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Donnerstag, 1. Oktober 2015

Gehört der Katholizismus zu Schleswig-Holstein?

Es gibt Ärger in der Pfarreigemeinschaft Franz von Assisi in Kiel. Davon berichten die Kieler Nachrichten in der Ausgabe vom Mittwoch unter der Überschrift "Pastor provoziert Netz und Gemeinde". Ein Priester, der in der Pfarreigemeinschaft speziell für die Jugendseelsorge zuständig ist, ist in die Kritik geraten, weil er auf seinem privaten Facebook-Profil wiederholt Artikel der Jungen Freiheit geteilt hat, "die inhaltlich der AfD und der Pegida-Bewegung nahesteht" - und zwar, soweit es dem Pressebericht zu entnehmen ist, insbesondere solche Artikel, die Asylsuchende und andere Migranten, darunter vor allem Muslime, in einem negativen Licht darstellen. Das Erzbistum Hamburg bestätigt, es habe ein "Gespräch" mit dem Priester gegeben; dieser hat die beanstandeten Links inzwischen von seiner Facebook-Chronik entfernt.

Soweit der Aufhänger des Artikels, und bis hierher kann ich die Kritik an dem nicht namentlich genannten Priester - mit aller Vorsicht, da ich nun mal nicht mehr über den Fall weiß als das, was in den Kieler Nachrichten steht - nachvollziehen und unterschreiben. Auch wenn das Teilen von Presseartikeln auf Facebook noch nicht zwangsläufig volle Zustimmung zu diesen bedeutet und es über den bloßen "Ruf" der Jungen Freiheit als "Zentralorgan der sogenannten Neuen Rechten" hinaus (ich selbst lese das Blatt nicht, und wenn ich mal geteilte Artikel daraus in Sozialen Netzwerken zu Gesicht bekomme, stößt mich oft schon die Formulierung der Überschriften ab) im Einzelnen zu prüfen wäre, inwieweit die von diesem Priester verlinkten Artikel fremdenfeindliche Hetze enthalten, ist es für einen Seelsorger, noch ganz besonders für einen Jugendseelsorger, schon im Grundsatz problematisch, wenn er sich auffallend und einseitig politisch positioniert; wollte er, wie er angibt, mit dem Teilen der Artikel lediglich "Gesprächsanregungen" schaffen, hätte er besser daran getan, Artikel mit unterschiedlichen Standpunkten einander gegenüberzustellen. Und wenn seine Vorgesetzten beim Erzbistum feststellen, dass "solche rechtsfreundlichen Tendenzen […] gegen Wesen und Inhalt unserer Kirche und des Christentums" verstoßen, dann ist das ausgesprochen ernst zu nehmen.

Aber das ist, wie gesagt, nur der Aufhänger für den Artikel der Kieler Nachrichten-Redakteurin Kristiane Backheuer. Bemerkenswert und bedenklich erscheint es, was die Autorin im Folgenden so alles mit der Affinität des Jugendpfarrers zur Jungen Freiheit in einen Topf wirft - nämlich vor allem die konservative Positionierung des Priesters in Fragen der Glaubenslehre und -praxis. Dieser Bösewicht kritisiert nämlich auf Facebook auch, horribile dictu, "die inhaltliche Ausrichtung des Evangelischen Kirchentags, Positionen des Zentralkomitees der Katholiken und liberalere Stimmen der Deutschen Bischofskonferenz." Als wäre das noch nicht schlimm genug, greift er zu diesem Zweck auch noch auf Beiträge der "fundamental-katholischen österreichischen Internetplattform" kath.net zurück, "die regelmäßig gegen deutsche Bischöfe wettert, die angeblich zu liberal sind und vermeintliche [!] Glaubenswahrheiten verraten". 

Und nicht nur in den Sozialen Netzwerken zeigt sich der Kieler Jugendpfarrer als arger Dunkelkatholik: "In Gottesdiensten habe er schon häufiger mit extrem konservativen Thesen provoziert, erzählten Katholiken unserer Zeitung. So habe er kritisiert, dass auch evangelische Partner das Abendmahl in der katholischen Kirche in Kiel bekommen würden." Schockschwerenot! "Auch eine Broschüre des Bildungsministeriums über verschiedene Lebensmodelle, die an Grundschüler verteilt wurde, kritisierte er in einer Predigt. Er vermisse die Wertigkeit, sprach er damals von der Kanzel." 

