo, Clementine Shakembo Kamanga, der Apostolische Nuntius Jean-Claude Périsset und der in Berlin sehr populäre emeritierte Weihbischof Wolfgang Weider - bestärkte mich zunächst in meiner Skepsis. Die Fokolar-Bewegung präsentierte sich mit einem Logo, das, wie ich fand, vom Design her ebensogut eine Kranken- oder Bausparkasse hätte repräsentieren können; der Moderator der Veranstaltung, Andreas Kaczynski, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Brandenburg, agierte, als gelte es ein Auto- oder Möbelhaus zu eröffnen; zur Einstimmung wurde ein mit poppiger Musik unterlegtes und zum Teil live von Herrn Kaczynski kommentiertes Filmchen gezeigt, in dem vor allem fröhliche, attraktive Jugendliche aus aller Welt beim gemeinsamen Spaßhaben zu sehen waren, aber so gut wie keine inhaltliche Aussage bzw. Botschaft "'rüberkam". Hochnotpeinlich wurde es, als A. Kaczynski seine Frau Susanne und das türkischstämmige Nachbars-Ehepaar zu einem exemplarisch inhaltsleeren Interview auf die Bühne holte ("Das ist ja spannend, Susanne!" - "Spannend" scheint überhaupt ein Lieblingswort des Herrn Kaczynski zu sein). Seinen nächsten Interviewpartner, einen ansteckend fröhlichen Mann aus dem westafrikanischen Benin, kündigte der Moderator mit den Worten "Jetzt kommt hier noch mehr Farbe auf die Bühne" an - mit viel gutem Willen konnte man das auf das farbenprächtige Gewand des Mannes beziehen. Als hätte er sich nicht schon genug Peinlichkeiten geleistet, machte Kaczynski seinem Interviewpartner auch noch das zweifelhafte Kompliment "Manchmal vergisst man ja schon fast, das du aus Afrika kommst". Der so Angesprochene - der betonte, er habe "von Haus aus Erfahrung mit dem Anderssein" - entpuppte sich dennoch im Handumdrehen als Publikumsliebling. Alle Herzen flogen ihm zu, als er schilderte, das Ritual des "Kinder-zu-Bett-Bringens" kenne er "aus Afrika so nicht": "Die Kinder sind bei uns, bis sie todmüde sind, und dann legen wir sie hin." Und großes Gelächter erntete er, als er hinzufügte, er habe sich inzwischen dennoch daran gewöhnt, seine Tochter zu einer festen Uhrzeit zu Bett zu bringen, und festgestellt, dass "die Eltern auch etwas davon haben".

Da, wie erwähnt, die Veranstaltung unter dem Motto Dialog des Lebens - Unterzeile: "Für eine geschwisterliche Gesellschaft" - stand, bildete das Schlagwort Dialog - Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, kultureller und religiöser Prägung etc. - einen (wenn auch dünnen) roten Faden dieses banal-bunten Vorprogramms; völlig ungeklärt blieb dabei allerdings die Frage: Dialog worüber eigentlich? Ist es nicht eine wesentliche Voraussetzung für jeglichen Dialog, dass man erst einmal etwas zu sagen hat? Und was könnte das sein? Aufschluss über diese Frage erhoffte ich mir, als nach rund einer halben Stunde Vorprogramm endlich Maria Voce die Bühne betrat - eine liebenswürdige weißhaarige Dame im quietschrosa Blazer à la Queen Mum oder Barbara Cartland. - Maria Voce, geboren 1937, gehört der Fokolar-Bewegung seit 1963 an; der Beiname Emmaus wurde ihr von Chiara Lubich verliehen, der sie nach ihrem Tod im Jahre 2008 als Präsidentin der Gemeinschaft nachfolgte. Ihr auf Italienisch gehaltener Vortrag dauerte einschließlich der Übersetzung rund eine halbe, "netto" also wohl kaum mehr als eine Viertelstunde, und bestand zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Zitaten ihrer Vorgängerin und Mentorin Chiara Lubich. Letzteres war aber wohl kaum als Nachteil zu betrachten, wenn es darum gehen sollte, darzustellen, worum es der Fokolar-Bewegung eigentlich geht.

