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Montag, 2. Januar 2017

Provokantes Gedankenspiel, das mir an Silvester in einem indischen Restaurant einfiel

Ich weiß gar nicht, wie ich darauf gekommen bin. Es gab jedenfalls keinen erkennbaren äußeren Anlass oder Anstoß dafür.

These: 

Aggressiv kämpferische Atheisten sind der Erkenntnis Gottes näher als sogenannte "liberale Christen". 

Begründung: 

Der aggressive Kampfatheist nimmt Gott - oder den Glauben anderer Menschen an Gott - als etwas wahr, das ihn herausfordert und in Frage stellt. Das beunruhigt ihn, und deshalb kämpft er dagegen.
Der "liberale Christ" hat seine Vorstellung von Gott so sehr domestiziert, dass sie niemanden mehr beunruhigt - am allerwenigsten ihn selbst. Sein Gottesbild ist so reduziert, dass die Frage, ob dieser Gott tatsächlich existiert, für ihn mehr oder weniger irrelevant ist. 

Spinnt man diesen Gedanken weiter, kann man zu dem Schluss kommen, es wäre denkbar kontraproduktiv, wenn ein (noch) nicht gläubiger, aber suchender Mensch ausgerechnet an "liberale Christen" geriete. Diese würden ihm nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit den Eindruck vermitteln, dass es sich letztlich nicht lohnt, an Gott zu glauben. 



Kommentare:

  1. Es muss wohl irgendwas im Essen gewesen sein..."Kampfatheisten" (KA) und "Kampfchristen" (KC = Fundis & Dunkelleute jeder Konfession) haben tatsächlich das gleiche Problem. Der herrschenden Wissenschaft - und vor diesem Hintergrund agieren die KA ja, siehe die GBS - ist die Gottesfrage egal, das gilt auch für die überwiegende Mehrheit der getauften Christen, die so leben etsi deus non daretur. Umso lieber beziehen sich KA und KC aufeinander, denn ansonsten fehlt ihnen ein richtiges Gegenüber, an dem sie sich abarbeiten können. Daher finden auch die KA die "liberalen Christen" ziemlich ätzend. Während der moderne Atheismus ein eher junges Phänomen ist, das seit Bertrand Russell unter Intellektuellen grassiert, so ist das KC ein Verfallsprodukt der Auflösung konfessioneller Milieus in der durchsäkularisierten Gesellschaft, für die es immer unwichtiger ist, was die Menschen denken. Hauptsache sie arbeiten und konsumieren. (Die heftige Abwehr gegen den Islamismus kommt daher, dass er diesen Grundkonsens nicht nur in Frage stellt, sondern auch sein Leben dagegen einsetzt.) Typisch bei beiden, KA & KC, sind Dichotomien (wir/die anderen), die aber darunter leiden, das den "anderen" (Wissenschaftler, Christen) die Gottesfrage ziemlich wurscht ist. Beide Gruppen haben etwas sektiererisches/binnenbezogenes an sich, weshalb sie zu scharfen Abgrenzungen und Selbststilisierung neigen. Beide können schlecht damit leben, dass es eben nicht nur zwei Richtungen gibt. Wissenschaftler, die sich durchaus (in der Regel sehr komplizierte) Gedanken über Gott machen und Christen, die nicht mit dem CIC unterm Arm zur Messe gehen oder gar einen ganz anderen Zugang zu Gott haben

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    1. Wow - das dürfte das erste Mal sein, dass ein Kommentar zu einem meiner Artikel länger ist als der Artikel selbst! :)

      Ich möchte gern weiter versuchen, mich kurz zu fassen, daher als Antwort vorerst nur ein paar Schlaglichter.

      Sich "Gedanken über Gott zu machen" kann eine interessante und unter Umständen auch sinnvolle Betätigung sein, aber wenn dabei der GLAUBE - wenigstens in Form des GlaubenWOLLENS- fehlt, bleibt es geistige Selbstbefriedigung.

      Dass eine große Zahl von Menschen so lebt, "als ob es Gott nicht gäbe", ist kein neues Phänomen. Klagen darüber finden sich schon in den Psalmen.

