Donnerstag, 26. Oktober 2023

52mal Ansichtssache aus Wolfsburg: Ein Rück- und Ausblick

Ich nehme an, der harte Kern meiner Stammleserschaft wartet bereits voller Spannung auf das angekündigte Wochenbriefing in neuer Gestalt; allerdings bin ich mit mir übereingekommen, den Start einer neuen Wochenbriefing-Reihe auch als Gelegenheit dazu zu nutzen, den in letzter Zeit etwas unbequem gewordenen Veröffentlichungstermin zu verlegen – von Donnerstag auf Samstag. Zwei Tage müsst Ihr Euch also noch gedulden, Freunde – aber damit Euch die Zeit nicht zu lang wird, nutze ich den "alten" Termin für einen Rück- und Ausblick

Symbolbild: Einsamer Wolf in Berlin-Tegel. Winter is coming, oder so. 

Vorweg aber mal die Frage: Hast Du bei der Überschrift gestutzt, Leser? – Man soll ja Witze eigentlich nicht nachträglich erläutern, aber "Ansichtssache aus Wolfsburg" ist der Titel, den die in der vorigen Woche nach 52 Ausgaben abgeschlossene Artikelserie getragen hätte, wenn's nach der automatischen Wortvervollständigung meines Mobilgeräts gegangen wäre. Irgendwie fand ich das ganz lustig, und deshalb dachte ich mir, anlässlich des Rückblick-Artikels kann man diese Titelvariante ruhig mal bringen. Zumal sie mich an eine Textstelle aus dem Song "Aktionseinheit" von Floh de Cologne erinnert: Der Text dieses auf dem 1972 aufgenommenen Live-Album "Lucky Streik" erschienenen Liedes besteht im Wesentlichen aus einer Aufzählung verschiedenster Typen von Werktätigen und Nicht-Werktätigen, die bei all ihren Unterschieden doch das eine gemeinsam haben, dass sie "für die Aktionseinheit" sind (womit ein Bündnis zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten gemeint ist), und in diesem Zusammenhang fällt auch der Satz "Er mag in Wolfsburg Jugendpfarrer sein". Das klingt ja nun, wie der Angloamerikaner sagen würde, "oddly specific": Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dahinter die Vorstellung steckt, ein Jugendseelsorger in Wolfsburg habe unter seinen Schäfchen sicherlich viele VW-Azubis und könne dadurch Einblicke in die Situation der Arbeiterklasse gewinnen, aber interessieren tät mich ja doch, ob der Song an dieser Stelle auf einen konkreten, real existierenden Wolfsburger Jugendpfarrer anspielt. 

Das aber mal nur am Rande (und evtl. als Vorschau auf eine zukünftige Wochenbriefing-Unterrubrik, die ich vielleicht "Werkstattbericht" nennen werde oder so ähnlich). Jetzt erst mal von vorne: Die Geschichte der Artikelserie "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" begann in der ersten Fastenwoche des Jahres 2020 als Nachfolgeprojekt meines ursprünglichen Wochenbriefing-Formats "Kaffee & Laudes", das in der ersten Fastenwoche des Jahres 2019 gestartet und dann das ganze Kirchenjahr hindurch allwöchentlich montags morgens erschienen war. Dass die "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" diese Konstanz nicht erreichten, war zunächst durch den ersten Corona-Lockdown bedingt, der der von meiner Liebsten und mir betriebenen Basisarbeit in unserer damaligen Pfarrei Herz Jesu Tegel, die ein Hauptthema der Artikelserie hätte sein sollen, für längere Zeit einen Riegel vorschob. Nach nur drei Ausgaben wurden die "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" daher zunächst durch die Lockdown-Wochenbriefing-Reihe "Grüße aus dem Corona-Park" ersetzt, die ihrerseits aber auch nur drei Ausgaben erreichte, ehe ich schlichtweg die Lust verlor und für volle vier Monate ganz mit dem Bloggen aufhörte. Auch danach dauerte es noch eine ganze Weile, bis in meinem Blog wieder eine gewisse Regelmäßigkeit einkehrte. Die "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" nahm ich erst im Sommer 2021 wieder auf, und diesmal lief die Serie immerhin 17 Wochen bis zur nächsten Zäsur – die dadurch gesetzt wurde, dass meine Liebste und ich die Basisarbeit in Herz Jesu Tegel frustriert an den Nagel hängten. Mithin ist die im März des laufenden Kalenderjahres begonnene dritte, von der Basisarbeit in St. Joseph Siemensstadt und St. Stephanus Haselhorst geprägte Phase der "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" mit stolzen 32 Folgen die mit Abstand längste. 

