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Dienstag, 24. Mai 2016

Blog-Vorschau: Huhn meets Ei und Wellenwindwandern zusammen auf dem Katholikentag!

In Kürze beginnt in Leipzig, im derzeit noch vakanten Bistum Dresden-Meißen, der 100. Deutsche Katholikentag. Katholikentage gibt es in Deutschland seit dem Revolutionsjahr 1848, und ursprünglich waren sie mal darauf ausgerichtet, die Interessen der Katholiken in den der Kirche oft nicht besonders wohlgesonnenen deutschen Staaten zu bündeln und ihnen eine Stimme zu geben. Ungefähr seit 1968 haben sich die Katholikentage - seit 1970 organisiert von "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" ("ZdK") - allerdings eher zu einem Tummelplatz der Opposition gegen die sogenannte "Amtskirche" entwickelt, zum Versuchslabor für eine "Kirche der Zukunft", die mit katholischer Lehre und Tradition möglichst wenig gemein haben soll - eine klimagerechte, fair gehandelte, gendersensible und "spirituell" nach (fast) allen Seiten offene Do-It-Yourself-Kirche.  

Nachdem ich im letzten Jahr schon auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart war und eifrig darüber gebloggt habe, lag es für mich eigentlich auf der Hand, heuer einen Trip zum Katholikentag zu planen - umso mehr, als Leipzig von Berlin aus schnell, einfach und billig zu erreichen ist. Ich glaube Grund zu der Annahme zu haben, dass der Katholikentag noch um Einiges interessanter werden wird als der Evangelische Kirchentag a.k.a. Martin Luther Grave Rotation Event - gleichzeitig aber auch schmerzhafter, da es diesmal die eigene Konfession ist, die sich öffentlich zum Vollhorst macht. (Wobei: Auch letztes Jahr in Stuttgart war - im Zeichen der Ökumene - die Katholische Kirche kräftig mit dabei, und wie man sich erinnern wird, empfand ich deren Beiträge zum Kirchentag tendenziell als die ärgerlichsten.) 

Kurz und gut: Natürlich fahre ich zum Katholikentag - unter dem Motto "An die Ränder gehen, und seien es nur die Ränder der eigenen nervlichen Belastbarkeit". Und was das Schönste ist: Meine Liebste kommt mit! Was natürlich die Hoffnung nährt, dass es spannende Berichte über diesen irren Trip nicht nur auf meinem, sondern auch auf ihrem Blog "Wandern im Wellenwind" zu lesen geben wird. -- Da wir allerdings beide zur Zeit keinen Urlaub haben, begnügen wir uns mit einem Tagesausflug - am Samstag. Früh am Morgen geht's los und in der Nacht zurück. Wahrscheinlich reicht's uns dann auch. Mit gründlicher Planung sollte es möglich sein, innerhalb dieser Zeitspanne mehr vom Katholikentag zu sehen und mitzubekommen als letztes Jahr innerhalb von zwei Tagen (na gut: eineinhalb) beim Evangelischen Kirchentag. 

Allein für den Samstag weist das offizielle Katholikentagsprogramm ganze 648 Veranstaltungen aus. Da fällt die Auswahl vielfach schwer. Zu bestimmten Zeiten - etwa von 11:00-12:30, von 14:00-15:30 und von 16:30-18:00 Uhr - finden jeweils an die 100 Veranstaltungen gleichzeitig statt - Podumsdiskussionen, Workshops, Impulsvorträge usw. zu heißen Themen wie "Frauen.Macht.Kirche", "Klimagerechtigkeit", "Gender in the City", "Ist Homosexualität unbiblisch?", "Muss Theologie fromm sein?", "Müssen wir uns vom Alten Testament verabschieden?" oder "Was glaubst du eigentlich, was du glaubst?". Und für diejenigen Katholikentagsbesucher, die es vorziehen, Diskussionsveranstaltungen konsequent zu meiden - was vermutlich eine ziemlich gute Idee ist -, gibt es just in diesen Zeiträumen auch musikalische, meditative und/oder im weitesten Sinne "spirituelle" Alternativangebote: Gottesdienste, Beichtgelegenheiten, Orgelkonzerte, Einführung in christliche Meditation oder "Innehalten im Clara-Park". Meine Liebste hat mich schon ermahnt, wir sollten nicht nur zu Veranstaltungen gehen, über die sich voraussichtlich deshalb gut bloggen lässt, weil sie so schlimm sind, sondern auch zu solchen, die möglicherweise tatsächlich gut sind. Es wird eine interessante Aufgabe, da eine gute Mischung hinzukriegen. 