Vor dem Hintergrund des Vorwurfs fremdenfeindlicher Gesinnung wirkt es besonders pikant, wenn schließlich sogar seine polnische Herkunft gegen ihn ins Feld geführt wird: "Ein Gemeindemitglied sagt: 'Polnische Katholiken sind noch sehr konservativ. Die deutsche katholische Kirche ist dagegen viel fortschrittlicher. Der Mann gehört einfach nicht in diese Zeit und'" - Achtung, jetzt kommt's! - "'und in diesen Ort.'"

Im dem Bericht beigesellten Kommentar - von derselben Redakteurin verfasst - spielen die Links zur Jungen Freiheit, die der Priester auf Facebook geteilt hat, folgerichtig nahezu überhaupt keine Rolle mehr: Hier stehen vollends Fragen der katholischen Lehre im Mittelpunkt, wie die Überschrift "KristianeBackheuer zur katholischen Kirche Kiel" bereits unzweideutig verrät. "Ein katholischer Jugendpastor […] schimpft von der Kanzel, dass nur die 'richtige' Familie gut und dass das Abendmahl nicht für jeden gedacht ist", empört sich Frau Backheuer. "Dieser Mann kann kein Vorbild sein."

Dass Frau Backheuer vom Katholizismus, geschweige denn von so komplexen Themen wie dem katholischen Eucharistieverständnis, nicht besonders viel versteht, ist schon anhand ihrer Verwendung des Begriffs "Abendmahl" zu vermuten. Aber als Journalistin hätte sie sich ja mal ein bisschen über das informieren können, worüber sie schreibt. Na ja, vielleicht auch nicht: Sachkenntnis verwirrt nur das Urteil. Wozu lang und breit darüber räsonnieren, dass einer Eucharistiegemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten schwerwiegende sakramententheologische Differenzen entgegenstehen - viel schmissiger ist es doch, einfach zu konstatieren "Solche Doktrinen spalten, sie versöhnen nicht", und lautstark zu fordern, "die Zeit des Ausgrenzens" müsse endlich "vorbei" sein! 

Dass es sich bei diesem und anderen Punkten der Anklageschrift nicht um persönliche Schrullen eines einzelnen Priesters handelt, sondern dass der im Kreuzfeuer der Kritik stehende Geistliche in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre lediglich "so konservativ wie die römische Lehre" ist, ist der Verfasserin hingegen durchaus bewusst: "Auch der Vatikan ist gegen die Homo-Ehe und will das Abendmahl nicht an Konfessionsfremde ausgeben".  Und schon sitzt nicht mehr der wegen seiner Vorliebe für die Junge Freiheit in die Kritik geratene Jugendpfarrer auf der Anklagebank, sondern "der Vatikan" als ganzer, wegen seiner 'unzeitgemäßen' Lehren. Wenn Frau Backheuer die rhetorische Frage "Aber passt das noch?" in den Raum stellt und die Distanz zwischen dem rückständigen Katholizismus und dem "weltoffenen Schleswig-Holstein" betont, dann läuft das trotz (oder gerade wegen?) ihrer Beteuerung "Schleswig-Holstein ist ein multikulturelles und multireligiöses Land. Und das ist gut so" letztlich auf die Frage hinaus: 

Gehört der Katholizismus zu Schleswig-Holstein? 

