Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Montag, 9. Dezember 2019

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (2. Woche im Advent)

Was bisher geschah: Die zurückliegende Woche war für mich von einem erheblichen Auf und Ab in Hinblick auf mein körperliches Wohlergehen geprägt: Am Montagnachmittag fühlte ich mich so krank, dass ich mich, während meine Liebste nach der Arbeit mit dem Kind ins Schwimmbad fuhr, erst einmal ins Bett legen musste. Am Dienstag ging es mir zunächst erheblich besser, aber dann verlief der Tag (bedingt durch eine Reihe kleiner, jeweils für sich selbst gesehen kaum erwähnenswerter Misshelligkeiten) derart stressig, dass es mir am Mittwoch erst einmal wieder schlechter ging. Das "Dinner mit Gott" am Mittwochabend munterte mich dann aber wieder erheblich auf, wenngleich man sagen muss, dass hinsichtlich der Beteiligung weiterhin noch Luft nach oben ist. Am Donnerstag ereilte mich ein Anruf einer freundlichen älteren Dame aus der Pfarrgemeinde, die gerade dabei war, ihre Wohnung gründlich zu entrümpeln, und infolgedessen eine größere Menge an Büchern abzugeben hatte. Nicht faul, brach ich also mit dem Bollerwagen zu der Dame auf und nahm sage und schreibe 167 Bücher, dazu einige Tonträger, Videos und DVDs sowie eine schier unüberschaubare Menge an Broschüren und anderen Kleinschriften in Empfang. Anschließend war ich etwa eineinhalb Stunden damit beschäftigt, die Bücher grob vorzusortieren; einiges Esoterische und Sektiererische war dabei etwa von den Zeugen Jehovas, den Siebenten-Tages-Adventisten, aber auch von Sri Chinmoy und Falun Gong (ich frage mich ja immer, wo die Leute so etwas herbekommen); das entsorgte ich sofort. Gut 50 weitere Bücher aus dieser umfangreichen Spende verteilte ich am nächsten Tag auf die Büchertelefonzellen am Centre Français und an der Fabrik Osloer Straße und brachte im Gegenzug nur zehn von dort mit. Den Rest der Woche hatte ich mit Rückenschmerzen und Resten einer nicht ganz auskurierten Erkältung zu kämpfen; zum Ehemaligentreffen an der Schule meiner Liebsten kam ich daher nicht mit, obwohl ich Lust darauf gehabt hätte. Der Adventsbasar am Sonntag war nicht weiter der Rede wert, er fand gewissermaßen als Anhängsel des Kolping-"Sonntagstreffs" statt, und da gingen im Wesentlichen nur dieselben 20 alten Leutchen hin, die da immer hingehen. Da müsste man sich auch mal was anderes einfallen lassen. Na ja, kommt Zeit, kommt Rat... 


Was ansteht: Heute ist das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, volkstümlich "Mariä Empfängnis", und in unserer Pfarrkirche ist um 9 Uhr Messe, die unser nigerianischer Pfarrvikar zelebriert. Da sollte ich wohl meine Tochter (die schließlich nicht ohne Grund Bernadette heißt) in den Wagen packen und zur Kirche schieben. Ich habe schon manchmal gedacht, es könne kein Zufall sein, dass bei der Dienstplanung unserer lieben Geistlichen gerade dieser Priester die ganzen Marienfeste abbekommt, und wenn das so wäre, wäre mir das auch ganz recht so; für den Gedenktag Unserer Lieben Frau von Guadalupe am Donnerstag gilt das allerdings nicht: Da wäre normalerweise ebenfalls im 9 Uhr Messe, aber die wird wegen des Advents durch eine Roratemesse um 6 Uhr ersetzt, die der Gefängnispfarrer zelebriert. Da gehen wir wohl eher nicht hin. Am Mittwoch ist konstituierende Sitzung des neuen Pfarrgemeinderats, darauf muss ich mich noch gründlich vorbereiten. Eine weitere Großtat in Sachen Gemeindeentwicklung gilt es am Samstag zu vollbringen, nämlich die Inbetriebnahme eines "Außenregals" für das Büchereiprojekt. Konkret heißt das, wir werden der Pfarrei ein überzähliges Regal aus unserer Wohnung spenden, es eigenhändig im Vorraum zur Außentoilette und zum Wickelraum aufstellen und mit Büchern füllen, für die in den Büchereiregalen im Georgsaal kein Platz ist. Dann gilt es noch, diesen Regalstandort bei openbookcase.org zu registrieren, und schon haben wir unser eigenes frei zugängliches Büchertauschregal. Am Sonntag, dem 3. Advent ("Gaudete") wird Freundin und Bloggerkollegin Claudia feierlich ihr persönliches Gelübde erneuern; da feiern wir mit, und ich gehe mal davon aus, dass Claudia hinterher darüber bloggen wird. 