Immerhin habe ich aus meinem letztjährigen Besuch beim Kirchentag einige Lehren gezogen, die uns am Samstag hoffentlich von Nutzen sein werden. Die wichtigste Lehre: den Zeitplan nicht zu voll packen! Es kann ganz schön anstrengend werden auf so einer Großveranstaltung, in einer mit Menschen vollgestopften Stadt mit konsequenterweise ebenso vollgestopften öffentlichen Verkehrsmitteln. Und womöglich wird es sehr heiß. Da braucht man Pausen. Irgendwann zwischendurch muss man auch mal was essen - das vergisst man leicht bei der Erstellung eines Veranstaltungsplans. Außerdem sollte man den Tagesablauf nicht so akribisch durchplanen, dass kein raum für Spontaneität und Überraschungen mehr bliebe. Und schließlich wird man - insbesondere da meine Liebste immer noch zuweilen Fußprobleme hat - gut daran tun, den Tag so zu gestalten, dass man nicht mehr als nötig von A nach B und zurück eiern muss. 

Die Veranstalter werben zwar damit, es werde ein "Katholikentag der kurzen Wege" sein, und auf der Karte sieht es auch danach aus; dennoch dürfte es sich als sinnvoll erweisen, unser individuelles Katholikentagsprogramm von vornherein auf einige wenige Veranstaltungsorte zu konzentrieren. Ein Muss ist natürlich die "Kirchenmeile" rund um den Wilhelm-Leuschner-Platz, zwei S-Bahn-Stationen vom Hauptbahnhof entfernt - mit den Infoständen der Bistümer, Ordensgemeinschaften, geistlichen Gemeinschaften, Hilfswerke und Verbände. Als ein weiterer örtlicher Schwerpunkt scheint sich die (evangelische!) Peterskirche sowie, nur zwei Hausnummern weiter, das "Eva Schulze" anzubieten, wobei "Eva Schulze" die Abkürzung für "Evangelisches Schulzentrum" ist. In der Peterskirche bzw. auf deren Gelände befindet sich eine "Jugendkirchen-Lounge", die "Global-Spirit-Jurte" und ein Stand, an dem man Buttons designen kann; es gibt dort ein "Ökumenisches Mittagsgebet mit Gesängen aus Taizé", Rosenkranzgebet, Beichtgelegenheit und mehrere Themengottesdienste. Im "Eva Schulze" befinden sich der "Infopunkt Themenbereich Jugend", ein "Raum der Stille", ein "Weltcafé", es gibt "Mugge" und "Coggdails", eine Ausstellung zur Geschichte der Katholischen Jugend in Leipzig und jede Menge Veranstaltungen zu Sex, Drogen, Pubertät und allem, was noch so damit zusammenhängt. Nicht allzu weit davon entfernt, in der Anton-Philipp-Reclam-Schule, befindet sich das Zentrum Esoterik - okay, so habe ich es getauft, die Veranstalter bevorzugen die Bezeichnung "Biblisch-Geistlicher Themenbereich". Dort gibt es ebenfalls einen "Raum der Stille" und außerdem "Einzelberatung in Glaubens- und Lebensfragen und Möglichkeit zum Beichtgespräch", daneben aber auch Veranstaltungen wie "Klangschalenreise durch die Psalmen", "Mystik in Yoga und Christentum", "Tanzexerzitien" und "Qigong - Einführung und leichte Übungen" sowie ein "Bibliodrama" zur "Heilung der blutflüssigen Frau". Interessantes hat auch der Themenbereich Familie und Generationen in der Gutenbergschule zu bieten - etwa eine Ausstellung zum Hohelied Salomos und Veranstaltungen zu Themen wie "Werteorientierte Sexualpädagogik", "Sex im Web 2.0" und "Wie Ehe und Familie gelingen können". Prinzipiell würde mich ja auch ein Besuch im Zentrum Regenbogen in der Friedenskirche interessieren, aber das liegt ein bisschen weit ab vom Schuss. Schauen wir mal. 