Maria Voce eröffnete ihren Vortrag mit dem Hinweis auf "zwei Herausforderungen", denen die Welt von heute ausgesetzt sei: zum einen die "Bedrohung des Friedens" durch Terrorismus, die Finanzkrise, aber auch durch demographische Veränderungen der Gesellschaftsstruktur: "In einigen Ländern reißt die sinkende Geburtenrate Lücken in die Bevölkerung, die von Zuwanderern gefüllt werden [...]. Obwohl dieses Aufeinandertreffen etwas Positives und Bereicherndes haben kann, ist es oft Anlass zu Auseinandersetzungen [...], wenn nicht sogar Auslöser für Gewaltausbrüche. Und leider wird häufig auch durch Vortäuschung religiöser Motivationen der Friede ernsthaft gefährdet." Als zweite Herausforderung hob Maria Voce den Umstand hervor, "dass Menschen und Völker verstärkt danach trachten, ihre eigene Identität zu behaupten": "Man kann das Bedürfnis nach Anerkennung von unterdrückter oder verloren gegangener Identität wahrnehmen, die Forderung nach Respekt von Seiten der vorherrschenden Kultur sowie die Notwendigkeit, mit anderen Kulturen zu interagieren."

Die Antwort auf diese Herausforderungen sieht die Fokolar-Bewegung in der Vision einer "universellen Geschwisterlichkeit"; Leitgedanke der Bewegung ist dabei "das Gebet Jesu 'Alle sollen eins sein' (Joh 17,21) - das wir übersetzen können in 'aus der gesamten Menschheit eine einzige Familie machen'". Das Mittel zur Verwirklichung dieser Vision soll der Dialog sein - Dialog als "ein Lebensstil, eine neue Kultur". Wesentlich hierfür ist es, nach den Worten Chiara Lubichs, "Gott als Vater aller Menschen anzusehen" und somit jeden Menschen "als unseren Bruder oder unsere Schwester". Dialog, wenn er mehr sein solle als "Unterhaltung, Gerede, Gespräch", müsse von "Barmherzigkeit, Mitleid, Liebe" geprägt und begleitet sein: "Wenn wir nicht in einer Haltung der Liebe sind, werden wir nicht das Licht Gottes haben, und dann kann der Dialog, welcher Art auch immer, steril und unfruchtbar werden; [...] nur, wenn wir lieben, kann uns der Hl. Geist [...] dialogfähig machen und uns die richtigen und konstruktiven Antworten eingeben."

Dieses Zitat aus einem Vortrag Chiara Lubichs aus dem Jahr 1970 ließ mich aufhorchen - und an meine erst jüngst geschilderten Erfahrungen mit dem "Kneipenapostolat" denken: Wenn, was ja immer mal wieder vorkommt, der Dialog im "niederschwelligen Kontaktbereich" der Kneipe nicht so gut läuft, kann das dann daran liegen, dass ich meinem Gesprächspartner einfach nicht genug Liebe entgegenbringe? Das scheint mir eine durchaus plausible Annahme; dass es nicht immer leicht ist, seinem Gegenüber Liebe entgegenzubringen, besonders dann, wenn dieser es umgekehrt auch nicht tut, weiß natürlich auch Maria Voce und wusste bereits Chiara Lubich, die darum von einer "Kunst zu lieben" sprach - einer Kunst, die sehr wesentlich auf drei Grundsätzen basiert: "Alle lieben" - "immer lieben" - "[a]ls erste lieben". Gerade der letzte Punkt erschien mir bedeutsam und bedenkenswert: "Die Liebe ergreift immer die Initiative; sie wartet nicht auf Gegenliebe oder eine andere Art von Gegenleistung."