      Schließlich: Christen, die "einen ganz anderen Zugang zu Gott haben"? 'Ganz anders' als WAS genau? Mit Blick auf Joh 10,1-10 bin ich da skeptisch.

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    2. Ich weiß, dass Ihr das Thema Gott & Wissenschaft immer möglichst weit weg schiebt. Ich denke allerdings schon, dass man sich über ein neues Gottesbild Gedanken machen muss. Aber das ist hier eine eher uninteressante Sache.
      Wichtiger wäre mir die Frage: kann mal "glauben wollen"? Wenn ich zu jemandem sage "ich will dir glauben", so klingt das eher nach "für diesmal, Weil's du's bist". Ich frage mich, ob man sich dafür ENTSCHEIDEN kann, GLAUBEN zu WOLLEN. (Ich kann mit "glauben" (Verb) eh nichts anfangen, für mich geht es eher um Seinsvertrauen.)

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    3. Ich kann mit dem Begriff "frühstücken" nichts anfangen, für mich geht es eher um morgendliche Kalorienaufnahme.

      http://mightymightykingbear.blogspot.de/2017/01/do-they-know-it-breakfast.html

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    4. Ad secundum und im Ernst: Ja, das "Glaubenwollen" (oder sagen wir meinetwegen: die *Bereitschaft* zum Glauben) ist, zumindest unter anderem *auch*, eine Willensentscheidung. Der Glaube selbst nicht, der ist eine Gnade, also ein Geschenk.

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    5. Wer ist denn dieses "Ihr" welches das Thema Gott und Wissenschaften möglichst weit wegschieben?
      Ich frage mich, wie man angesichts der sehr klaren Ausgangsthese auf eine rein als aufeinander bezogen sinnvolle Gegnerschaft der KC und KA kommt. Ich frage mich außerdem, wie man hier auf (wen?) kommt, der (angeblich) beide Themen - Gott und Wissenschaften - so weit weg schieben wie möglich...

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    6. Ich verfolge diesen Blog ja schon seit längerem, kann mich aber nicht erinnern jemals etwas zu diesem Thema gelesen zu haben. Hier ist ja das Einfallstor der KA. Das Weltbild der Naturwissenschaften (z.B. die schiere Größe des Universums) ist mit dem biblischen Weltbild schlicht unvereinbar. Ich habe auch nicht von einer "sinnvollen " Gegnerschaft von KA und KC gesprochen. Sie haben beide mit dem gleichen Problem zu tun, der Vergleichgültigung der Gottesfrage in Wissenschaft und Gesellschaft. Womit es dann nahe liegt, sich aneinander abzuarbeiten.

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    7. Mir scheint, Sie sind schlicht und ergreifend nicht ausreichend informiert.
      Die Naturwissenschaften haben kein Weltbild, das ist weder ihr Bezugspunkt noch ihre Aufgabe. Auch die Größe des Kosmos ist kein Weltbild sondern eine Schlussfolgerung aus bestimmten wissenschaftlichen Erkenntnissen, warum diese mit der Bibel unvereinbar sein sollte, leuchtet mir nicht ein. Auch die Evolutionstheorie an der sich ja durchaus auch einige Christen, z.B. fundamental Evangelikale, gerne abarbeiten, stellt kein Weltbild auf, sondern eine Erklärung zur Entstehung der Artenvielfalt. Hier ist für mich ebenfalls kein Widerspruch zum biblischen und/oder christlichen Weltbild zu erkennen.
      Von einer Vergleichgültigung der Gottesfrage in der Wissenschaft zu sprechen ist ebenfalls sachlich falsch, da selbige noch nie der Gegenstand vom Wisemschaft war - abgesehen von der Theologie und der Phlosophie natürlich.

      Aus biografischer Sicht dürfte für uns beide als konkretes Beispiel die Vermeidung von Wissenschaft eher nicht denkbar sein - mit solchem Wegschieben wären jeweils zwei Univeristätabschlusse wohl schwer zu machen gewesen.

