Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Montag, 13. Januar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (1. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Am Montag war nicht nur das Hochfest der Erscheinung des Herrn, sondern zugleich auch, wie schon erwähnt, der letzte (halbe) Tag der MEHR-Konferenz; und es war ein sehr würdiger und gelungener Abschluss: Kurienkardinal Kurt Koch zelebrierte ein Pontifikalamt; Johannes Hartl hielt einen Vortrag zum Thema "Heimkommen" (und nahm darin, sehr zu meiner Freude, mehrfach auf den Heiligen Benedikt Bezug); und als ich nach diesem Vortrag in den "Raum der Stille" ging, kam ich gerade rechtzeitig, um den Eucharistischen Segen gespendet zu bekommen, ehe die Aussetzung des Allerheiligsten beendet und der Tabernakel abgebaut wurde. Noch als ich eigentlich schon auf dem Weg war, daß Messegelände zu verlassen, hatte ich einige erfreuliche Begegnungen und führte einige anregende und motivierende Gespräche. Dann verbrachte ich noch ein paar Stunden im "Powwow Coffee", ehe ich mit dem Zug zurück nach Berlin fuhr. -- Auf der Rückfahrt hatte ich zwar das Gefühl, mir eine ziemlich rustikale Erkältung eingefangen zu haben, aber tags darauf ging es mir dann doch nicht so schlecht wie befürchtet. Unsere Lobpreisandacht am Dienstagnachmittag bestritt ich diesmal allein, da das Kind einen verspäteten Mittagsschlaf hielt und meine Liebste diesen Umstand nutzte, um sich ebenfalls ein bisschen hinzulegen; im Allgemeinen tue ich mich mit dem frei formulierten Beten eher schwer und überlasse das daher gern meiner Liebsten, aber diesmal ging es, wie ich fand, recht gut -- das müssen wohl die Nachwirkungen der MEHR gewesen sein... Am Abend folgte dann die kurzfristig anberaumte außerordentliche Sitzung des Pfarrgemeinderats, über die ich vorerst nur sagen will, dass sie zu einem - wie ich hoffe - für alle Seiten annehmbaren Ergebnis gekommen ist. Außerdem erfuhr ich, dass im Pfarrbüro eine Abholbenachrichtigung der DHL eingegangen war, über ein Paket, das an die Adresse der Pfarrei, aber auf meinen Namen adressiert war und das bei einer Nachbarin abgegeben worden sei. Am nächsten Tag (also Mittwoch) machte ich mich zusammen mit meiner Tochter auf, nach dem Verbleib des Pakets zu forschen, und wurde schließlich in der Caritas-Geschäftsstelle fündig. Tatsächlich war es aber nicht nur ein Paket, sondern sogar zwei; und wie ich schon vermutet hatte, handelte es sich wieder einmal um Spenden für das Büchereiprojekt. 86 Bücher, darunter einige sehr interessante -- zum Beispiel Thomas Mertons Autobiographie "Der Berg der sieben Stufen", die ich sowieso schon lange mal lesen wollte, oder Michael D. O'Briens "Father Elijah", ein Buch, über das ich ebenfalls schon allerlei Interessantes gehört habe. -- Der Rest der Woche verlief tendenziell weniger spektakulär und war eher von dem Bemühen geprägt, einen "normalen" Alltagsrhythmus wiederzufinden, gerade auch für das Kind. Am Sonntag (Taufe des Herrn) fand nach der Messe wieder einmal der monatliche "Sonntagstreff" statt, und eigentlich hatten wir da hingehen wollen, aber dann ärgerte meine Liebste sich (aus Gründen) so sehr über die bösen alten Leute in der Gemeinde[*], dass wir es lieber bleiben ließen. 

[* Damit soll explizit nicht gesagt sein, dass alle alten Leute in der Gemeinde böse wären; dem ist nicht so, und umgekehrt sind wahrscheinlich nicht alle bösen Leute in der Gemeinde alt. Aber es gibt da so eine Kategorie von Leuten, die auf das allgemeine Klima in der Gemeinde leider einen ziemlich prägenden Einfluss haben.] 