aktuelle Lektüre: 
  • Karl May: "Weihnacht!" 
Ich schäme mich nicht zu sagen: Karl May zu lesen, ist einfach immer eine Freude! Das erste der fünf Kapitel dieses Romans habe ich durch, und ich habe festgestellt, dass ich mich von meiner ersten, wohl über 30 Jahre zurückliegenden Lektüre des Buches her noch an allerlei Details erinnern konnte, aber eben nur an Details. Der Aufbau der Romanhandlung erinnert an ein Schema, das für viele Werke des heute nur noch wenig bekannten May-"Vorläufers" Balduin Möllhausen charakteristisch ist: Der Beginn der Handlung, hier das erste Kapitel mit der bezeichnenden Überschrift "Einleitung", spielt in Europa (hier teilweise in Sachsen, teilweise in Böhmen) und längere Zeit vor der späteren Haupthandlung, und man ahnt, dass die Wege einiger der handelnden Personen sich im Wilden Westen auf unerwartete Weise von neuem kreuzen werden. -- Und wie steht es um die #BenOp-Relevanz dieser unterhaltsamen Lektüre? Darauf wird an anderer Stelle noch ausführlicher einzugehen sein; vorerst sei nur darauf hingewiesen, dass der Roman buchstäblich von der ersten Seite an von biblischen Motiven durchzogen ist und zudem eindrückliche Beispiele vorbildlicher christlicher Nächstenliebe und insbesondere Gastfreundschaft zu bieten hat. Das zweite, mit Abstand längste Kapitel trägt die Überschrift "Der Prayer-Man"; da darf man wohl gespannt sein.

  • Sr. M. Lucia OCD (Hg.): Umkehr - Heiligung - Freude in Gott 
Hier stecke ich einstweilen noch im Abschnitt über "Buße und Askese", und ich würde mal sagen, die Relevanz des Themas steht - gerade auch in der Adventszeit und nicht zuletzt vor dem aktuellen Hintergrund des "Schismatischen Weges" und ähnlich ausgerichteter Bestrebungen) - grundsätzlich außer Frage; zudem sind viele der in diesem Band versammelten Texte ausgesprochen interessant, einige Passagen sehr stark. Als Ganzes betrachtet ist das Buch allerdings ein Kuriosum. Da hat eine karmelitische Nonne offenbar im Zuge ihrer eigenen geistlichen Lektüre Exzerpte angefertigt und diese dann völlig unkommentiert, ohne jede Einordnung oder Erläuterung, lediglich grob thematisch sortiert, als Buch veröffentlicht. Der richtige Umgang mit diesem Buch wäre vermutlich, einzelne Ausschnitte herauszugreifen und über diese ausgiebig zu meditieren. Es am Stück zu lesen, ist ausgesprochen mühsam. Will man diesen Umstand tunlichst positiv sehen, dann kann man sagen, es sei ein Vorzug des Abschnitts zum Thema Buße, dass seine Lektüre bereits selbst ein Akt der Buße sei. Okay, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben. 