Gleichzeitig muss man sagen, dass diese dritte Phase sich konzeptionell stärker von den beiden vorherigen unterscheidet als diese von der Vorgängerreihe "Kaffee & Laudes". Ein paar Beispiele mögen das illustrieren: Eine wesentliche Neuerung der "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" gegenüber "Kaffee & Laudes" sollte der Ausbau der Rubrik "Linktipps" sein; in der dritten Phase kam diese Rubrik dann überhaupt nicht mehr vor. Umgekehrt wurde die "Kaffee & Laudes"-Rubrik "aktuelle Lektüre" in der ersten "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim"-Phase abgeschafft, in der dritten war sie wieder da. Eine Neuerung, die sich als nachhaltig erwiesen hat, ist hingegen die Rubrik "Ohrwurm der Woche"; die wird auch zukünftig beibehalten werden. 

Interessant ist auch, dass ich gegen Ende der zweiten Phase der "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim", nämlich in einem Artikel anlässlich meines zehnjährigen Bloggerjubiläums, die Beobachtung notierte, das Wochenbriefing-Format habe sich "seit der Wiederaufnahme" zunehmend dahin entwickelt hat, dass "die Schilderungen der Ereignisse der jeweils zurückliegenden und der Pläne für die jeweils bevorstehende Woche [...] auch [...] als Anknüpfungspunkte für programmatische und strategische Überlegungen in Sachen Neuevangelisierung/Gemeindeerneuerung/#BenOp/Punkpastoral dienen". Ich würde sagen, diese Tendenz hat sich in der dritten Phase weiter fortgesetzt und verstärkt, und auch das gedenke ich in der neuen Wochenbriefing-Reihe fortzuführen. Zwar birgt diese Form des Bloggens möglicherweise die Gefahr, dass die so dargebotenen Reflexionen einen Teil der potentiell dafür empfänglichen Leserschaft schlichtweg deshalb nicht erreichen, weil er sich nicht für die anekdotischen Erzählungen aus dem Alltag einer Kleinfamilie im Nordwesten Berlins interessiert, in die diese Exkurse eingebettet sind. Auf der anderen Seite denke ich aber, dass es sicherlich auch Leser gibt, die für die besagten "programmatischen und strategischen Überlegungen" in dieser anekdotischen "Darreichungsform" eher zugänglich sind als in Form systematischer und rein theoretischer Abhandlungen. Mal ganz abgesehen davon, dass mir diese Form einfach mehr liegt

Im Übrigen macht das bis hierher über die Entwicklung der "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" Gesagte wohl deutlich, dass alles, was ich über eine konzeptionelle Neugestaltung der Wochenbriefings sagen könnte, unter Vorbehalt steht: Jedwede Neuerungen müssen sich erst in der Praxis bewähren und können früher oder später zurückgenommen oder noch weiter verändert werden. Gleichwohl möchte ich hier mal ein paar Eckpunkte festhalten: 

Zunächst gedenke ich die Rubriken "Was bisher geschah" und "Was ansteht" wieder einzuführen, allerdings in "abgespeckter" Form, als möglichst kurzgefasste Wochenübersicht; einzelne Themen oder Ereignisse, über die es mehr als ein paar Sätze zu sagen gibt, werden dann weiter unten in Extra-Abschnitten vertieft. Da es absehbar ist, dass hierbei bestimmte Themen einigermaßen regelmäßig "drankommen" werden, beabsichtige ich für diese auch weiterhin feste Rubrikentitel zu verwenden, wie zum Beispiel: 