Was ansteht: Heute habe ich am frühen Nachmittag eine Verabredung zu einem Gespräch "beruflicher" Art, über das ich nicht zu viel verraten möchte, aber jedenfalls geht es um eine interessante Perspektive zur Ausweitung meiner publizistischen Tätigkeit. Am Abend ist dann Lektoren-Dienstplanbesprechung. Dienstag ist Lobpreis, danach hat die Liebste mal wieder einen Foodsaving-Einsatz. Am Mittwoch haben wir mittags einen Kinderarzt-Termin - nichts Dramatisches, nur eine Standard-Vorsorgeuntersuchung -, und abends soll in der Kirche der Weihnachtsbaum abgebaut werden. Ich schätze, da müsste ich eigentlich mithelfen, allerdings gibt meine Liebste gleichzeitig ein Firmkurs-Modul, womit sich die Frage stellt, wer von uns eher in der Lage sein wird, sich "nebenbei" um das Kind zu kümmern. Was Donnerstag und Freitag bringen werden, bleibt abzuwarten. Am Samstag steht wieder unser "Krabbelbrunch" auf dem Programm; und am Sonntag findet in Heiligensee der Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen unserer Pfarrei statt. Das kann ja spannend werden! 


aktuelle Lektüre: Gerade habe ich die zweite Etappe meiner "100-Bücher-Challenge" abgeschlossen und die dritte begonnen, ein separater Artikel dazu ist in Arbeit, braucht aber wohl noch ein paar Tage. Jedenfalls stehen auf meiner Leseliste für die kommende(n) Woche(n) ein im Austernzüchter-Milieu an der französischen Atlantikküste angesiedelter Regionalkrimi, ein für Kinder bzw. 'Tweens geschriebener "Computerkrimi" mit phantastisch-dystopischen Elementen, ein Band mit Erzählungen aus dem vorrevolutionären Russland, Heiligenbiographien aus der Feder des genialen G.K. Chesterton und ein satirischer Roman, von dem ich noch gar nicht abschätzen kann, was mich zwischen seinen Buchdeckeln erwartet. Mehr gibt es dazu augenblicklich noch nicht zu sagen. 


Linktipps
Inspiriert vom Besuch der MEHR (ich habe ihn gesehen!), nimmt mein Freund Rudolf die nicht selten tragikomischen Versuche des amts- und verbandskirchlichen Mainstreams aufs Korn, "die Jugend zu erreichen", und kommt zu dem Schluss: Leudde, ihr seid einfach zu harmlos, brav und bieder, kurzum, zu sehr "Mainstream". Versuche, es den Jugendlichen "so bequem wie möglich" zu machen, "indem man immer häufiger Dogmen zur Diskussion stellte, eigene 'Jugendgottesdienste' entwarf und auch die Sexualmoral der Kirche offen torpedierte", sind krachend gescheitert -- und warum? Weil man niemanden von etwas überzeugen kann, indem man den Eindruck erweckt, man sei selbst nicht so richtig überzeugt davon. Die MEHR ist ein Beispiel dafür, dass es anders geht: 
"Vielleicht ist keiner so empfänglich für radikale Ideen wie die Jugend. Aber es gibt nichts, das radikaler ist und einem mehr abverlangt, als ein Leben aus der Liebe Gottes. Gleichzeitig gibt es keinen Lebensstil, der so ungleich viel mehr zurückgibt als investiert wird, der das eigene Leben und vor allem das Leben nach dem Tod radikaler beeinflusst als eben jener Lebensstil, der sich durch die Liebe von und zu Gott definiert." 
Ich kann diesem Artikel gar nicht laut genug applaudieren. 