Zu Abschluss ihres Vortrags ging Maria Voce auf "fünf besondere Dialogfelder" ein, die sich in der Geschichte der Fokolar-Bewegung herauskristallisiert haben: Am Anfang habe der Dialog "innerhalb der eigenen Kirche" gestanden; seit den 1960er Jahren sei die "Begegnung von Christen der verschiedenen christlichen Kirchen" hinzugekommen, seit den 70ern dann auch der "Dialog unter Gläubigen verschiedener Religionen", etwa mit "Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus, Sikhs, aber auch mit Anhängern traditioneller Religionen in Afrika". Wesentlich für diesen Dialog sei die Erkenntnis Chiara Lubichs, dass die "Goldene Regel" aus Mt 7,12 - "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen" - "als Grundsatz in jeder [!] Kultur und Religion vorhanden" sei und dass "der geistliche Weg, auf den Gott uns geführt hat, Berührungspunkte hat mit allen übrigen geistlichen Wegen [...], sogar mit denen von Gläubigen anderer Religionen" - was zweifellos so einigermaßen auf der Linie der Erklärung Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils zu den nichtchristlichen Religionen (1965) liegt. - "Doch damit nicht genug: Nach und nach entwickelten sich Formen der Zusammenarbeit mit vielen Menschen ohne religiöse Überzeugung, denen aber der Wert der menschlichen Person und viele andere Grundwerte ein Anliegen sind."

Nun könnte man meinen, mit diesen vier "Dialogfeldern" sei so ziemlich alles abgedeckt, was es überhaupt gibt; was aber bleibt dann als fünftes Dialogfeld? - Der "sogenannte Dialog mit der zeitgenössischen Kultur". Inwiefern aber ist die "zeitgenössische Kultur" etwas Fünftes, was ist diese Kultur überhaupt, wenn sie nicht in den zuvor angesprochenen vier Dialogfeldern enthalten ist?  - Maria Voce konkretisierte, die "von Chiara angestrebte universelle Geschwisterlichkeit" beschränke sich "nicht nur auf den Bereich der Religion", sondern vermöge "auch der Wirtschaft, der Politik, der Philosophie, der Kunst, dem Sport [!?], der Pädagogik, dem Rechtswesen, der Medienwelt usw. Impulse zu geben". In diesem Zusammenhang zitierte sie eine Ansprache Benedikts XVI. anlässlich einer "Begegnung mit Vertretern aus der Welt der Kultur" am 12.05.2010 in Lissabon:
"Angesichts der kulturellen Verschiedenheit muß dafür gesorgt werden, daß die Menschen nicht nur die Existenz der Kultur der anderen akzeptieren, sondern auch danach trachten, sich von ihr bereichern zu lassen sowie umgekehrt ihr das anzubieten, was sie selbst an Gutem, Wahrem und Schönem besitzen."
Soweit, so schön. Wenngleich mich das Gefühl einer gewissen Schwammingkeit und inhaltlichen Unbestimmtheit in den Grundsätzen der Fokolar-Bewegung noch immer nicht ganz verlassen hatte, konnte ich doch nicht umhin, anzuerkennen, dass Frau Voce so einiges Kluges, Interessantes und Bedenkenswertes zu sagen hatte. Leider verstimmte sie mich am Ende des Vortrags mit einer, wie ich fand, gründlich missglückten captatio benevolentiae an das Berliner Publikum, indem sie äußerte, Berlin stehe "fast als Symbol dafür [...], dass alle Mauern und Grenzen überwindbar sind". Bei allem Respekt: Auf die Idee, Berlin sei ein Symbol für irgendwas, kann man wohl nur aus der Außensicht kommen. Ich lebe seit über 16 Jahren in Berlin und habe nicht den Eindruck, dass diese Stadt ein Symbol ist - am allerwenigsten für das, was Frau Voce in ihr sehen möchte.

