Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 12. August 2017

Nennen wir's doch die "Willehad-Option"!

Nachdem die Diskussion über meinen vorigen Artikel ziemlich stark von der eigentlich eher "anekdotischen" Bezugnahme auf "Minervas Hexenhof" dominiert worden ist - dazu vielleicht irgendwann noch mal ein Nachtrag -, möchte ich die Aufmerksamkeit meiner Leser nun aber mal darauf lenken, dass ich mir mit der Bemerkung 
"[G]etan werden muss etwas - nicht nur für die Urlauber, sondern erst recht für die Einheimischen. Sonst wird es in zehn, fünfzehn oder spätestens zwanzig Jahren in Butjadingen keine Katholische Kirche mehr geben
gegen Ende des besagten Artikels durchaus absichtsvoll eine Vorlage zugespielt habe -- denn ich müsste wohl nicht der Tobi sein, wenn ich mir zum Was und Wie dieses Handlungsbedarfs nicht schon so meine Gedanken gemacht hätte. Nicht nur, weil ich emotional einfach sehr an diesem Fleckchen Erde (und der dortigen Kirche) hänge. Sondern auch, weil sich im Mikrokosmos des Gemeindegebiets von St. Willehad das mähliche Abnippeln der alten Volkskirche besonders deutlich beobachten lässt - weshalb sich, so meine ich zumindest, ebendieser Mikrokosmos auch für die Entwicklung von Pilotprojekten eignet, die einen Ausweg aus der gegenwärtigen Krise aufzeigen könnten. 

Standbild des Pfarrpatrons vor der katholischen KiTa in Nordenham. 
Schon vor ein paar Monaten hatte ich hier über den geplanten Verkauf eines der Pfarrei gehörenden Hauses im Nordseebadeort Tossens berichtet und dabei mein Bedauern geäußert, dass die Pfarrei das Haus nicht, statt es zu verkaufen, für ein irgendwie "punkpastorales" Projekt zur Verfügung stellt. Wobei ich das nicht unbedingt als Kritik an den Entscheidungsträgern in der Pfarrei meinte - denn dass die von allein auf so eine Idee hätten kommen sollen, wäre schlicht nicht zu erwarten gewesen, und woher hätten sie die Leute für so ein Projekt auch nehmen sollen? 

Überrascht war ich allerdings, als mein Artikel über das Haus in Tossens Reaktionen hervorrief wie "Warum kauft ihr das Ding nicht einfach?". Was gar so einfach freilich nicht ist - und das meine ich nicht in erster Linie finanziell. Das Geld würde man schon irgendwie auftreiben (dazu später mehr). Gravierender ist, dass es für meine Liebste und mich derzeit nicht in Frage kommt, nach Butjadingen zu ziehen. In sechs bis zehn Jahren könnte das eine interessante Option werden, aber zum gegebenen Zeitpunkt definitiv nicht, aus einer Reihe privater und beruflicher Gründe. (Hinzu kommt, dass ich in der Pfarrei St. Willehad, und nicht zuletzt auch in den Gremien der Pfarrei, umstritten bin. Was ebenfalls ein Grund dafür sein dürfte, dass bei einem Projekt, das letztlich auf die Kooperation oder zumindest Koexistenz mit der Ortspfarrei angewiesen wäre, nicht ausgerechnet ich in der ersten Reihe stehen sollte.) Dennoch sagten wir uns: Sich ein Konzept dafür zu überlegen, was man in einem Haus wie diesem veranstalten könnte, kann ja nicht schaden. Haben wir ein Konzept, findet sich vielleicht auch jemand, der's macht - zumindest ist die Wahrscheinlichkeit dafür größer, als wenn man kein Konzept hat. Und wenn es jetzt und mit diesem Haus nicht klappen sollte, wird es sicherlich in Zukunft noch Gelegenheiten geben, bei denen man so ein Konzept - mit gewissen Anpassungen - noch gebrauchen kann. 

Das war Ende Mai, und inzwischen hat sich ein bisschen was getan - nicht zuletzt auch dadurch, dass meine Liebste und ich kürzlich persönlich vor Ort waren und uns ein bisschen umgesehen haben. An dieser Stelle erhebt sich natürlich die Frage, wie tief ich mir eigentlich in die Karten schauen lassen will bzw. sollte. Aber ich sag mal so: Mitstreiter bräuchte ein solches Projekt ohnehin - in erster Linie jemanden, der bereit wäre, das Haus tatsächlich zu bewohnen, idealerweise eine Familie; aber auch noch weitere Unterstützer -, und da scheint es ja nicht ganz abwegig, dass man diese unter den Lesern meines Blogs finden könnte. Allzu sehr ins Detail gehen werde ich hier nicht (interessierte Leser dürfen gern persönlich bei mir nachfragen), aber ein paar Eckdaten dazu, was uns so vorschwebt, möchte ich doch schon mal vorstellen. 