      Sich jetzt am dem Wort "sinvoll" aufzuhängen... na ja wenn Sie meinen... also noch mal einfacher ausgedrückt:
      Die ausschließliche Aufeinanderbezogenheit von KA und KC, die Sie warum auch immer hier ins Spiel gebracht haben, erscheint mir doch arg konstruiert.

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    8. "Das Weltbild der Naturwissenschaften (z.B. die schiere Größe des Universums) ist mit dem biblischen Weltbild schlicht unvereinbar."

      Wenn dem so ist, oder wenn dem so wäre, was dann? Die schiere Größe des Weltalls, kann man ja kaum ertragen, selbst wenn sie wissenschaftlich aufgebröselt wird.

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    9. Dem ist so und damit kann man eigentlich die Menschen nicht alleine lassen. Der Protestantismus hat es getan mit der Dialektischen Theologie, die WELT (horizontale Achse) und GOTT (vertikale) scharf getrennt hat und die WELT als sündige, eh verlorene links liegen gelassen hat. Die logische Konsequenz (wenn die Gottachse schwach wird) ist, dass sich den Mensch in eine absurde (Camus), stumme, kalte Welt "geworfen" (Heidegger) vorfindet. Katholischerseits hat man immer an der "guten Schöpfung" festgehalten, nur muss man das heute neu "buchstabieren" und nicht nur wegen der "6 Tage".

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  2. Völlige Zustimmung.

    Der "aggressive Kampfatheist" (schöne pleonastisch-verdoppelnde Wortneuschöpfung!) hat verstanden, dass die Frage nach Gott die wichtigste überhaupt ist. Ja, er gibt eine andere Antwort als Christen. Aber immerhin sieht er die Frage selbst als ebenso wichtig wie "ernsthafte" Christen an.

    Bei den "liberalen" Christen habe ich häufig den Eindruck, dass ihnen die Frage nach Gott weniger wichtig ist als die Frage, was die Nachbarn oder der Zeitgeist von ihnen denken.

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  3. Den Gedanken hatte schon jemand vor Dir...

    Siehe: G. K. Chesterton, "The Ball and the Cross".

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  4. Originalität wird überschätzt. ;)

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  5. Aber mal die Geschichte beiseite:

    So ganz einfach ist die Fragestellung nicht. Wenn man schon Not gegen Elend ins Rennen schickt...

    Also erstens: was verstehen wir unter "Erkenntnis Gottes"? Distinguamus, ich denke, hier ist „Erkenntnis Gottes in einer Form, die zur Vollbekehrung Anstoß gibt“ gemeint. Ansonsten hat der liberale Christ ja Gott schon erkannt, sonst wäre er entweder kein Christ oder (in dem Sonderfall eines kleinen Kindes, daß noch gar keine bewußten Erkenntnisse hat und Entscheidungen trifft) nicht liberal (denn Liberalität ist, sie sei im guten wie im schlechten Sinne verstanden, eine Vernunftentscheidung).

    Der liberale Christ hat Gott erkannt, er hat die Erkenntnis nur beiseitegeschoben. Entweder weil ihm der Gedanke an Gott zu unangenehm war (niemand würde behaupten, diese Erkenntnis sei adäquat und fehlerfrei – aber, seien wir ehrlich, daß ist sie in statu viatoris nicht einmal beim Heiligen) oder auch aus dem verständlicheren Grund, daß man nuneinmal außerhalb eines Klosters (in das die Leute ja primär aus genau diesem Grund eintreten!) nicht permanent im Zustand aktiven formellen An-Gott-Denkens (a.k.a. Betens) leben *kann* (virtuell schon), auch wenn das ein besserer (nicht liberaler) Christ in der Regel bedauern wird.

    Es stellt sich dann die Frage, wie oft man das soll etc., aber das ist – man verzeihe diese staubtrockene Feststellung – keine Frage des *Glaubens*, sondern eine Frage der *Moral* unter Voraussetzung des Glaubens, die technisch irgendwo unter dem Oberpunkt „drittes Gebot“ abgehandelt wird.