  • Norbert Baumert (Hg.): Jesus ist der Herr 
Abgesehen vom sehr knapp gehaltenen Vorwort des Herausgebers gehört alles, was ich bisher in diesem Buch gelesen habe, zu einer am 12.03.1987 von der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten "theologisch-pastoralen Orientierung" mit dem Titel "Der Geist macht lebendig". Bei meinem tief sitzenden Misstrauen gegenüber der Amtskirche im Allgemeinen und der DBK im Besonderen hatte ich mir unter diesem Dokument einen Versuch vorgestellt, die ihrer Natur nach eher "anti-institutionelle" Charismatische Bewegung institutionell einzubinden, damit aber zugleich auch zu "zähmen" und unter Kontrolle zu bringen. Ganz und gar falsch habe ich mit dieser Annahme wohl nicht gelegen, allerdings erscheint das Wohlwollen gegenüber der Charismatischen Erneuerung und den Impulsen, die sie ins Leben der Kirche einbringt - durchaus auch als Korrektiv zur volkskirchlichen "Routine" -, zumindest in den bisherigen Abschnitten ausgeprägter und "echter", als man hätte erwarten können. Andererseits krankt das Papier ganz erheblich am Jargon der Neuen Innerlichkeit. Bezeichnend ist nicht zuletzt, dass Abschnitt III, "Erfahrung des Geistes Gottes", mit einer fast zwei Seiten langen Reflexion zum Thema "Was bedeutet 'Erfahrung'?" eingeleitet wird, bei deren Lektüre man angestrengt den Drang bekämpfen muss, aus dem Fenster zu springen. Oder wenigstens das Buch aus dem Fenster zu werfen. Gleiches gilt für Sätze wie "Die Pfingstbe-'Geist'-erung der ersten Christen war ein Ergriffensein von Jesus, war ganzheitliche Erfahrung von ihm" (S. 23). Irritierend, durchaus auch im Sinne des englischen "irritating", wirkt es auch, dass Dokumente des II. Vatikanischen Konzils nicht, wie sonst üblich, mit ihren lateinischen Anfangsworten ("Lumen Gentium", "Sacrosanctum Concilium" etc.) bezeichnet werden, sondern als "Kirchenkonstitution", "Liturgiekonstitution" usw.; was soll sowas? Latein-Allergie? -- Unbeschadet all dieser Kritikpunkte steht aber doch allerlei Interessantes und Bedenkenswertes drin in dem Dokument. Den Abschnitt VII, "Wege in die Praxis" habe ich noch vor mir, ebenso den Abschnitt VIII, "Gefahren"; es dürfte also noch spannender werden...

  • Carlo Carretto: Wir sind Kirche 
Das schmale Bändchen - knapp 140 Seiten - fesselt von Beginn an. Im ersten, nur knapp zwei Seiten umfassenden Kapitel "Traurigkeit" stellt der Autor schlaglichtartig verschiedene Situationen nebeneinander, die das Elend einer Gesellschaft illustrieren sollen, die den Sinn für die Größe, die Heiligkeit und das Mysterium der geschlechtlichen Liebe verloren hat; dass Carretto, wie er am Ende des Kapitels schildert, eingeladen wird, ein öffentliches Streitgespräch mit einem jungen Anarchisten zu führen, spricht schon mal dafür, dass er ein interessanter Typ ist. Im darauffolgenden Kapitel "Zu den Alpenrosen" dient eine Wanderung ins Gebirge als erzählerischen Rahmen für Reflexionen über eine Art "Theologie des Leibes" avant la lettre. Das vierte Kapitel mit dem Titel "Ausgangspunkt der Erneuerung" gefällt mir sogar noch besser, denn hier schildert Carretto u.a. die Anfänge seiner Apostolatstätigkeit; hier ein schönes Zitat:
"Siehst du, sagte ich mir, bis jetzt hast du gedacht, Christsein bedeute, in die Kirche zu gehen, zu einem Gottesdienst, um der Mutter zu folgen. Jetzt mußt du verstehen, daß Christsein bedeutet, Apostel zu sein, Missionar, es bedeutet, zu gehen und zu gehen. Von jenem Abend an, meine Liebe, war ich nur noch unterwegs..." (S. 29) 
Die Überschrift des fünften Kapitels, "Familie, kleine Kirche", ist in der italienischen Originalausgabe zugleich der Titel des ganzen Buches ("Famiglia, Piccola Chiesa"); und zweifellos ist das ein hochgradig #BenOp-relevantes Thema. Das Modell eines christlichen Familienlebens, das Carretto dem Leser in diesem Kapitel vorstellt, ist anspruchsvoll, aber beeindruckend. Insgesamt ein höchst faszinierendes Buch!

