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Mittwoch, 12. April 2017

Aller Anfang ist schwer

Rund zwei Monate sind seit der Gründung des "subversiven Pastotalprojekts" Der Mittwochsklub ins Land gegangen - jedenfalls wenn man die Einrichtung der Mittwochsklub-Facebook-Seite als Startpunkt definiert. Was hat sich seither getan? 



Zunächst einmal ist zu konstatieren, dass wir in diesen zwei Monaten immerhin vier Veranstaltungen auf die Beine gestellt haben - wenn man den von Suse gestalteten Abend beim Kreis junger Erwachsener der Pfarrei St. Antonius Friedrichshain mitzählt, der schon vor der eigentlichen Gründung des Mittwochsklubs geplant gewesen war; aber dazu später. Ein beachtlicher Anfangserfolg war es, dass es uns gleich gelungen ist, in der Gemeinde Herz Jesu in Alt-Tegel eine feste monatliche Veranstaltungsreihe zu installieren: das "Dinner mit Gott". Dieses Veranstaltungsformat hat bislang zweimal stattgefunden, und darüber hinaus stehen noch ein Vortrag von mir im Café J und wie gesagt einer von Suse beim KJE St. Antonius auf der Habenseite. Man muss zwar einräumen, dass wir uns bei allen diesen Veranstaltungen - mit Ausnahme des ersten "Dinner mit Gott", das ziemlich gut besucht war - durchaus ein etwas größeres Publikum gewünscht hätten; aber wir fangen ja gerade erst an, da darf man wohl nicht erwarten, dass die Leute einem gleich die Türen einrennen. Zudem wage ich zu behaupten, dass jede der bisherigen Veranstaltungen insofern "etwas gebracht" hat, als die Teilnehmer - auch wenn es nur wenige waren - etwas daraus "mitgenommen" haben. Motivation und Zuversicht sind also ungebrochen. 

Natürlich ist der Mittwochsklub noch lange nicht da, wo er hinwill. Aber das war ja nach gerade mal zwei Monaten wohl auch kaum zu erwarten. 

Worüber sollen wir nun also zuerst reden: über die Vision oder über das bisher Erreichte? -- Ich würde sagen: Reden wir zuerst über die Vision. Dann kann man das bisher Erreichte an ihr messen. 

Über die Ideen und Überlegungen, die die Gründung dieser Initiative veranlasst haben, habe ich mich hier schon verschiedentlich geäußert, allerdings recht unsystematisch verteilt auf verschiedene Artikel. Also fasse ich es der Einfachheit halber noch mal übersichtlich zusammen: Alles begann damit, dass meine Liebste und ich letztes Jahr zum Katholikentag gingen und ein Wochenende später zur Fiesta Kreutziga in Friedrichshain. Und da haben wir uns gefragt, warum der Katholikentag eigentlich so viel uncooler ist als dieses Straßenfest. Im Ernst: Die aus der Punk- und Hausbesetzerszene hervorgegangene Subkultur in Berlin hat es geschafft, eine beeindruckende und sehr lebendige Infrastruktur auf die Beine zu stellen - wieso sollte so etwas nicht auch "auf christlich" möglich sein? Wenn man mal in den links-subkulturellen Terminkalender "Stressfaktor" schaut, kann man wahrlich vor Neid erblassen, was da so alles geboten wird. In Sachen Vernetzung und Selbstorganisation kann man von der "linken Szene" offenbar eine ganze Menge lernen - und schließlich sind genau das Fähigkeiten, die auf dem Gebiet des Laienapostolats bzw. der Neuevangelisation immer wichtiger dürften, angesichts der kaum zu leugnenden Tatsache, dass die alten volkskirchlichen Strukturen vor dem Kollaps stehen oder vielleicht sogar schon kollabiert sind.