    Daß ein Mensch über zu starkes Weglassen formellen Gebets auch die Haltung des virtuellen Gebets verliert, ist zu verhindern, aber dürfte intuitiv nachzuvollziehen sein. Genau aus diesem Grund stellt ja unsere Kasuistik mit Bemühung um eine gewisse Genauigkeit fest, wie oft man (d. h. auch der einfache Christ, der in seinem Leben auch noch etwas anderes zu tun hat) soetwas machen muß und vielleicht auch, wie oft man es machen sollte. Und dann schimpfen uns wieder alle Pharisäer, aber das steht auf einem anderen Blatt.

    – Mich jedenfalls stört am liberalen Christen viel weniger seine mangelnde mystische Ergriffenheit, die man auch über viele Irrlehrer behaupten kann, sondern seine Irrlehren.

    Hier allerdings ist es richtig: beim liberalen Christen prägt die teilweise natürliche, teilweise verständlich-sündhafte Gewöhnung und die nicht ganz so akzeptable Scheu die *Art* der Irrlehren mehr als, sagen wir, bei einem traditionellen Calvinisten, sie sind dann regelmäßig nach der Bauart „keinerlei Einfluß auf das Leben, außer wo wir es wollen – und andauernd entschuldigen wir uns, vor allem uns selber gegenüber, dafür, daß wir doch noch etwas religiös sind“ ausgestaltet (die Prediger, die immer noch von einem „Sonntagschristentum“ à la „am Sonntag schon, am Werktag nicht“ reden, haben mit Verlaub und zugespitzt gesagt ein Problembewußtsein von Anfang des 20. Jahrhunderts oder der 1950er), und es dürfte allerdings klar sein, daß diese beim agressiven Kampfatheisten ganz besonders kontraproduktiv wirken.

    Andererseits wird auf kampfatheistischer Seite das Niveau von Chestertons Turnbull in der Regel auch nicht erreicht. Auch wenn ihr heftiges Reagieren auf die religiöse Frage Hoffnung gibt, so liegt bei den heute bekannten exemplaren doch – trotz teilweise vorhandener hochrangiger Abschlüsse in anderen Gebieten – partiell oder selektiv „das schlimmste von allen, die rücksichtslose Dummheit“ (Boandlkramer zu Kaspar Brandner) vor, was dem Glauben schon ganz gewaltig im Weg steht.

    #langenkommentarschreib

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  6. “Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht“ (Edith Stein)

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  7. Weder die Wissenschaft noch ein KA oder KC kann Gott erkennen, geschweige denn seine Existenz nachweisen oder aufspüren. Das kann nur die Liebe. Gott ist Beziehung, von ihm gewollt vom Menschen des öfteren abgelehnt. Mehr "Erkenntnis" braucht kein Mensch. Jemand der von dem Allerheiligsten kniet und an seinem sehendem Auge zweifelt, und trotzdem bleibt, weiß so ziemlich alles über Gott.

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  8. Wie erklärt man einem Jochen die Existenz katholischer und sehr frommer Mathematiker, Astrophysiker und Biologen? Ich frage aus reinem Interesse, selbst werde ich hier keinen Missionsversuch starten.

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  9. Wow - welch kurzer Artikel!
    Daran könnte ich mich gewöhnen! :-)

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  10. Übrigens rennt man nicht "mit dem CIC in die Messe", da wäre die "Grundordnung des römischen Meßbuchs" angemessener. Einfach vom Inhalt her. #AntwortAufEinenAmateurKommentator

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  11. Zitat KB(TK) vom 29.12 : "Kirchenrechtlich war es schon korrekt, wegen des Trauergottesdienstes eine andere Messe ausfallen zu lassen. Can. 905, § 1 des CIC sieht vor..."
    #ImLesenBinIchProfi

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    1. Hintergrund ist, daß sich der Verfasser darüber gewundert hat (daher auch die Geschichte mit der "Liturgiepolizei"), und später kam dann (von mir^^ - allerdings nicht hier im Kommentarbereich) die Information, daß das so vorgesehen ist, worauf er die einschlägige Paragraphennummer nachgeschlagen hat, auf daß sein Artikel nicht unvollständig ist.

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