Nach einer Pause mit Klaviermusik - ein Stück von Mendelssohn, den genauen Titel habe ich mir nicht gemerkt - sollte zu einer Diskussion (nein: einem Dialog!) mit dem Publikum übergeleitet werden, aber zunächst wusste niemand etwas zu sagen. Typisch, dachte ich grimmig. Dieses ewige Gequatsche über Dialog macht SPRACHLOS. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten gab es dann aber doch fünf, sechs Wortmeldungen aus dem Publikum. Josef Bordat ergriff als Repräsentant der Blogoezese das Wort und sprach die Focolari-Präsidentin auf eine Randbemerkung im Vortrag an, die sich - wenig positiv - auf die "modernen Kommunikationsmittel" bezogen hatte: Diese böten "die Möglichkeit, die Kontakte zu vervielfältigen", seien aber "oft von kurzer Dauer, flüchtig, sinnentleert, während andererseits die realen Beziehungen zerbrechen und weniger werden". Angesichts dieser Entwicklung sei es notwendig, auf dem Wege der Liebe "Kontakte in Beziehungen [zu] verwandeln". Auf Josef Bordats kritische Nachfrage hin, ob damit gemeint sei, in sozialen Netzwerken seien nur Kontakte, aber keine Beziehungen möglich, präzisierte Frau Voce, selbstverständlich seien die sozialen Kommunikationsmittel heutzutage "immens wichtig", aber eben nur als Mittel der Kommunikation, Mittel der Gemeinschaft; die virtuelle Welt dürfe nicht für die wirkliche Welt gehalten werden bzw. diese ersetzen sollen. Gut und recht, aber das hat Benedikt XVI. schon mal besser gesagt.

Der überwiegende Großteil der weiteren Publikums-"Diskussion" leistete aus meiner Sicht jedoch nichts Anderes, als das Unbehagen, das ich bereits während des "Vorprogramms" empfunden hatte, bis an die Grenze des Erträglichen zu verstärken: Was der Vortrag an interessanten Impulsen geboten hatte, wurde in einem Schwall von pinkfarbener Fluffigkeit erstickt. Die klebrige Gefühligkeit der meisten Wortbeiträge, die penetrante Duzerei, die naive Unterwürfigkeit, mit der die anwesenden Focolari ihre "liebe Emmaus" um Ratschläge für allerlei Lebenslagen baten, als sei sie mindestens eine Prophetin; die gebetsmühlenartige Wiederholung von mehr oder minder nebulös bleibenden Schlagwörtern ("Dialog", "Liebe", "universale Geschwisterlichkeit" und das Ganze nochmal von vorn) - es fehlten eigentlich nur noch gebatikte T-Shirts und Ausdruckstanz, um das Bild komplett zu machen. Ich jedenfalls hatte ganz entschieden das Gefühl, im falschen Film zu sein. Mehr als einmal dachte ich: Ich muss hier raus, ich kann hier nicht atmen. Zeitweilig fühlte ich mich an Motivationsseminare für Versicherungsvertreter erinnert, zeitweilig an Sekten-Werbeveranstaltungen, wie man sie aus der Lindenstraße oder dem Tatort kennt, und zeitweilig mit erschreckender Deutlichkeit an den von Patrick Swayze dargestellten Lebenshilfe-Guru Jim Cunningham aus der Horrorkomödie Donnie Darko.

Nachdem der im Vorprogramm gezeigte Film den Eindruck vermittelt hatte, dass gemeinsames Kochen und Essen in der Praxis der Focolari (in deren Namen wohl nicht von ungefähr das Wort focoli, "Herd", steckt) eine wichtige Rolle spielt, war es ein wenig enttäuschend, dass es beim anschließenden Empfang keine Eintopfspezialitäten aus aller Welt, sondern lediglich Salz- und Käsebrezeln gab; aber wie ich im persönlichen Gespräch herausfand, hatte das einen Grund: Für die Veranstaltung einen Saal der Katholischen Akademie anzumieten - was schon an sich nicht gerade billig gewesen war -, verpflichtete dazu, auch den Catering-Service des angrenzenden Hotels zu nutzen. Na schön: Immerhin gab es Wein, und zwar reichlich; ich unterhielt mich gut und war alles in allem recht zufrieden, zu dieser Veranstaltung gekommen zu sein. Ich bin auch - das sei abschließend in aller Deutlichkeit betont - gern bereit zu glauben, dass die Focolari in der tagtäglichen Basisarbeit Gutes, Wichtiges und Verdienstvolles leisten. Aber dieser Stil, diese Gefühligkeit, diese ganze "Wir haben uns alle lieb"-Atmosphäre -- das alles behagt mir ganz einfach nicht. Da hätte ich ja gleich nach Hamburg zum Evangelischen Kirchentag fahren können (kleiner Scherz...).