Was uns also auf längere Sicht vorschwebt, ist ein, sagen wir mal, "Netzwerk für das Christsein im Alltag" - ein Netzwerk, das einerseits den Gläubigen dabei hilft, ihre speziellen Charismen zu entdecken und für das Reich Gottes einzusetzen, und das andererseits Anlaufpunkte für Leute schafft, die auf der Suche nach Sinn und Orientierung sind, aber von sich aus nicht unbedingt auf die Idee kämen, diese ausgerechnet im christlichen Glauben oder gar in der Katholischen Kirche zu suchen. Und da insbesondere die MEHR-Konferenz uns dazu motiviert hat, einfach mal irgendwie anzufangen, anstatt ewig 'rumzutheoretisieren, haben wir eben den Mittwochsklub ins Leben gerufen.
"So, wie wir drauf sind", sagte ich neulich erst zu meiner Liebsten, "decken wir eigentlich eine ganz interessante Nische ab: ein bisschen charismatisch angehaucht, gleichzeitig aber auch einigermaßen traditionell, und obendrein im Herzen Punk. Das ist eine Mischung, die Potential hat - unter anderem natürlich auch das Potential, sich zwischen alle Stühle zu setzen, aber Johannes Hartl und Ben Fitzgerald haben mich gelehrt, das nicht als Problem zu sehen, sondern als Chance." 
Tatsächlich funktioniert das "Zwischen-alle-Stühle-Setzen" schon mal ganz gut. Auf der Basis der bisherigen Erfahrungen könnte man den Eindruck haben, Leute, die bereits in irgendeiner Form "kirchlich engagiert" sind, seien schwerer für unser Vorhaben zu begeistern als Außenstehende. Dem mehr oder minder liberalen Mainstream sind wir zu "radikal", den traditionell Gesonnenen zu unkonventionell und für überkonfessionelle Zusammenarbeit vielleicht einfach zu katholisch. Die Vernetzung mit anderen Kreisen, Gruppen und Initiativen lässt somit bislang noch zu wünschen übrig. Aber wahrscheinlich muss man, damit das besser wird, einfach mehr auf persönlichen Kontakt setzen als auf eMails. "Persönlicher Kontakt" setzt zwar Rausgehen voraus, aber es wird ja gerade Sommer. Das wird schon.

Werfen wir also nun einen Blick auf die bisherigen Veranstaltungen - und zwar in erster Linie auf die Reihe "Dinner mit Gott". Dieses Veranstaltungsformat war in erster Linie Suses Idee - ein Konzept, das sie vom Jakobsweg mitgebracht hat. Der Grundgedanke: ein offenes Abendessen für alle Interessierten, mit gemeinsamem Kochen und gemeinsamem Aufräumen. Dieses "Dinner" soll erst einmal ein Forum zum zwanglosen Kennenlernen und Ideenaustausch bieten und sieht daher kein festes inhaltliches "Programm" vor; die Gesprächsthemen ergeben sich mehr oder weniger von selbst. -- Über das erste "Dinner mit Gott" habe ich bereits berichtet; einen weiteren Bericht zu dr Veranstaltung gibt es hier. Insgesamt war es ein sehr schöner und gelungener Auftakt, aber leider war das zweite "Dinner" dann erheblich weniger gut besucht als das erste. Okay, hier kann man sich wohl auf die alte Theaterweisheit "Die zweite Veranstaltung ist immer die schwerste" berufen. Warum das so ist, ist unschwer einzusehen: Einerseits ist die Premierenspannung weg, andererseits noch keine Routine da. Ein bisschen Glückssache ist es wohl obendrein auch, wie viele von den potentiell interessierten Leuten an einem bestimmten Abend tatsächlich kommen (können). Möglicherweise - nein, ziemlich sicher sogar - ist auch unsere Werbestrategie noch optimierungsbedürftig. Aber wir stecken ja wie gesagt noch in den Kinderschuhen. Da ist noch viel Luft nach oben. Auf jeden Fall bin ich optimistisch, dass beim nächsten Mal - am 3. Mai, also in drei Wochen - wieder mehr los sein wird.

