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Montag, 14. Juli 2014

Die üblichen Verdächtigen

Köln freut sich auf seinen neuen Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. In Berlin wird sein Weggang bedauert. - Aber nicht von allen. Claudia Keller, die für das Ressort Kirchenbashing zuständige Redakteurin des Berliner Tagesspiegels, lässt es sich nicht nehmen, dem scheidenden Metropoliten - der allerdings erst Anfang September aus dem Erzbistum Berlin verabschiedet wird - Steine hinterher zu werfen. Zwar hält sie Woelki zu Gute, er habe sich in seiner dreijährigen Amtszeit an der Spree von seinem einstigen Mentor Kardinal Meisner - "der das Kölner Erzbsitum 25 Jahre mit eiserner Hand geleitet hat" - "und dessen immer noch mächtigen Seilschaften emanzipiert", weshalb sie schadenfroh orakelt, die "Rückkehr an den Rhein" dürfte für Woelki "nicht nur die reine Freude werden"; dennoch gelingt es Frau Keller, in Berlin jemanden auszugraben, der den weithin für seine Volksnähe, Bescheidenheit und Dialogbereitschaft geschätzten Woelki als "verschlossen, engstirnig und auf seiner Meinung beharrend" bezeichnet. Wer ist es, der so spricht? Es ist "Walter Plümpe von der Gemeinde Heilige Familie in Prenzlauer Berg". Wortspiele à la "plümpe Kritik" bieten sich hier an, wären aber wohl selbst ein wenig plümp. Immerhin jedoch weckt der markante Name des Woelki-Tadlers die Erinnerung daran, ihn im selben Zusammenhang schon einmal gehört bzw. gelesen zu haben: in einem Tagesspiegel-Artikel vom 05.08.2013 mit dem Titel "Kardinales Unverständnis", verfasst von, genau, Claudia Keller. An diesen Artikel erinnere ich mich zugegebenermaßen vor allem deshalb so genau, weil ich bereits damals darüber gebloggt habe. In besagtem Artikel war der Familie Plümpe, insbesondere Frau Angelika, breiter Raum für ihre Klagen über die geplante Bildung von Großpfarreien, so genannten "Pastoralen Räumen", eingeräumt worden. Und nun kommt also nach Angelika der Walter zu Wort. Kennt Claudia Keller die Plümpes persönlich, ist sie womöglich öfter mal zum Kaffee bei ihnen eingeladen? Oder hat sie einfach keine anderen Kronzeugen dafür gefunden, wie böse der scheinbar so nette Kardinal Woelki in Wirklichkeit ist?

Ähnlich wenig phantasievoll zeigt sich Claudia Keller in ihren Spekulationen darüber, wer Woelkis Nachfolger in Berlin werden könnte. "Als mögliche Nachfolger werden der Dresdener Bischof Heiner Koch gehandelt, der Essener Bischof und Militärbischof Franz-Josef Overbeck und der Trierer Bischof Stephan Ackermann." Das sind Punkt für Punkt dieselben Namen, die - neben Woelki und je nach Quelle noch ein, zwei anderen - bereits für die Meisner-Nachfolge in Köln im Gespräch waren. Wobei es von Koch stets hieß, seine Berufung sei unwahrscheinlich, weil er ja gerade erst - nämlich im Januar 2013 - Bischof von Dresden-Meißen geworden ist. Gilt dieses Argument jetzt nicht mehr? Wird aus Woelkis Wechsel nach Köln geschlossen, wenn man den Berlinern nach nur drei Jahren ihren Erzbischof wegnehmen könne, dann könne man das mit den Sachsen getrost schon nach der Hälfte dieser Zeit tun? - Dass Ackermann und Overbeck in den Medien hoch gehandelt werden, lässt sich unschwer nachvollziehen. Beide sind - für Bischöfe der Römisch-Katholischen Kirche - noch relativ jung (Ackermann 51, Overbeck 50 Jahre), können aber bereits eine jeweils fünfjährige Erfahrung als Diözesanbischof vorweisen und haben eine beachtliche Medienpräsenz, die Manchen darauf schließen lassen mag, dass sie nach Höherem streben als auf lange Sicht Bischof von Trier respektive Essen zu bleiben. Für Ackermann spricht aus Sicht der kirchenkritischen Presse zudem, dass er sich wiederholt als ausgesprochen liberal positioniert hat, zuletzt im Zusammenhang mit der vom Vatikan in Auftrag gegebenen Umfrage zur katholischen Sexualmoral. Von Overbeck kann man dergleichen ursprünglich nicht behaupten, erregte er doch im April 2010 Aufsehen bzw. Empörung mit der in einer Talkrunde bei Anne Will getätigte Aussage, Homosexualität sei Sünde - eine Äußerung, von der er sich später wieder distanzierte. Seither ist es ihm jedenfalls recht gut gelungen, sein Hardliner-Image abzulegen; zuweilen wird er sogar als "einer der Motoren des Dialogprozesses in der katholischen Kirche in Deutschland" apostrophiert.