Das erinnert - wenn auch sicher zufällig - an ein seit Jahren vor allem in linksradikalen bzw. -autonomen Kreisen kursierendes Flugblatt mit dem Titel "Katholikenproblem in Schleswig-Holstein lösen!", das mit den folgenden Sätzen beginnt:
"Um es gleich vorweg zu sagen: wir haben nichts gegen Katholiken. Im Gegenteil, jeder Katholik, der sauber ist und hier seit Jahren Steuern zahlt, ist uns willkommen. Wir wehren uns nur dagegen, dass wir Schleswig-Holsteiner durch den Zustrom von schwarzen Schafen und ihren bischöflichen Hirten unsere kulturelle Identität verlieren." 
Und am Ende werden die folgenden Forderungen aufgestellt: 
- Abweisung aller Katholiken an den Grenzen Schleswig-Holsteins!
- Sofortige Abschiebung aller kriminellen Katholiken in den Vatikan!
- Erteilung einer befristeten Aufenthaltsgenehmigung für Katholiken nur bei Nachweis eines Arbeitsplatzes!
- Abschaffung des Wahlrechts für Katholiken!
- Ausweisung aller Katholiken bei Sozialhilfebezug und Arbeitslosigkeit!
- Unterbringung aller Katholiken in Gemeinschaftsunterkünften!
- Ausweisung der Katholiken bei verfassungsfeindlichen Aktivitäten!  
DAS BOOT IST VOLL! STOPPT DIE KATHOLIKENFLUT!
Auf einer Ebene ist dieses Flugblatt, wie unschwer zu erkennen ist, satirisch gemeint: Es persifliert oft gehörte Vorurteile und Vorbehalte gegen Zuwanderer aus fremden Kulturkreisen und mit fremder Religionszugehörigkeit und sucht diese Ressentiments ad absurdum zu führen, indem es sie auf Katholiken überträgt. Bedenkt man allerdings die tiefsitzende Feindseligkeit linker Gruppen gegenüber dem Christentum im Allgemeinen und die Katholische Kirche im Besonderen, dann mag man sich die Frage stellen, ob die auf dem Flugblatt artikulierten Vorwürfe gegen Katholiken ("Leider ist es den meisten Katholiken aufgrund ihrer fundamentalistischen Einstellung bisher nicht gelungen, ihre naturreligiöse Vorstellung von Sexualität, nach der sexuelle Handlungen nur zum Zwecke der Fortpflanzung ausgeübt werden dürfen, abzulegen"; "Schon das Symbol, das die Katholiken anbeten, das Bildnis eines Gefolterten am Kreuz, ist ein beredtes Zeugnis der latenten Gewaltbereitschaft dieser Gruppe"; "Während nach dem Grundgesetz Männer und Frauen gleichberechtigt sind, ist es den Frauen in der katholischen Kirche verboten, Priesterinnen zu werden") nicht - bei aller satirischen Überzeichnung - im Kern doch irgendwo ernst gemeint sein könnten. Verflixte Postmoderne, die es möglich macht, ein und dieselbe Aussage sowohl ironisch als auch ernst zu meinen! 

Aber das nur nebenbei. Festzuhalten bleibt: Kristiane Backheuer vertritt in den Kieler Nachrichten die Auffassung, im "weltoffenen Schleswig-Holstein" sei für die "Doktrinen" des Katholizismus kein Platz. Von den einheimischen Katholiken nimmt sie offenkundig an, diese würden - wofür sie ja auch gleich einige namenlose Gewährsleute aus Kiel anführt - selbst nicht mehr an die Lehren ihrer Kirche glauben und somit kein Problem darstellen. Was aber ist mit den Katholiken, die doch noch zum Glauben ihrer Kirche stehen? Müssen die auswandern? Nach Niedersachsen - oder lieber gleich in den Vatikan? 

Nicht gerade neu, aber doch immer wieder gleichermaßen ärgerlich wie lächerlich ist es, dass Frau Backheuer schließlich sogar den Papst für ihre Position zu vereinnahmen sucht: Dieser sei "weiter als manche seiner Hirten"; das meint sie seinen "Worte[n] an die Weltgemeinschaft" bei seinem Auftritt vor der UN-Vollversammlung in New York entnommen zu haben - einer Rede wohlgemerkt, in der der Papst ebenso (wenn auch vielleicht in weniger expliziten Worten) ein Bekenntnis zur traditionellen Familie abgegeben hat wie der böse, böse Kieler Jugendpfarrer; aber wie schon gesagt: Sachkenntnis verzerrt nur das Urteil. 

Ich würde mir wünschen, dass gläubige Katholiken der Redaktion der Kieler Nachrichten in aller erforderlichen Deutlichkeit mitteilen, was sie von solchem "Journalismus" halten - konkret gesagt: davon, wie hier die kritikwürdige politische Positionierung eines einzelnen Priesters zum Vorwand für einen Frontalangriff auf die Lehre der Katholischen Kirche genommen wird. Noch schöner wäre es, wenn auch das Erzbistum Hamburg ein Wort dazu sagte. Aber darauf hoffe ich mal lieber nicht allzu fest... 


Kommentare:

  1. Ein katholischer Priester, der irgendetwas von der Kanzel herab sagt?
    Wann hat die Journalistin denn das letzte Mal eine katholische Kirche von innen gesehen?

