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Donnerstag, 3. August 2017

Warum wir doch nicht zum Meditativen Tanz in Tossens gegangen sind

Eigentlich war ich fest entschlossen gewesen, mir die Veranstaltungsreihe "Atempause - Zwischen Himmel und Erde" im erst kürzlich wieder eröffneten "Kommunikationszentrum OASE" in Tossens nicht entgehen zu lassen. Zumal ich bei einem ersten flüchtigen Blick auf das aktuelle Veranstaltungsprogramm fälschlich annahm, just in der Woche, in der ich mit meiner Liebsten vor Ort sein würde, würde Pfarrer Jasbinschek im Rahmen der "Atempause" einen Vortrag über das Pilgern auf dem Jakobsweg halten. Das wäre ja ein Thema gewesen, zu dem meine Liebste und ich aus eigener Erfahrung Manches hätten beitragen können, und dann hätten wir den Pfarrer bitten können, uns mit dem Auto zurück nach Nordenham mitzunehmen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man nämlich abends nicht mehr aus Tossens weg. 

Auf den zweiten Blick zeigte sich leider, dass ich mich im Datum versehen hatte und dass der Jakobsweg-Vortrag zum Zeitpunkt unserer Ankunft in Nordenham bereits vorbei war. Stattdessen standen an dem einzigen für uns in Frage kommenden "Atempause"-Termin 

"Meditativer Tanz und bewegende Geschichten" 

auf dem Programm, gestaltet von einer Frau aus Burhave, die ich seit meiner frühesten Kindheit kenne, unter anderem in ihren Funktionen als Leiterin eines Kinder-Akkordeonorchesters sowie als Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Die Synergieeffekte kann man sich ja vorstellen. 

"Vielleicht sollten wir auf die Veranstaltung doch lieber verzichten", sagte ich einen Tag vorher zu meiner Liebsten. 
"Ja, glaube ich auch", erwiderte sie. 
"Dann lass uns lieber vormittags nach Tossens fahren und nachmittags nach Burhave, dann können wir da zum Rosenkranzgebet und zur Wort-Gottes-Feier gehen und sind abends wieder in Nordenham." 
"Ja, das klingt vernünftiger." 
"Allerdings, wenn wir im Anschluss an die Wort-Gottes-Feier mit Leuten ins Gespräch kommen, die uns sagen, wir müssten unbedingt abends zur 'Atempause' kommen - und die uns dann auch eine Lösung für das Problem anbieten können, wie wir danach wieder zurück nach Nordenham kommen - dann würde ich's mir noch mal überlegen." 
"Na ja." 
"Ich weiß, das ist nicht sehr wahrscheinlich. Ich wüsste auch nicht, warum irgend jemand besonders großen Wert auf unsere Anwesenheit beim Meditativen Tanz legen sollte." 
"Zumal, wenn das als Mitmach-Veranstaltung angelegt ist, dann bringt das ja auch nichts. Wir werden schließlich kaum meditativ tanzen." 
"Der gemeine Butjenter aber auch nicht. Außer vielleicht, er hat einen im Kahn." 
"Oder er hat zu viel Schifferklavier gehört." 

Toll. Jetzt habe ich Kopfkino. Bärbeißige alteingesessene Butjenter mit Prinz-Heinrich-Mütze, Schifferkrause und blauem Rollkragenpullover, die, zünftig angetütert, zu den Klängen eines Schifferklaviers meditativ tanzen

"Ich glaube ja eher", meint meine Liebste, "das ist eine Veranstaltung für Frauen über 50 mit gefärbten kurzen Haaren." 
"Und Batik-Halstüchern. Oder Holzperlenketten." 
"Und bunten Strickpullovern." 
"Ich glaube, wir sollten uns lieber davon fern halten." 

Also folgten wir meinem bereits skizzierten Alternativplan und nahmen schon am Vormittag den Bus nach Tossens - wo wir uns erst den Strand ansahen und dann DAS HAUS, über das ich vor einiger Zeit schon mal was geschrieben habe: das ehemalige Tossenser Gästehaus der Pfarrei, das jetzt verkauft werden soll. Wobei es derzeit nicht unbedingt danach aussieht, als würde sich jemand ernsthafte Mühe geben, es zu verkaufen. Aber das ist ein Thema für sich, auf das ich in Kürze zurückkommen werde. Das direkt nebenan gelegene "Kommunikationszentrum OASE" sahen wir uns ebenfalls an, allerdings nur von außen, da es offenbar nur dann offen ist, wenn da eine Veranstaltung stattfindet.

Kurzzeitig hatten wir mit dem Gedanken gespielt, uns ein zweisitziges Tretmobil zu leihen und damit zu Minervas Hexenhof zu kacheln, der ein paar Kilometer außerhalb von Tossens liegt; das wäre vielleicht ein mehr oder weniger adäquater Ersatz für den "Meditativen Tanz" in der "OASE" gewesen, zumindest was den Batik-Faktor angeht, aber letztendlich sagten wir uns: Muss nicht sein. Stattdessen aßen wir in Tossens zu Mittag und fuhren anschließend mit dem Bus nach Burhave, wo in der Kirche Herz Mariae - jener Kirche, in der ich Taufe, Erstkommunion und Firmung empfangen habe - um 14:30 Rosenkranzgebet und um 15 Uhr eine Wort-Gottes-Feier stattfand.