  • Herbert Scurla (Hg.): Auf Kreuzfahrt durch die Südsee 
"Berichte deutscher Reisender aus dem 18. und 19. Jahrhundert über die ozeanische Inselwelt" verspricht die Titel-Unterzeile dieses Buches, aber bevor es damit losgeht, kommt erst mal ausgiebig der Herausgeber zu Wort: Auf ein sechsseitiges Vorwort folgt eine 36 Seiten lange Einführung, die allerlei geographische, historische und landeskundliche Fakten über die pazifische Inselwelt mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Kapitalismus- und Kolonialismuskritik und damit einhergehendem zünftigen Antiamerikanismus verbindet; denn wo käme man schließlich hin, wenn der DDR-Bürger sich einfach so an Reiseberichten  aus der Südsee erfreuen dürfte, ohne zuvor gründlich ideologisch eingenordet worden zu sein? Dann folgt noch eine sieben Seiten lange "Vorbemerkung" zu Leben und Werk des ersten der in diesem Band zu Wort kommenden Weltreisenden, Georg Forster, und erst dann folgen dessen Berichte über die Sozietäts- und die Freundschaftsinseln. Die lesen sich durchaus unterhaltsam -- ein bisschen wie die "Schatzinsel", nur ohne Schatz und Piraten, dafür aber mit Eingeborenen (die Forster übrigens beharrlich als "Indianer" bezeichnet). Forster war übrigens noch nicht 18 Jahre alt, als er mit seinem Vater und Kapitän Cook auf Weltumsegelung ging; den späteren Jakobiner oder, wie der Herausgeber es nennt, "revolutionären bürgerlichen Humanisten" (S. 49) merkt man ihm erstmals kurz vor Schluss dieser Leseetappe an, wo er sich sowohl in typisch aufklärerischer Religionskritik als auch in Erwägungen über den Einfluss despotischer oder demokratischer Regierungsformen auf das Gemüt eines Volkes ergeht, aber darauf komme ich wohl zu einem späteren Zeitpunkt mal zurück. Dass der Herausgeber in seiner Einführung den Eindruck zu erwecken sucht, die Aufklärer seien Vorkämpfer gegen den Rassismus gewesen - was ja auch heutzutage vielfach geglaubt und behauptet wird - ist indes natürlich völliger Quatsch: Die Aufklärung hat den Rassismus überhaupt erst erfunden, und so scheint es auch für den jungen Forster ganz selbstverständlich, einen Menschen für desto primitiver zu halten, je dunkler seine Hautfarbe ist. Aber das vorerst mal nur nebenbei. 

  • Patrick Heiser/Christian Kurrat (Hg.): Pilgern gestern und heute
Von diesem Sammelband habe ich bislang nur die Einleitung der Herausgeber und die ersten beiden Einzelbeiträge gelesen, aber bereits die Einleitung scheint wie darauf berechnet, mich in meiner negativen Voreingenommenheit gegenüber dem ganzen Band zu bestärken. Dass die Herausgeber sich in der ersten Fußnote erst einmal dafür entschuldigen, dass sie sich in diesem Buch "auf europäisch-christliches Pilgern" konzentrieren, und beflissen klarstellen, natürlich spiele das Pilgern auch im Islam, im Buddhismus und Hinduismus eine große Rolle, mag ebenso wie die Klarstellung in der zweiten Fußnote, mit der Bezeichnung "Pilger" sei "sowohl die männliche als auch die weibliche Form gemeint" (beides S. 7), dem akademischen Anspruch der Publikation geschuldet sein, aber schließlich war genau dieser akademische Anspruch einer der Gründe für meine negative Voreingenommenheit. Auf S. 8 ist vom "vermeintlichen Grab des Apostels Jakobus" die Rede; meinen die das so, oder wissen sie nicht, was "vermeintlich" bedeutet? Ich bin mir nicht sicher, was ich schlimmer fände. -- Die Kurzübersicht über die einzelnen Beiträge des Sammelbandes, die den Großteil der Einleitung ausmacht, stimmt mich auch nicht gerade optimistisch. Sagen wir mal so: Ich zweifle nicht unbedingt an der wissenschaftlichen Gültigkeit der in diesem Band zusammengetragenen soziologischen Erkenntnisse. Woran ich hingegen sehr stark zweifle, ist, dass der rein soziologische Blick auf den Untersuchungsgegenstand mich befriedigen wird. Hinzu kommt der Verdacht, dass die Beiträger auch fachlich nicht unbedingt die allerhellsten Kerzen auf der Torte sind.