P.S.: Kurz vor dem Abschluss dieses Berichts kam mir - was man schon als bemerkenswerte Fügung bezeichnen muss - Armin Schwibachs Zusammenfassung der heutigen Predigt Papst Franziskus' in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae zu Gesicht; und siehe da, auch in dieser Predigt spielte der Begriff des Dialogs eine bedeutende Rolle. In offenkundiger Übereinstimmung mit den Lehren einer Chiara Lubich äußerte der Heilige Vater heute morgen: "Heute bedarf es des Dialogs unter uns, er ist notwendig für den Frieden. Der Dialog ist eine Gewohnheit, eine Haltung, die wir unter uns einnehmen müssen, um aufeinander zu hören, zu verstehen... Der Dialog entsteht aus der Nächstenliebe, aus der Liebe." Allerdings betonte er auch: "Mit dem Fürsten dieser Welt" - das ist, meinen mit diesem Vokabular nicht so vertrauten Lesern sei's verraten, der Deifi -  "kann man in keinen Dialog treten: und das muss klar sein! [...] Man kann nur mit dem Wort Gottes antworten, das uns verteidigt, weil die Welt uns hasst." -- Ich glaube, das war genau der Aspekt, der mir bei den Focolari gefehlt hat. Inhaltlich. Von meinen formalen Vorbehalten mal ganz abgesehen.

Kommentare:

  1. Dank für diesen interessanten Artikel.
    Er deckt sich recht genau mit meinem Eindruck von dem mir vorliegenden Informationsmaterial über die Focolarbewegung (Papier und Homepage)und mit dem, was ich in meiner Heimatgemeinde auf Nachfragen von dort aktiven Leuten erfuhr.
    Es wird immerzu Gutes getan, und zwar wirklich freundlich und liebevoll - aber ich habe nach gewissenhafter Lektüre aller erhaltenen Informationen nicht die geringste Ahnung, worin dies Gute eigentlich besteht. Außer im "Dialog".

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  2. Habe, glaube ich, eine Ahnung, was du mit der "Fluffigkeit" meinst. Allerdings wundert es mich, dass du es ausgerechnet bei den Fokolari gefunden hast. Meine Bezugspunkte zu Fokolare sind bisher zwar marginal, aber die Leute, die ich von dort direkt oder indirekt kenne, sind sonst eigentlich immer ziemlich "down to earth" ohne auch nur ansatzweise esoterisches Beiwerk. Ich denke da etwa an den früheren Aachener Bischof Klaus Hemmerle und immerhin haben auch zwei der kreativsten Pastoraltheologen des deutschsprachigen Raums (Sellmann und Hennecke) Wurzeln in dieser Bewegung. Die "Unterwürfigkeit", von der du (duzen sich Blogger eigentlich auch zwanghaft?) schreibst, kenne ich eher aus konservativen geistlichen Bewegungen, zu denen ich Fokolare eigentlich gerade nicht zählen würde. Danke jedenfalls für den Bericht!

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  3. Danke, Tobias, für das Teilen Deiner Eindrücke!

    Ich habe mal meine Sicht geschildert: http://jobo72.wordpress.com/2013/05/04/fokolarbewegung-aus-meiner-sicht/

    In meinem Fall rührt das "Du", mit dem mich der Moderator ansprach, daher, dass wir uns schon länger kennen; Maria Voce habe ich hingegen gesiezt.

    Der Hinweis auf Klaus Hemmerle ist sehr wichtig - er ist derjenige, der die Spiritualität der Fokolarbewegung auf eine theologische Ebene gehoben hat bzw. als Bischof von Aachen in die entsprechenden Diskurse eintrug.

    LG, JoBo




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  4. Noch zu Klaus Hemmerle: http://jobo72.wordpress.com/2012/01/30/mann-der-einheit/

    LG, JoBo

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  5. Der punktuelle Eindruck von dieser einen Veranstaltung kann natürlich kein qualifiziertes Urteil über die Fokolar-Bewegung als Ganze darstellen. Was aus Frau Voces Vortrag über die Grundsätze dieser Gemeinschaft hervorging, hat zwar noch einige Fragezeichen über meinem Kopf hinterlassen, hat aber ohne Frage auch seine anregenden und anziehenden Aspekte. Ich bleibe auf jeden Fall an dem Thema "dran"...

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