Was wir neben dem monatlichen "Dinner" sonst noch so an Veranstaltungen in petto haben, könnte man unter der Kategorie "Vorträge" zusammenfassen - oder vielleicht lieber "Lectures", das klingt nicht so verstaubt und anstrengend. Am 24. März habe ich im Café J über meine Erlebnisse auf der MEHR-Konferenz gesprochen, und natürlich vor allem über die Impulse, die ich von dort mitgebracht habe. Dazu gab's ein paar Video-Ausschnitte. Man muss sagen, dass die rein quantitative Publikumsresonanz bei dieser Veranstaltung nun wirklich enttäuschend war, gemessen daran, wie kräftig wir die Werbetrommel gerührt hatten. Trotzdem schloss sich an den Vortrag eine sehr intensive und vielschichtige Diskussion an. Menge ist eben nicht alles. Erfreulich ist auch, dass das Café J-Team grundsätzlich sehr aufgeschlossen dafür ist, die Location für Veranstaltungen dieser Art zur Verfügung zu stellen. Auch da gilt also: Dranbleiben, es ist noch viel Luft nach oben! Ideen für weitere Veranstaltungen an diesem Ort (oder ähnlichen) habe ich jedenfalls genug.

Bleibt also noch der von Suse gestaltete KJE-Abend zum Thema "Hiob und ich - eine Innensicht" zu erwähnen, der am 6. April stattfand. Wie weiter oben schon erwähnt, hatte Suse dieses Programm schon länger geplant; es handelt sich um eine Annäherung an die Gestalt des Hiob (Ijob) aus dem Alten Testament, jedoch nicht in Form einer theologischen oder gar bibelkritischen Abhandlung, sondern als Mischung aus persönlichem Zeugnis, lyrischer Reflexion und Musik. Seit wir den Mittwochsklub ins Leben gerufen haben, steht natürlich der Plan im Raum, dieses Programm - zumal das Thema ja nicht "aktualitätsabhängig" ist - zukünftig noch öfter und an anderen Orten zu präsentieren; zum Beispiel abermals im Café J. Insofern war die Aufführung im Kreis junger Erwachsener gewissermaßen eine "Vorpremiere" im mehr oder weniger geschlossenen Kreis, und deshalb haben wir auch nicht allzu offensiv Werbung dafür gemacht - normalerweise hat der Kreis junger Erwachsener ja ohnehin sein eigenes Stammpublikum. Dass dieses an dem betreffenden Abend deutlich weniger zahlreich erschien als an manchen anderen, war wohl einfach Pech; aber das Programm war überaus gelungen, trotz einer technischen Panne bei der ersten Musikeinspielung, die sich jedoch beheben ließ. Und ich glaube sagen zu können, die Anwesenden waren durchweg beeindruckt. Alle, die es verpasst haben, können sich damit trösten, dass wir schon in recht absehbarer Zeit eine erneute Vorstellung ins Auge fassen.

So also ist der Stand der Dinge, und so ungefähr in diesem Stil machen wir auch erst mal weiter - mindestens so lange, bis uns noch Mehr und Anderes einfällt, was wir tun können. Ein nicht unwichtiger Aspekt unserer Veranstaltungen ist natürlich auch, dass wir darauf hoffen, auf diesem Wege tatkräftige und ideenreiche Mitstreiter "rekrutieren" zu können, mit deren Hilfe wir unseren Aktionsradius vergrößern und unser Veranstaltungsangebot erweitern können. Dann, und erst dann, wird es auch an der Zeit für genauere strategische Überlegungen sein: Was für Veranstaltungen bieten wir für welche Zielgruppen an, und wie werben wir gezielt um genau diese Zielgruppen? -- Bis dahin tun wir einfach weiter das, was wir können.

Was wir übrigens auch und nicht zuletzt brauchen können, sind Menschen, die - wo sie auch sind - für unsere Initiative beten. Dann wird sie groß und fruchtbringend werden!


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