Ein Programmpunkt steht jedenfalls schon fest, nämlich der Abschluss unseres Tagesausflugs nach Leipzig: das Nightfever in der Nikolaikirche, in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs, von wo es am späten Abend wieder zurück nach Berlin geht. Das Nightfever wird sicherlich ein Highlight - und ein dringend notwendiges. Begriffe wie "Eucharistische Anbetung", oder auch nur "Anbetung", sucht man in der Stichwortsuche des Katholikentagsprogramms ansonsten nämlich vergeblich... 



Kommentare:

  1. Es werden auch "anständige", sprich "normal katholische" Gemeinschaften beim #kt16 vertreten sein, nämlich die Legionäre Christi in Gestalt von P. Daniel Weber am Stand der Deutschen Ordensoberenkonferenz. http://www.regnumchristi.eu/de/component/k2/item/2615-ecce-homo-seht-da-ist-der-mensch Ihr seid herzlich eingeladen, da mal vorbeizuschauen und mit den guten Pater zu reden (oder zuzuhören, falls ihr mit dem Gesprächstempo eines Maschinengewehrs klar kommt) oder einfach einen Gruß da zu lassen.

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  2. Thomas Beckett24. Mai 2016 um 14:34

    Ich beneide Sie keineswegs um diesen Besuch, aber wenn Sie ihn sich schon antun, dann freue ich mich auf den Bericht. Es gibt übrigens schon eine (wenn auch augenscheinlich wirklich nur eine einzige) Eucharistische Anbetung, am Donnerstag: http://bit.ly/1OKQS9u. Die werden Sie dann wohl verpassen.
    Von den Legionären Christi würde ich mich allerdings eher fernhalten, da muss es doch noch etwas weniger besudelte Kongregationen geben, mit denen man das normalkatholische Banner im Heer der Eso-Katholen hochhalten kann.

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  3. "Besudelt", das klingt mir jetzt sehr nach "Sippenhaft", werter Herr Beckett. Wenn Sie die Geschichte dieser Kongregation in den letzten Jahren etwas verfolgt haben, müssen Sie ihnen zumindest zugute halten, dass seit Bekanntwerden der Verbrechen des Gründers alles getan wurde, um das Aufzuarbeiten. Der Orden wurde faktisch unter der direkten Ägide des Vatikan neu gegründet. Und der jetzigen Ordensleitung kann man echt keinen Vorwurf machen, die mussten nämlich den Saustall damals aufräumen und deshalb passen sie auf wie die Schießhunde, dass so etwas nicht wieder passiert.
    Außerdem gibt es am Samstag, 28.05. ein Nightfever und wenn das nicht unter 'Eucharistische Anbetung' fällt, weiß ich auch nicht.

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  4. Global-Spirit-Jurte! Ich möchte nicht von Euch verlangen, da hinzugehen (zumal das Mittagsgebet mit Taizégesängen und dann Rosenkranz und Beichtgelegenheit ja viel schöner sind). Andererseits würde ich natürlich doch gerne Deine süffisanten Worte zur Jurte lesen.
    Na, Nightfever bügelt dann aber alles aus, find ich.

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