Die katholische Kirche St. Elisabeth ist in der Nacht vom 8. auf dem 9. Januar Ziel einer Vandalismus-Attacke mit Farbe und Klebstoff geworden, und tags darauf wurde auf der einschlägig bekannten Online-Plattform Indymedia ein anonymes Bekennerschreiben veröffentlicht. Ob es in dem Sinne "authentisch" ist, dass es tatsächlich von den Urhebern des Anschlags verfasst wurde, lässt sich kaum sagen, da das Schreiben kein eindeutiges Täterwissen enthält; aber darauf kommt es wohl nicht so sehr an: Als ideologischer "Kommentar" zur Tat ist das Schreiben so oder so aufschlussreich. Besonders, weil die Verfasser in ihrem Bestreben, die Legitimität eines Anschlags auf eine Kirche ideologisch zu begründen, so beflissen wirken wie Zehntklässlerinnen bei einem Erdkundereferat. Hier meine Lieblingspassage: 
"Menschen sollen glauben können, was sie für sich selber für richtig erachten, um sich in diesem System aufrecht halten zu können."
Das kennen wir: Opium des Volkes und so. Aber weiter:
"Das Problem mit Institutionen wie der katholischen Kirche ist nicht die Erzählung über jemanden, dessen Existenz weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Vielmehr liegt das Problem [...] darin, dass je nach Ort, Zeit und Kontext ein entsprechender Wertekanon, Sitten, Traditionen, Regeln und Verbote der Glaubensgemeinschaft auferlegt werden" --
-- mit anderen Worten: Wir haben nichts gegen Religion, solange sie Privatsache jedes Einzelnen und schön unverbindlich bleibt. Das ist zwar Unsinn (es liegt, schon der Wortbedeutung nach, im Wesen von Religion, ihre Anhänger zu binden, also verbindlich zu sein), aber da ich gerade erst Georg Friedrich Rebmanns "Ideen über Revolutionen in Deutschland" ausgelesen habe, kann ich bezeugen, dass dieser Unsinn schon seit der Zeit der sogenannten Aufklärung im Schwange ist. Wesentlich ärgerlicher erscheint es mir, dass ein solches subjektivistisches Glaubensverständnis sich zunehmend auch innerhalb der Kirche(n) selbst breitmacht. Ohne den Vandalismus gegen Kirchen (oder Vandalismus überhaupt) verharmlosen zu wollen, muss ich sagen, verglichen mit dem "Schismatischen Weg" und den dahinter stehenden Interessengruppen erscheinen mir ein paar durch Propagandaparolen aufgehetzte Teeniemädchen mit Farbeimern als das geringere Problem...


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 13. Januar: Hl. Hilarius von Poitiers (ca. 315-367), Bischof und Kirchenlehrer. Erster namentlich bekannter Bischof von Poitiers, taufte 351 den Hl. Martin von Tours. Einer der bedeutendsten Bekämpfer des Arianismus in der Kirche des Westens, von Kaiser Constantius II. deshalb von 356-360 nach Phrygien (in der heutigen Türkei) verbannt. Verfasser bedeutender theologischer Werke und Dichter lateinischer Hymnen, 1851 von Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer ernannt. 

Freitag, 17. Januar: Hl. Antonius d. Gr. (ca. 251-356), Einsiedler und Mönchsvater. Veräußerte nach dem Tod seiner Eltern seinen gesamten Besitz und lebte etwa ab dem Jahr 275 als Einsiedler, zunächst in der Nähe seines Heimatortes, später in der ägyptischen Wüste, wo er vom Teufel auf vielfältige Weise in Versuchung geführt wurde -- ein in der Kunstgeschichte häufig und eindringlich dargestelltes Motiv. Gilt als Begründer des christlichen Mönchtums. 


Aus dem Stundenbuch: 

Leite mich, Herr, in Deiner Gerechtigkeit, † meinen Feinden zum Trotz; * ebne Deinen Weg vor mir! (Psalm 5,9)


Kommentare:

  1. Die alten, weißen Männer und Frauen des PGR haben Dich ja gut im Griff, daß Du noch nichtmal schreiben darfst WAS die Übereinkunft ist.

    Zensur von Themen einer öffentlichen Sitzung hat schon ein ganz neue Qualität.

    Du wirst altersmilde!

    AntwortenLöschen
  2. Diasporakatholik13. Januar 2020 um 22:17

    Von Rudolf Gehrig stammt der Ausspruch "Beten ist die radikalste Form sich einzumischen".
    Er hat dies als damals 18jähriger bereits vor 8 Jahren gesagt.
    Ich hab's mir aufgeschrieben, vorne in mein persönliches Gotteslob-Gebetbuch eingeklebt und beherzigen das und lebe seither danach.

    AntwortenLöschen