Der erste Beitrag, "Über das Pilgern. Soziologische Analysen einer Handlungskonfiguration" von Rainer Schützeichel (S. 19-43) - von dem es in der Einleitung heißt, er verstehe das "Pilgern [...] als transreligiöses, universalisierend-inkludierendes und multifunktionalistisches Handlungsformat" (S. 12) -, könnte über weite Strecken mühelos als Wissenschaftsparodie durchgehen; hier ein paar Kostproben:
"Handlungsformate bestehen also aus konstitutiven, nicht aus regulativen Regeln." (S. 20)  
"Es wird die These aufgestellt, dass Handlungskonfigurationen in dem Maße institutionalisiert werden, in dem sie in die Ziel-Mittel-Sphären anderer Handlungsformate integriert sind und sich auf diese Weise vernetzen." (S. 21)  
"Konjunktes Handeln ist eine dem singulären Handeln entgegenstehende Form eines adjazenten Handelns." (S. 24) 
Noch Fragen? -- Der zweite Beitrag, "Pilgern als Metapher moderner Religiosität" von Norbert Puschmann (S. 45-73), kommt sprachlich längst nicht so überkandidelt daher, glänzt dafür aber mit einer exemplarisch verstiegenen Fragestellung -- nämlich der, ob sich "die Figur des Pilgers" religionssoziologisch als "Metapher" für Religion in der Postmoderne eignet. Woran man mal wieder sieht, dass die Geisteswissenschaft sich am wohlsten fühlt, wenn sie sich nur mit sich selber beschäftigt. "Der Soziologe muss achtgeben, dass er nicht sein Metier wechselt", mahnt Puschmann auf S. 58; ach, täte er es doch!, möchte der Leser entgegnen. Wobei, andererseits: Solange die Soziologie mit sich selbst beschäftigt ist, lässt sie vielleicht wenigstens uns in Ruhe.

Überraschenderweise enthalten dennoch beide Essays einige interessante Aspekte, die von hinten durch die Brust ins Auge irgendwie auch #BenOp-relevant sind, aber dazu äußere ich mich ein andermal. --Spezifisch um den Jakobsweg geht es bei Schützeichel und Puschmann übrigens kaum bis gar nicht; das kommt dann wohl in späteren Beiträgen.


Linktipps: 
Der Autor, Verleger und YOUCAT-Projektleiter Bernhard Meuser knöpft sich den "Schismatischen Weg" von DBK und "ZdK" vor und lässt nicht allzu viele gute Haare an ihm. Die zentrale Lebenslüge dieser ganzen Veranstaltung, nämlich die Behauptung, sie sei eine ebenso adäquate wie notwendige Antwort auf die Missbrauchskrise, weist er (nicht nur, aber auch) mit der Autorität des Betroffenen zurück, nämlich als "jemand [...], den es lebensgeschichtlich fast aus der Bahn gehauen hätte, weil er irgendwann nach der Pubertät zum Objekt der Begierde eines homosexuellen Priesters wurde". Angesichts einer weit verbreiteten Neigung, vor den tieferen Ursachen und Hintergründen des Missbrauchsskandals die Augen zu verschließen, weil sie den "Reformern" nicht ins ideologische Konzept passen,  sieht Meusers im Schismatischen Weg vielmehr "ein Lehrstück institutioneller Verdrängung": "Man möchte über etwas Anderes reden, möchte die eigentliche Baustelle vergessen machen." Die Annahme, man könne das Ansehen der Kirche verbessern, indem man altbekannte progressive "Reform"-Forderungen zu Themen wie Zölibat, Frauenpriestertum,  Sexualmoral etc. aufgreift, betrachtet Meuser als Fehlkalkulation: "Draußen – jenseits der Box, in der sich der synodale Apparat für die nächsten Jahre selbstreflexiv zu verbunkern gedenkt – geht die Glaube vor die Hunde, weil man ihn denen nicht mehr abnimmt, die ihn vertreten." Ein sehr starker Text, dem ich größtmögliche Verbreitung wünsche. 