Und nun rate mal, lieber Leser, welche dieser beiden Veranstaltungen dem ollen Meckerkopp in mir besser gefiel...? Falsch. Das Rosenkranzgebet wurde von zwei ältlichen Damen geleitet, von denen eine zu spät kam, weshalb die andere schon mal alleine anfing; alleine auch in dem Sinne, dass sie von der Anwesenheit anderer Personen in der Kirche praktisch keine Notiz nahm. Der Rosenkranz wurde auch nicht, wie andernorts üblich, in "dialogischer" Form gebetet. Ich will nicht unbedingt behaupten, dass es die beiden Vorbeterinnen störte, dass es neben ihnen noch andere Teilnehmer gab, aber man hatte den Eindruck, eigentlich sei das nicht vorgesehen.

Die Madonnenfigur sieht etwas vernachlässigt aus. Früher trug sie je nach Zeit im Kirchenjahr entweder mit eine Jesuskind-Figur auf dem Schoß oder wurde mit einer Figur des Leichnams Jesu zur Pietà erweitert. Noch früher wurde sie zu besonderen Festen mit Mantel, Schleier und Krone geschmückt. 

Die Wort-Gottes-Feier wurde von derselben Frau geleitet, die am Abend auch die "Atempause" gestaltete, und ich glaube, ich muss hinsichtlich des latent boshaften Tonfalls, mit dem ich sie oben vorgestellt habe, ein bisschen Abbitte leisten. Sie machte das nämlich wirklich schön - auch wenn mir die Liedauswahl nur zum Teil behagte: "Suchen und fragen", die Kirchentags- und Katholikentagshymne "Da begegnen sich Himmel und Erde" sowie "In jedem Wind, in jedem Sturm" aus der Feder des unvermeidlichen Peter Janssens, sämtlich - natürlich! - auf dem Akkordeon begleitet, hätten meinetwegen nicht unbedingt sein müssen. Na, sei's drum. Nett fand ich, dass die Gottesdienstleiterin mich vor Beginn der Feier persönlich begrüßte, daran erinnerte, dass ich schon in einem Alter, als ich mich noch auf die Zehenspitzen stellen musste, um übers Ambo hinwegschauen zu können, in der Messe die Lesungen vorgetragen hatte (wirklich wahr!), und mich fragte, ob ich diese Aufgabe auch jetzt wieder übernehmen möge. Machte ich gern.

Die Gestaltung des Ambo hat mir schon als Kind seht gut gefallen. 
Dieses Ensemble aus Osterkerze, Taufbecken und Tabernakel ist jüngeren Datums. 

Blick in die Sakristei 

Nach der Wort-Gottes-Feier gönnten meine Liebste und ich uns Kaffee und Kuchen in einer Bäckerei, und dann ging's zurück nach Nordenham. So wurde es also auch ohne meditativen Tanz ein erlebnisreicher und eindrucksvoller Tag; aber abschließend möchte ich doch noch einmal auf die Veranstaltungsreihe "Atempause" zurückkommen - genauer gesagt: auf einen Werbetext für diese Veranstaltungsreihe, den man etwa im Veranstaltungskalender der Website butjadingen.de findet. Da heißt es: 
"Mal musikalisch, mal besinnlich, mal etwas kreativ oder auch visuell. Mit leichten religiösen Impulsen und auch Mitmachaktionen lädt die Oase ein, sich vielleicht nach längerer Zeit wieder Gott zu nähern." 
Gnorf. Dieses ewige "mal", "oder auch / und auch" und dieses schüchtern-relativierende "etwas" und "leicht" macht den Text ja schon schwer erträglich. Aber das "vielleicht" haut mich dann vollends um. Ich sag mal so: Wenn das eine interne Projektbeschreibung sein sollte, könnte man sagen, na gut, ein bisschen verdruckst, aber immerhin ehrlich. Aber als Werbetext?!? Nun, ich schätze, auf einige kritische Betrachtungen zu Konzepten, Methoden und Zielen der Urlauberseelsorge in Butjadingen werde ich noch in einem separaten Artikel zurückkommen müssen...


Kommentare:

  1. Die Kirche gefällt mir - und das will was heißen bei meinen Ansprüchen. Ganz ehrlich: Zwischen Osterkerze und Tabernakel gespanntes Fischernetz, darin das Taufbecken - das ist eine sehr eindrucksvolle Bildersprache, und die Ausführung gefällt mir auch sehr. Das Altarbild finde ich sehr schön.
    Bei so viel Gutem über moderne Sakralkunst bin ich bereit, über doofe Lieder und Texte hinwegzusehen. Allerdings habe ich leicht reden, ich musste sie ja auch nicht hören. Ich hör gerade Gregorianik. :)

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  2. Die Madonna macht eine Atempause. Vielleicht um Gott näher zu kommen. In der Sakristei sind sie schon aufgewacht.

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