Neues vom Schulkind 
Wenn der Vater mit dem Sohne 
Predigtnotizen 
Aus meinem Wichtelbuch 
Der Schwarze Gürtel in KiWoGo 
Auf der anderen Straßenseite 

Dabei ist allerdings nicht zu erwarten, dass es zu allen diesen Rubriken jede Woche etwas zu schreiben geben wird. Je nachdem, wieviel Material da im Einzelnen anfällt, möchte ich mir versuchsweise auch die Option offenhalten, im Wochenbriefing unter dem einen oder anderen dieser Rubrikentitel nur einen "Teaser"-Absatz zu bringen und alles Weitere in einen eigenständigen Blogartikel auszulagern. Mal sehen, ob sich das in der Praxis bewährt; ähnlich könnte man auch mit der Rubrik "Neues aus Synodalien" und mit der Bettlektüre-Rubrik verfahren. Die bisherige Rubrik "Aus dem Stundenbuch" wird umbenannt in "Geistlicher Impuls der Woche", um – bei aller Liebe zum Stundenbuch – die Freiheit zu haben, auch mal aus anderen Quellen zu schöpfen; gleichzeitig mag mir das als Ansporn dienen, mal ein bisschen mehr in der breiten Auswahl an geistlicher Literatur zu stöbern, die ich im heimischen Bücherregal "zu stehen habe", wie der Berliner sagt. 

Nun wird es aber wohl mal Zeit, zu enthüllen, wie ich die neue Wochenbriefing-Reihe zu nennen geruhe, nämlich... (Trommelwirbel!) 

Creative Minority Report! 

Die Idee zu diesem Titel hatte ich schon vor längerer Zeit; als ich im vergangenen Frühjahr nach meiner langen Blogpause die Wochenbriefings neu belebte, hatte ich diese Titelidee wohl gerade vergessen, vielleicht gab es aber auch andere Erwägungen (an die ich mich jetzt nicht mehr erinnere), die mich veranlassten, vorerst nochmals auf den alten Reihentitel "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" zurückzugreifen. Eine gewisse Rolle könnte dabei z.B. der Wunsch gespielt haben, diese Reihe solle es auf mindestens so viele Ausgaben bringen wie seinerzeit "Kaffee & Laudes". – Wie dem auch sei: Der neue Reihentitel bezieht sich einerseits auf den von dem Historiker Arnold Toynbee geprägten Begriff der "kreativen Minderheit", den kein Geringerer als Papst Benedikt XVI. auf die Rolle des Christentums in der säkularisierten Welt bezogen hat, und andererseits auf den Titel eines Science-Fiction-Thrillers mit Tom Cruise, den ich allerdings nie gesehen habe (und die gleichnamige Erzählung von Philip K. Dick, auf der der Film basiert, habe ich zu allem Überfluss ebenfalls nicht gelesen –aber es dürfte ja einigermaßen offensichtlich sein, dass es darum nicht geht.). Der Begriff der "kreativen Minderheit" in dem Sinne, wie Papst Benedikt XVI. ihn unter Berufung auf Toynbee verwendete, ist auch für die "Benedikt-Option" wesentlich; dort heißt es an Ende des 4. Kapitels

"Wir glaubenstreuen Christen haben uns das innere Exil in einem Land, von dem wir dachten, es wäre das unsere, nicht  ausgesucht, aber so ist die Situation nun einmal. Wir sind jetzt eine Minderheit, also lasst uns eine kreative Minderheit sein – eine, die warme, lebendige, lichterfüllte Alternativen zu einer zunehmend kalten, toten und dunklen Welt anbietet." 