Normalerweise vermeide ich es, den "Spiegel" zu lesen; aber diesen Beitrag aus der Erziehungs-Kolumne "Ganz harte Schule" hat eine geschätzte Mitkatholikin, Mutter von vier Kindern und gelegentliche Gastautorin auf diesem Blog, via Facebook empfohlen, und dieser Empfehlung schließe ich mich gern an. Man könnte denken, die Autorin überzeichne ihr Thema gezielt ins Grotesk-Komische, aber ich höre aus glaubwürdigen Quellen, dass es bitterernste Realität ist: An deutschen Grundschulen, teilweise auch in Kindergärten tobt ein Krieg darum, was Kinder essen dürfen und was nicht -- beziehungsweise, was Eltern ihren Kindern als Pausenbrot mitgeben dürfen und was nicht. Fanatischer Gesundheitskult, gezielte Zurückdrängung von Elternrechten oder einfach ein Ausbruch der typisch deutschen Lust am Verbieten und Drangsalieren? Am ehesten wohl eine Mischung aus all diesen und noch ein paar anderen Elementen.


Heilige der Woche: 

Mittwoch, 11. Dezember: Hl. Damasus I., Papst von 366-384. Unter seinem Pontifikat wurde der Arianismusstreit endgültig entschieden. Damasus baute die innerkirchliche Vorrangstellung des Bischofs von Rom aus, förderte den Zölibat und beauftragte den Hl. Hieronymus mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische. 

Freitag, 13. Dezember: Hl. Odilia (ca. 660-720), Äbtissin. Gründete mehrere Klöster im Elsass; der Legende nach wurde sie blind geboren und erlangte erst bei ihrer Taufe im Alter von zwölf Jahren das Augenlicht. Wird daher auch als Schutzheilige gegen Augenleiden verehrt, vor allem aber als Patronin des Elsass. -- Hl. Luzia, Jungfrau und Märtyrerin, die der Überlieferung zufolge im Zuge der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian im Jahr 304 in Syracus auf Sizilien das Martyrium erlitt. Sie gehört zu den Heiligen, die im Römischen Messkanon erwähnt werden. Besonders in Schweden, aber auch in Kroatien und anderen Ländern spielt ihr Gedenktag eine bedeutende Rolle im vorweihnachtlichen Brauchtum. 

Samstag, 14. Dezember: Hl. Johannes vom Kreuz (1542-1591), Ordenspriester, Mystiker, Kirchenlehrer. Reformierte gemeinsam mit der Hl. Teresa von Ávila den Karmelitenorden, verfasste bedeutende theologische und mystische Werke. In dem Buch "Umkehr - Heiligung - Freude in Gott", das ich aktuell auf meiner Leseliste habe, wird wiederholt auf ihn Bezug genommen. 

Aus dem Stundenbuch: 

Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, *
gelobt und gerühmt in Ewigkeit. (Daniel 3,54



Kommentare:

  1. Karl May ist immer eine Reise wert; "Weihnacht" steht ja im Gesamtwerk zwischen den Reiseerzählungen und dem symbolistischem Spätwerk, will also gerade zwischen den Zeilen gelesen werden. Zu "Karl Mays Evangelium" gibt es von dem katholischen Fundamentaltheologen Peter Hofmann übrigens eine aufschlussreiche Monographie, falls Sie die noch nicht kannten ;)