Ich darf vorstellen: DasHaus! 

Zunächst ganz grundsätzlich: Worum es bei dem ganzen Projekt gehen soll, wäre eine Kombination aus "alternativem Wohnprojekt", Gästehaus und Exerzitienzentrum, entschieden katholisch ausgerichtet und gleichzeitig mit einem nicht geringen "Punk-Faktor". Wie schon gesagt, könnte man sich ein solches Konzept sicherlich auch an anderen Orten vorstellen; ich habe aber mal zusammengetragen, was konkret für genau dieses Haus spricht. Das lässt sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen: 
  • Die Größe. Man könnte unschwer 8-10 Personen in dem Haus unterbringen, unter etwas "asketischen" Bedingungen, wie etwa in einer Pilgerherberge im Stil von Grañón, wahrscheinlich noch mehr. Das Obergeschoss ist bereits für die Nutzung als Gästehaus "vor-optimiert": Es gibt drei kleine und ein etwas größeres Gästezimmer, eine Wohnküche und zwei Badezimmer. Das Erdgeschoss wäre eher als "Familienwohnung" geeignet, wobei das Wohnzimmer gleichzeitig auch als Gemeinschaftsraum zu nutzen wäre - dazu später mehr. 
  • Die Lage. Etwa auf halbem Wege zwischen dem Strand und dem eigentlichen Dorf Tossens gelegen, ist das Haus gewissermaßen abgeschieden und zentral zugleich und bietet somit die perfekte Balance zwischen Zurückgezogenheit und Erreichbarkeit, letztere gleichermaßen für Einheimische wie für Urlauber. Obendrein befindet sich direkt nebenan das "Kommunikationszentrum OASE" der katholischen Pfarrei, das auch einen geweihten Sakralraum beherbergt. 
Soweit, so schön. Nun mal angenommen, man hätte das Haus und hätte auch Leute, die bereit sind, es zu bewohnen. Was wäre dann zu tun? Meine Liebste bringt es wie folgt auf den Punkt: 
"Erst mal müsste man in Haus und Garten eine ganze Menge in Ordnung bringen, Kontakt zu den Einheimischen aufbauen und pflegen, eventuell eine Foodsharing-Initiative starten - und ansonsten für das Projekt beten. Und damit wäre dann auch schon ein Jahr rum." 
Tatsächlich bieten die genannten Punkte aber bereits ein ganz beachtliches Potential an Synergieeffekten. Die notwendigen Instandsetzungsarbeiten in Haus und Garten - die Fenster im Erdgeschoss müssen erneuert werden, einige Räume haben grässliche Teppichböden, die nicht nur aus ästhetischen, sondern auch aus hygienischen Gründen hochproblematisch sind; im Garten müsste der Baum- und Strauchbestand gründlich ausgelichtet werden, der Carport (oder sagen wir lieber Schuppen) sieht akut einsturzgefährdet aus, und dann gibt es da noch einen schlammigen Tümpel... -, könnte man teilweise in Form von Exerzitien gestalten. Hat doch was sehr Benediktinisches. Ob der besagte Tümpel noch zu retten (und zu einem schönen Fischteich umzugestalten) ist, mag fraglich sein, aber es wäre so schön symbolisch... 





Sodann könnte man sich über das Foodsharing-Netzwerk zum Regionalbeauftragten für die Wesermarsch ernennen lassen (da gibt es nämlich noch keinen), regelmäßig den Nordenhamer Wochenmarkt und evtl. auch noch einige Bäckereien und sonstige Lebensmittelläden abgrasen und in großem Stil Marmelade und Gemüsesuppe einkochen - und dann im Sinne benediktinischer Gastfreundschaft jeden zufällig vorbeikommenden Besucher mit einem Marmeladenbrot u./o. einem Teller Suppe begrüßen... A propos benediktinische Gastfreundschaft: Zur "Hausordnung" sollte es auch gehören, immer mindestens einen Schlafplatz für unangekündigte Gäste freizuhalten. Platz ist ja genug. 