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  2. Hihi, das Flugblatt gefällt mir. Ich werde das mal mit umgekehrten Vorzeichen hier in der Nachbarschaft hinter die diversen Autoscheibenwischer mit den Kennzeichen KI, HH, HB, H, usw. stecken, die hier in der Nachbarschaft in einem derartigen Übermaß auftauchen, dass man tatsächlich von preußischer Eroberung sprechen kann ... ;-)

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  3. Ich kenne den Priester (nicht wirklich persönlich aber als regelmäßige Kirchgängerin und aus kurzen Gesprächen). Mich hat der Artikel entsetzt, und ich habe daraufhin einen Leserbrief geschrieben, den Jobo72 netterweise auf seinem Blog veröffentlicht hat. Die KN wird ihn vermutlich nicht drucken. Der Priester ist ein hervorragender Geistlicher, tief erfüllt von dem Wunsch zur Nachfolge Christi zu inspirieren, und ist menschlich, theologisch und intellektuell beeindruckend. Was da passiert, macht mich wirklich fassunglos :( Das Bistum habe ich auch angerufen und angeschrieben, ich hoffe, dass viele andere Gemeindemitglieder das auch tun. Auf Facebook habe ich eine Gruppe gegründet: "Solidarität mit Kieler Priester", falls jemand aus Kiel hier mitliest. Ich freue mich, dass das Thema hier aufgegriffen wird! Eike Trede

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    1. Wie ich gerade gesehen habe, ist heute in den Kieler Nachrichten ein Artikel mit Auszügen aus Leserzuschriften zum Thema erschienen:

      http://m.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Kiel/Nachrichten-aus-Kiel/Internetaktivitaeten-eines-katholischen-Pastors-sorgen-fuer-kontraere-Reaktionen

      Ihr Leserbrief wird da auch zitiert, leider sehr knapp.

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  4. "wollte er, wie er angibt, mit dem Teilen der Artikel lediglich "Gesprächsanregungen" schaffen, hätte er besser daran getan, Artikel mit unterschiedlichen Standpunkten einander gegenüberzustellen."

    Die Zusammenstellung von den Artikeln in KN war absichtlich gemacht.

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  5. "Ich kann an den Beispielen nichts erkennen, was die Hetze gegen diesen Pastor rechtfertigt. Da ist ein Artikel, indem es um das Verbot von Miniröcken an Schulen wegen islamischer Asylbewerber geht. Ein anderer Beitrag weist auf die Kosten hin, die durch die Besetzung (!) eines Gebäudes durch Asylbewerber verursacht werden. Ein weiterer Beitrag weist auf den Asylmissbrauch durch Kosovaren hin.

    Wo ist das Problem? Darf man die Wahrheit nicht aussprechen, wenn sie unbequem ist?
    Wo sind hier rechtsextreme Tendenzen erkennbar?

    Die Vorwürfe gegen diesen Pastor sind einerseits lächerlich, weil substanzlos, aber andererseits sehr gefährlich, weil sie faschistische Tendenzen aufweisen.

    Inhaltlich kann man ihm gar nichts vorwerfen. Ob aus der taz oder der Jungen Freiheit zitiert wird, ist doch völlig belanglos."

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  6. Was die politische Positionierung betrifft:
    Auch ich finde es problematisch, wenn ein Priester sich auffallend und einseitig politisch positioniert. Nun hat die polnische Kirche da eine etwas andere Tradition. Im Grunde genommen hat sie sich sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert mit der gesellschaftlichen Opposition "verbündet" (Widerstand gegen die Teilungsmächte, Widerstand gegen die deutsche Okkupation, Widerstand gegen den Kommunismus). Damit hat sie sich aber immer auch eindeutig politisch positioniert und ist damit ganz gut gefahren. In der heutigen Zeit bringt diese Verbindung mit dem Politischen eben doch Probleme mit sich, was die polnischen Priester vielleicht erst so langsam begreifen. Vielleicht kann man seine politische Positionierung etwas in diesem Lichte sehen.
    Hinzu kommt, dass der Widerstand gegen die Herrschenden immer mit der Nationsidee verbunden war. Die Geschichtswissenschaft nennt den polnischen Nationalismus emanzipatorisch. Deswegen ist der Nationsgedanke in Polen bis zum heutigen Tag auch viel positiver besetzt, als das bei uns hier der Fall ist.