    AntwortenLöschen
  2. Zum Zuckerdealer - das scheint so ein deutsches (Pädagogen/Eltern-)Ding zu sein, absolut keine Grautöne zu erkennen oder zuzulassen. Es wird einfach stur durchgezogen, was die Ersatzreligion du jour ist. Der Kindergarten, dessen Name nicht genannt werden soll, hat jetzt Geburtstagskuchen oder -muffins verboten. Vorher galt schon ein generelle Süßigkeitenverbot, aber für Geburtstage durften noch Ausnahmen gemacht werden. Mittlerweile wird empfohlen, bei Geburtstagen Gemüsespießchen mitzugeben. Es mag ja vernünftig sein, die fatale Verbindung "Feiern = Zuckeriges Zeug" aufzubrechen, aber ein klein wenig faschistisch ist das Ganze schon - man *könnte ja EINE Ausnahme pro Kind und Jahr machen, damit gäbe es alle 2 Wochen 1x ein offizielles Stückchen Kuchen pro Kind. Möglicherweise emotional verkraftbar? Die Eltern finden's überwiegend nicht toll, aber Protest ist der deutschen Eltern Sache in der Regel nicht.
    Das selbe Spiel beim Martinsfest - 120%, darunter tut man's nicht. In diesem Kindergarten finden sich viele indische Expat-Kinder. Um diese Expat-Kinder nicht durch zu viel deutsches Kulturgut zu verstören, gab die Kindergartenleitung (frisch von der Kindergartenschule) bekannt, man werde das Martinsfest nicht feiern, denn es wäre religiös und würde die Expat-Kinder ausgrenzen. Der Tag des Martinsfestes kam. Die deutschen Eltern waren dem Befehl der Führung gefolgt und kamen ohne Laternen. ALLE indischen Expatkinder brachten komplizierte, selbstgebastelte Laternen mit, die indischen Eltern murrten leise, denn sie hatten sich mit ihren Kindern auf das traditional German Martinsfest gefreut. Die Kindergartenleitung ignorierte souverän das Murren, bis dann die indischen Eltern beim nächsten Elternabend den Aufstand wagten und erklärten, sie würden gerne ein bisschen mehr deutsche Traditionen sehen!

    Am 6. Dezember wurde dann eine Nikolausgeschichte vorgelesen, aber nur eine kurze, und der Nikolaus kam auch nicht.
    Dennoch - weiter so, Ihr wackeren indischen Eltern! Steter Tropfen etc!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Witzig, Ich möchte die Kinder sehen, die auf Gemüsespießchen abfahren und die Kindergärtnerinnen, die nicht heimlich in der Pause, wenn sie keiner sieht, Schokolade naschen.
      Als ich Schüler war gab es auch schon "gesunde Frühstücksbrote", wenn auch eher aus der damaligen finanziellen Knappheit der Leute und es gab, auch und gerade von christlicher Seite, viel Gejammer über die Brote in der Mülltonne und den heimlichen Gang der Schüler in der Pause zum Bäcker, wo man das bisschen Geld, das man so hatte, in Süßigkeiten, hauptsächlich die, deren Namen nicht mehr genannt werden darf, umsetzte. Was fanden wir die Lehrer, Eltern und sich ereifernden Pfarrer und Tanten damals spießig.
      Mich wundert eigentlich nur, dass meine Generation nun genauso spießig geworden ist, wenn auch die Begründung sich gewandelt hat. Hieß es damals "denk an die hungernden Kinder in weitweg, was wären die froh über ein altes, hartes, belegtes Brot, mit schrecklichem Käse, wie das, was du grad weggeworfen hast!" Geht man heute anscheinend davon aus, dass Kinder auf Gemüsespießchen abfahren, die man selber halt isst, weil man meint vernünftig geworden zu sein, und überhaupt der Cholisterinspiegel, der Blutdruck und die Zahnartzrechnungen... . Irgendwie fast absurd das Ganze.

      Löschen
    2. Ich weiß nicht, ob das so viel mit Spießigkeit zu tun habt - zumindest in der Eltern-Bubble, in der ich stecke, gibt es

      - Typ Alphamom - möchte der Mitwelt zeigen, dass man die Umwelt des Kindes im Griff hat und weiß, wie der Hase läuft

      - Typ Abstiegsangst - die, die wirklich Angst haben, dass das Kind den STatus der Eltern nicht halten kann, und die alles, aber wirklich alles tun würden, um dem Kind einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, und sei es durch zuckerfreie Ernährung, die das Kind rank, schlank und sportlich erhalten soll, damit es in den richtigen Kreisen Sport-mit-Netzwerken betreiben kann.

      -Die Öko-Faschos, für die Ernährung (bio, lokal, gerne vegan) eine religiöse Bedeutung hat.

      Löschen