In dem Kapitel, aus dem ich diese Sätze zitiert habe, geht es um Politik, und mit dem "Land, von dem wir dachten, es wäre das unsere", meint Freund Rod in erster Linie die USA; in der gegenwärtigen Situation in Deutschland lassen sich diese Worte jedoch auch auf die ins "schmutzige Schisma" schlitternde institutionelle Kirche beziehen. Vor diesem Hintergrund versteht sich die Artikelserie "Creative Minority Report" als Erfahrungsbericht und Leitfaden zum "kreative-Minderheit-Sein": Es geht letztlich um nichts Geringeres als darum, Wege zu erkunden, wie man durch Basisarbeit in der lokalen Kirchengemeinde, aber auch in Familie und Nachbarschaft zu einer Erneuerung der Kirche von innen heraus beitragen kann – oder anders ausgedrückt: zum Wachsen einer neuen Sozialgestalt der Kirche "in der Hülle der alten", wie Peter Maurin, der Begründer der Catholic Worker-Bewegung, in Anlehnung an das Motto der anarcho-syndikalistischen Industrial Workers of the World zu sagen pflegte. 

Abschließend sei noch auf einen Kommentar eingegangen, den mein kritischer Leser Egidius unter demjenigen Artikel hinterließ, in dem ich ankündigte, meine Wochenbriefings unter neuem Reihentitel und mit leicht verändertem Konzept fortzuführen: Egidius merkte  an, es wäre vielleicht ratsam, "mit der Einführung eines neuen Konzepts und eines neuen Titels bis zum Beginn des neuen Kirchenjahres [zu] warten: "Das wäre wahrhaft 'sentire cum ecclesia'". Nun ja, irgendwie hat er damit ja nicht ganz Unrecht; vor zwei Jahren bin ich bei der Einführung der kurzlebigen Reihe "Spandau oder Portugal" (die Überschrift verwendete ich später bekanntlich für eine Unterrubrik der wiederbelebten "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim" weiter) tatsächlich so verfahren. Ich habe daher erwogen, mir kurzfristig noch eine Übergangslösung für die verbleibenden fünf Wochen bis zum 1. Advent aus den Rippen zu schneiden, habe mich schließlich aber doch dagegen entschieden. Ich denke, die Zeit ist einfach reif, eine neue Ära der Wochenbriefings einzuläuten. Alles Weitere dann, wie gesagt, übermorgen!  


5 Kommentare:

  1. Kennst du
    https://creativeminorityreport.com/ ?

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    1. Nein, kannte ich bisher tatsächlich nicht. – Ein bisschen lässt es einem ja immer die Luft raus, herauszufinden, dass man auf eine bestimmte Idee nicht als erster gekommen ist; aber das war in diesem Fall wohl zu erwarten. Es gibt bestimmt auch mehrere Friseursalons mit dem Namen "Haareszeiten"...

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  2. "Minority" bin ich in meiner Großpfarrei, und wohl auch unserem Bistum sicherlich inzwischen allemal.
    Meine "creativity" liegt derzeit vornehmlich darin, den ärgsten Häretikern und Modernisten aus dem Wege zu gehen und diese auf gar keinen Fall in frevelhaftem Tun zu unterstützen - das kann sogar im Extremfall dazu führen, statt einer von einer solchen Person geleiteten Wortgottesfeier lieber auf die Teilnahme an einer Fernsehmesse auszuweichen.
    Austreten werde ich aus der röm. kath. Kirche nicht, aber außer der einbehalten Kirchensteuer (immerhin rd 500€ pro Jahr) gibt's von mir seit langem schon keinen einzigen Cent mehr für egal was für angeblich noch so hehre kirchl. Aktivitäten oder Ziele.

    Wg. mehrerer äußerst banaler sog. "Sendschreiben" unseres Bischofs und seines Weihbischofs an alle Kirchenmitglieder habe ich mir die Zusendung derselben inzwischen schriftlich verbeten- und daran wird sich nun auch gehalten.