-- Nochmals darüber nachgedacht, ist es nicht gerade selbsterklärend, dass Medien, die nie genug davon bekommen, die Kirche als rückständig und verknöchert darzustellen, im Zusammenhang mit anstehenden Bischofswahlen und -ernennungen so gern Kandidaten promoten, die als vergleichsweise liberal gelten. Widersprechen sie sich damit nicht irgendwo selbst? Spricht daraus die Hoffnung, die Kirche würde ein bisschen mehr so werden, wie man sie gern hätte? - Aber würde man dann nicht ein liebgewonnenes Feindbild verlieren? -- Oder ist es vielmehr so, dass die liberalen Kandidaten im Vorfeld als aussichtsreich dargestellt werden, weil man darauf hofft, dass sie es dann doch nicht werden, woran man folgerichtig reaktionären Seilschaften in der Kirche die Schuld geben kann? --

Vielleicht ist im Fall des hier besprochenen Tagesspiegel-Artikels aber auch mein erster Eindruck richtig, und es ist pure Phantasielosigkeit, dass hier wieder dieselben Namen genannt werden wie in den Spekulationen um die Meisner-Nachfolge in Köln. Vielleicht kennt Claudia Keller einfach keine anderen möglichen Kandidaten - ebenso wie sie keine anderen "engagierten, aber kritischen" Berliner Katholiken kennt als Familie Plümpe aus Prenzlauer Berg.

Man könnte mir an dieser Stelle vorwerfen, recht machen könne es mir die Presse offenbar überhaupt nicht: Legt sie zu viel Phantasie an den Tag wie jüngst die WELT mit ihrem Konstrukt eines "Bischofskarussells" Woelki-Marx-Gänswein, beschwere ich mich auch darüber. Nun gut. Im Grunde hoffe ich für Berlin auf eine wirklich überraschende Lösung, wie es sie jüngst in Passau und Freiburg gab. Und in der Zwischenzeit könnten die Medien ruhig mal das in katholischen Bloggerkreisen kursierende Gerücht aufgreifen, demzufolge Franz-Peter Tebartz-van Elst als neuer Erzbischof von Berlin im Gespräch ist...
einer der Motoren des Dialogprozesses in der katholischen Kirche in Deutschland

Kölner Domkapitel: Ackermann, Overbeck und Heße gelten als Bischofskandidaten | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ackermann-overbeck-und-hesse-gelten-als-bischofskandidaten-article1383529.html#plx1010358547
einer der Motoren des Dialogprozesses in der katholischen Kirche in Deutschland

Kölner Domkapitel: Ackermann, Overbeck und Heße gelten als Bischofskandidaten | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ackermann-overbeck-und-hesse-gelten-als-bischofskandidaten-article1383529.html#plx1010358547einer
einer der Motoren des Dialogprozesses in der katholischen Kirche in Deutschland

Kölner Domkapitel: Ackermann, Overbeck und Heße gelten als Bischofskandidaten | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/ackermann-overbeck-und-hesse-gelten-als-bischofskandidaten-article1383529.html#plx1010358547

Kommentare:

  1. Wie wäre es denn mit Wowereit?
    Der ist katholisch, und sein Amt als Bürgermeister von Berlin endet bald. Also braucht er einen neuen, verantwortungsvollen und einträglichen Job.
    *wegrenn*

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    1. Auf DIE Idee ist die "Berliner Zeitung" auch schon gekommen... sogar schon zu einem Zeitpunkt, als noch gar nicht raus war, dass Wowereit demnächst einen neuen Posten brauchen würde. Siehe hier:

      http://mightymightykingbear.blogspot.de/2014/07/keine-atempause-geschichte-wird-gemacht_17.html

      (Ganz am Ende des Artikels.)

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