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Sonntag, 21. April 2013

Fünfmal täglich oder öfter

Der Berliner Senat hat eine neue Integrationskampagne gestartet: Unter dem Motto "Einbürgerung jetzt!" soll dafür geworben werden, dass Immigranten die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. "Berlin braucht Einbürgerung", betont die Integrationssenatorin Dilek Kolat; darum solle mit der neuen Kampagne ein "einbürgerungsfreundliches Klima" geschaffen werden.

Die "Einbürgerung jetzt!"-Plakate zeigen überwiegend junge, attraktive Menschen beiderlei Geschlechts, denen man ihre nichtdeutsche Herkunft an der Nasenspitze ansehen kann, und dazu den Text. "Ich bin DEUTSCHE/R und...", und dann halt irgendwas, was die betreffende Person außer deutsch noch so ist. Eins der Plakatmotive zeigt eine junge Frau mit Kopftuch, und hier lautet der Text: "Ich bin DEUTSCHE und bete fünfmal am Tag". Auf den ersten Blick sieht das nach einem klaren Fall von "Na und?" aus: Warum sollte eine Deutsche nicht fünfmal am Tag beten? Aber man ahnt natürlich, wie das gemeint ist. 'Fünfmal am Tag beten' steht hier pars pro toto für 'Muslim sein'. Dass es - selbst in Deutschland, ja, sogar in Berlin! - Menschen gibt, die fünfmal am Tag oder sogar noch öfter beten, ohne Muslime zu sein, kommt dabei gar nicht in den Blick. Ob beabsichtigt oder nicht, suggeriert das Plakat: Beten, erst recht fünfmal am Tag, ist etwas Fremdes und Sonderbares, aber die Muslime machen das nun mal so - das muss man tolerieren, im Interesse der Integration.

Beim Nachsinnen über diese Werbebotschaft hatte ich plötzlich eine Idee für eine kleine Variation des Plakatmotivs. Man nehme statt der jungen Muslima mit Kopftuch eine Ordensfrau im Habit, mit einem Brevier in der Hand, und dazu den Satz:

"Ich bin Deutsche und bete siebenmal am Tag."

Je länger ich über diesen Einfall nachdenke, desto besser gefällt er mir. Wäre doch mal ein hübscher Auftakt für eine Kampagne, die man - in Anlehnung an einen berühmten Satz eines ehemaligen Bundespräsidenten - "Das Christentum gehört zu Deutschland" nennen könnte - oder so ähnlich...

Kommentare:

  1. Hübsche Idee, wirklich :)
    Obwohl mich die Tatsache, dass es einer solchen Kampagne scheinbar heutzutage bedarf, eher traurig stimmt.

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  2. Ich finde die Idee gut. Ich glaube, dass viele Christen überhaupt nicht wissen, dass jeder Christ das Stundengebet mitbeten darf und es keine 'Spezialität' für die Beruf(enen) Christen ist.

    Außerdem sehe ich inzwischen so selten Ordensfrauen, dass ich mich schon über eine Abbildung auf einem Plakat freuen würde.

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  3. Danke für diesen Beitrag, ita est. Witzigerweise hat der Islam diese Gebetszeiten ja vom Christentum übernommen, das das Stundengebet wiederum eigentlich dem Judentum zu verdanken hat.

    Bei diesen Sachen wird allerdings von außen her oft, scheints, mit zweierlei Maß gemessen: wenn es (Fasten, Beten) Muslime tun oder vielleicht allenfalls Buddhisten (Fasten, meditieren, zölibatär leben) ist es cool man, wenn es Christen tun ist es was anderes.

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  4. Ja, an das vollständige Stundengebet denke ich auch immer, wenn ich so Sprüche höre, daß die Muslime ja so viel beten. Da denk ich mir immer "tu ich auch tun".

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