Als Kontaktangebot für Einheimische böte sich eine Teestunde an, die man unkompliziert durch Aushänge im Supermarkt und beim Bäcker bewerben könnte. Idealerweise sollte sie täglich stattfinden - wenn keiner kommt, trinken die Hausbewohner den Tee eben alleine. - Das Wohnzimmer im Erdgeschoss böte sich dafür an; es grenzt an eine Terrasse, zu der von der Einfahrt ein gepflasterter Fußweg führt, allerdings müssten sowohl die Terrasse als auch dieser Weg erst mal wieder hübsch hergerichtet werden, dann könnte man die Terrassentür als Besuchereingang nutzen. 

Verbindet man die Teestunde mit dem Stundengebet (Terz oder Non, je nachdem, ob vormittags oder nachmittags), hat man gleich eine Querverbindung zum Punkt "für das Projekt beten" hergestellt. Aber auch davon abgesehen wäre die Pflege des Stundengebets ein wichtiger Punkt der "Hausordnung". Wenn es gut läuft, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Pfarrei sich mittelfristig bereit findet, einmal in der Woche (oder so) den Sakralraum der "OASE" für Vesper oder Komplet zur Verfügung zu stellen. In diese Richtung mal weitergedacht: Wenn man im Haus einen Priester zu Gast hat, könnte man mit der Pfarrei vermutlich auch darüber reden, diesen in der "OASE" mal eine Messe für die Bewohner und Gäste des Hauses zelebrieren zu lassen - die dann aber natürlich auch allen anderen Interessierten offen stehen sollte. 

Soweit erst mal ein paar konzeptionelle Schlaglichter. Wie schon angedeutet, ist der Punkt, an dem das Konzept derzeit am meisten hakt, derjenige, dass irgendjemand dauerhaft in dem Haus wohnen (und dadurch dann auch der primäre Ansprechpartner für Nachbarn und Gäste sein) wollen muss. -- Und was ist nun mit dem Geld? Nun ja: Tatsächlich kenne ich niemanden, der eine Summe, die sowohl den Kaufpreis für das Haus (samt Grunderwerbsnebenkosten) als auch die nötigsten Investitionen für Instandsetzung und -haltung und die Betriebskosten für das erste Jahr abdecken würde, einfach so bei sich rumliegen hat. Trotzdem bin ich der Meinung: Wären wir erst mal so weit, dass nur noch das Geld fehlt, dann würde das Geld schon irgendwo her kommen. Hierzu etwas aus der Rubrik "Von Dorothy Day lernen heißt siegen lernen"
"Im Frühjahr 1937 expandierte [die Catholic Worker Farm], indem eine weitere Farm mit einem kleinen Haus und zwei Scheunen am Fuß des Hügels, zu der eine steile, steinige Straße von einer Viertelmeile Länge führte, zuerst gemietet und dann gekauft wurde. Es gelang ihnen, diese untere Farm für 4.000 Dollar zu erwerben - wie Dorothy behauptete, durch das Beten der sogenannten "Gib-mir-Novene", besser bekannt als Rosenkranznovene. Drei Novenen lang (also dreimal neun Tage) bat man um etwas, das man brauchte, und dann, ob die Bitte erhört worden war oder nicht, begann man drei weitere Novenen in Dankbarkeit. Wenn das nicht wirkte, wiederholte man den gesamten Zyklus, und ehe man damit fertig war, hatte man das erhalten, wofür man gebetet hatte. 'Das ist die Art von Geschichten', schrieb Dorothy, 'die die Leute auf die Palme bringt, die uns abergläubisch nennen.'"
(aus: Kate Hennessy: "Dorothy Day - The World will be saved by Beauty", Simon & Schuster 2017, S. 106.) 
Meine Liebste hat bereits damit angefangen. Gebete für eine spezielle Novene zusammenzustellen... 



P.S.: Es soll nicht verschwiegen werden, dass ganz in der Nähe ein abschreckendes Beispiel in Sachen Hausprojekt zu bewundern ist - die ehemalige Christkönig-Kirche in Stollhamm, die 2014 profaniert und 2015 mitsamt zwei Nebengebäuden an Privatleute verkauft wurde. Die Käufer beabsichtigten, den denkmalgeschützten Kirchenraum unter dem Namen "K3" ("Kleine Kultur Kapelle") als Veranstaltungsort zu nutzen und durch Ferienwohnungen in den Nebengebäuden querzufinanzieren. Im Herbst 2016 gab es dann auch eine Eröffnungsveranstaltung im K3, aber seitdem scheint das Projekt irgendwie in halbfertigem Zustand steckengeblieben zu sein. Darüber wird es evtl. noch mehr zu sagen geben - wenn ich mit dem Eigentümer Kontakt aufgenommen haben werde... 





Keine Kommentare:

Kommentar posten