    Was die Junge Freiheit betrifft:
    Da ich Polenforscherin bin, stolpere ich leider öfter mal über diese Zeitung, die Junge Freiheit hat nämlich ein Problem mit Polen, dazu schreibe ich weiter unten mehr. Auch ich halte diese Zeitung für sehr problematisch. Zwar muss man sagen, dass sie zumeist sehr fair und neutral über die katholische Kirche berichtet, was man von vielen anderen Zeitungen ja nicht sagen kann. Auch über den Marsch des Lebens beispielsweise wurde dort sehr respektvoll berichtet. Auf der anderen Seite liegt dieser Zeitung doch ein Weltbild zu Grunde, dass ich sehr problematisch finde. Es ist eben doch sehr (ich finde kein anderes Wort) deutsch-national und oft auch sehr kaltherzig gegenüber den sozial Schwächeren. Das ist tatsächlich teilweise Hetze. Was mich auch immer tierisch nervt, ist diese Preußenverherrlichung. Auch haben die Redakteure ein sehr revisionistisches Geschichtsbild. Sie sind zum Beispiel der Meinung, dass Polen den Zweiten Weltkrieg entfacht habe.

    Also das ist doch alles sehr problematisch und ich wundere mich immer wieder, wie durchweg gebildete Menschen zu solchen Ansichten kommen können. Auf der anderen Seite finde ich dennoch, man sollte sich auf sachlicher Ebene mit diesen Anschauungen auseinandersetzen, also mit Argumenten. Genau dies tun viele Leute aber nicht, sondern sie sagen pauschal, dass alles falsch ist, was in der Jungen Freiheit steht, weil die ja so konservativ ist.

    Gerade auch wegen den antipolnischen Tendenzen dieser Zeitung wundert es mich, dass ein polnischer Priester Inhalte dieser Zeitung teilt. Vielleicht hat er doch noch nicht so viel Ahnung von der deutschen Medienlandschaft. Dass große Teile der polnischen Gesellschaft zum derzeitigen Flüchtlingsstrom eine etwas andere Meinung haben, als die deutsche Öffentlichkeit, dürfte sich herumgesprochen haben. Da gibt es in der polnischen Gesellschaft natürlich auch problematische weil fremdenfeindliche Tendenzen. Aber auch hier gilt: Nicht alles, was "die Polen" sagen, ist falsch, manche Befürchtungen sind durchaus berechtigt.

    Das ist jetzt ein langer Kommentar geworden. Ich hoffe, es ist OK. Ich kann zu der Sache eigentlich gar nichts sagen, da ich nur die von Dir verlinkten Artikel lesen konnte. Es hat mir nur irgendwie in den Fingern gejuckt, da es um einen polnischen Priester ging, ich Polen sehr gut kenne und das Land auch sehr mag.

    Beste Grüße

    P.S. Noch zu einem anderen Artikel: "Esoterikgewäsch" ist ein toller Begriff. Dazu werde ich auch noch was posten :-)

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  7. Wenn wir noch ein Weilchen warten, erledigt sich das Problem eh von selber. Ich sag bloß "globale Erwärmung" und "steigende Meeresspiegel". *AchtungSarkasmus*

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  8. Preußenfans, deutsch-national - stimmt. Wer sich stark daran stört, muss sich an der JF reiben. Aber dass Polen die Schuld am Zweiten Weltkrieg gegeben oder das Naziregime anderweitig relativiert würde, das ist eine infame Unwahrheit! Bringen Sie Belege oder ziehen sie diese Unterstellung zurück. Die sogenannte Hetze gegen Polen erschöpft sich in der Praxis darin, dass polizeiliche Unterbesetzung an der Grenze gegen polnische Autodiebe bemängelt wird. Wieso der Pfarrer nun mit Autodieben sympathisieren sollte, nur weil sie beide der selben Nation angehören, erschließt sich mir nicht: DAS finde ich rassistisch. - Ich selbst bin JF-Leser. Aber selbst wenn man sich daran reibt, weil man z.B: die Preußenverherrlichung unerträglich findet (mich könnten umgekehrt keine zehn Pferde zum Abonnieren der taz bewegen) ist es doch dreist, anderes das Zeitungslesen darin abzusprechen, wie im ivorliegenden Fall oder damals bei Pfarrer Oblinger. Den hat damals Spaemann in der JF verteidigt. Ist Spaemann jetzt auch bäh?

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    1. @Unknown: Sie können hier gern Ihren Standpunkt vertreten, aber bitte achten Sie auf zivilisierte Umgangsformen gegenüber anderen Kommentierern. Danke.

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  9. Mir ist nicht bewusst, wo ich dem zuwider gehandelt hätte.

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  10. @Unknown:
    Sie haben Recht, wenn Sie von mir Belege fordern. Als Beispiel dafür, dass die JF geschichtsrevisonistische Thesen vertritt, verweise ich auf Artikel von Stefan Scheil:

    https://jungefreiheit.de/kolumne/2014/gedenken-an-den-1-september-1939-ein-routineschwindel/#comments

    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2010/historiker-scheil-steinbach-hat-recht/

    https://jungefreiheit.de/kolumne/2014/gewoehnliche-geschichtsklitterei/

    Scheil hat übrigens einen langen Eintrag bei der Wikipedia.

    In einem Artikel echauffiert Scheil sich darüber, dass der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als deutscher Überfall auf Polen bezeichnet wird. Ja, wie soll man das, was da am 1. September 1939 passiert ist, denn sonst nennen?

    Scheil vertritt die These, dass die deutsche Regierung von den europäischen Nachbarn - allen voran Polen - zum Krieg gedrängt worden sei. Das Deutsche Reich hätte gar keine andere Wahl gehabt.

    Wie bitte? Die deutsche Wehrmacht ist am 1. September 1939 in Polen einmarschiert, hat dort gemeinsam mit Angehörigen der Waffen-SS schlimme Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübt, und Stefan Scheil kommt daher und behauptet, das deutsche Reich hätte zwangsläufig so handeln müssen, weil es keine andere Wahl gehabt hätte.
    Das ist sehr wohl der Versuch, die Verantwortung für den Ausbruch des Krieges von Deutschland weg auf andere Staaten, allen voran Polen, zu schieben. Das ist sogar der Versuch, die Verantwortung für deutsche Gräueltaten auf andere Staaten zu schieben. Und damit relativiert Stefan Scheil sehr wohl den Nationalsozialismus. In all seinen Artikeln unterschlägt er nämlich eben jene Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die Anghörige der Wehrmacht und der Waffen-SS in Polen verübt haben. Er tut so, als hätte es diese Verbrechen gar nicht gegeben.

    Ich verweise hier noch auf einen Artikel bei der Wochenzeitung "Welt".

    http://www.welt.de/kultur/article4439020/Allein-Hitler-war-am-Zweiten-Weltkrieg-schuld.html

    Da ich nirgends etwas von polnischen Autodieben geschrieben habe, ist Ihr Rassismusvorwurf unhaltbar.
    Wenn ich von "antipolnischen" Tendenzen in der JF spreche, dann meine ich damit nicht deren Berichterstattung über polnische Autodiebe, sondern eben jenes revisionistische Geschichtsbild, das in der JF verbreitet wird.

    Noch einmal zum polnischen Priester, dem ich Ihrer Meinung nach "das Zeitungslesen darin" (also in der JF) abgesprochen habe. Wer die JF liest, sollte früher oder später bemerken, welches Geschichtsbild von dieser Zeitung propagiert wird. Spätestens dann, wenn man dieses Geschichtsbild bemerkt, sollte einem klar sein, woher der Wind bei dieser Zeitung weht. Und ja, ich finde es problematisch, wenn man dann weiterhin an der JF "festhält".

    Zu Spaemann:
    Es gibt in manchen katholischen Kreisen eine große Sympathie für den politischen Konservatismus. Die JF ist ja auch auf kath.net beworben worden, von namhaften Katholiken, unter anderem Johanna Gräfin von Westphalen. Insofern wundert es mich nicht, dass Spaemann dort schreibt. Ich selbst kann dieser Verbindung mit dem politschen Konservatismus nichts abgewinnen. Aber nur weil ich dieser Verbindung nichts abgewinnen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich die Leser der JF jetzt alle "bäh" finde. Wenn Sie meinen ersten Kommentar ganz genau lesen, habe ich dort auch nirgends behauptet, der polnische Priester sei "bäh".

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