    Dem Pfarrer unserer Großpfarrei habe ich inzwischen schon mehrfach schriftlich widersprechen müssen nach Zeitungsveröffentlichungen und jüngst gar nach einer Predigt mit "anderskatholischem" Inhalt. Öfters antwortete er mir ebenfalls schriftlich, nach letzterer Email allerdings nicht mehr.

    Ärgert mich eine nach meinem Urteil falsche Predigtaussage z.B. auch mal eines Gastpriesters oder auch nur eine unangebrachte Eventisierung eines Gemeindegottesdienstes, so verzichte ich wg des Grolls in meinem Herzen auf den physischen Kommunionempfang und vollziehe stattdessen die sog. Geistige Kommunion mit den Gebeten der Heiligen P. Pio und Alfons von Ligouri.

    Ich habe schon seit Anbeginn mein eigenes Gotteslob-Gebetbuch immer in die Gottesdienste mitgebracht, in dem ich inzwischen nahezu alle runenartigen Strichzeichnungen und manch andere freie Seiten durch mir wertvolle Gebetstexte überklebt habe, die nach Möglichkeit vor der Messe individuell mit Hilfe eines entspr. Verzeichnisses aufsuche und "abbete". (Ich hoffe, letzteres wird nicht falsch verstanden und gegen mich ausgelegt.)

    Dass ich nicht singen kann, habe ich hier schon wiederholt dargelegt, ich brumme allenfalls leise, um meine Nachbarn nicht zu belästigen, die angeschlagenen Lieder mit - allerdings würde ich Lieder des Apostaten Huub Oosterhuis oder auch von Herrn Pilz inzwischen boykottieren. Bei ersterem, weil mir dessen Texte i.d.R. total gegen den Strich gehen und im letzteren Fall, weil gegen den Verfasser der Vorwurf sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im Raum steht.

    Übrigens: Mit Gemeindefrühstücken, Agapefeiern o.ä. lasse ich mir meine geistliche Unabhängigkeit nicht quasi für ein Linsengericht abkaufen.

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  3. "Damned unreformable dinosauries" kann man als moderner Katholik solche Leute nur titulieren.
    Wann sind die endlich ausgestorben?

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  4. Es ehrt Dich, daß Du dieses, mit Verlaub, doch etwas stänkerische Gerede von wegen "wenn Du wirklich mit der Ekklesia sentieren würdest, dann würdest Du gefälligst solche Jahreswechsel zum 1. Advent und nirgendwann anders machen; mir wenn ich Wochenbriefings schreiben würde, wäre mir das gar nicht anders von der Hand geflossen" anscheinend so sehr in Deinem Gewissen erwogen hast. Das war nämlich eine ziemliche Frechheit, genaugenommen.

    Das Kirchenjahr ist ein Möbiusband, habe ich immer gesagt, seitdem ich den Begriff "Möbiusband" kenne. Es ist sicher sinnvoll, hier irgendwo einen Cut hineinzuhauen, um die Realität des Jahreswechsels einzubringen ist zwar sicher sinnvoll, und das kirchliche Gesetz tut das zum 1. Advent, aber damit hat sich's dann auch schon. Die Thematik des Novembers setzt sich fort in den 1. Adventssonntag und sogar (entschuldige im folgenden den teilweisen Trad content) die Epistel des Adventsquatembersamstags; und in der Tat, daß der Advent auf die endzeitliche Ankunft (um die ging's aber schon im November) und die liturgische Vergegenwärtigung der historischen Ankunft vorbereitet, ist zu allgemein bekannt, daß man es noch begründen müßte. Es ist sicher sinnvoll, das Kirchenjahr mit dem 1. Adventssonntag beginnen und mit einem Mariensamstag, dem Fest des erstberufenen Apostels, dem Fest des hl. Silvester (!, Gozzolini nämlich), dem Fest des hl. Charles de Foucault (doch kein reiner Trad content...), der in die Wüste gegangen ist, um beim Herrn zu sein, oder dem Fest der hl. Bibiana mit ihrem witzigen Patronat (und ja natürlich, Jungfrauen, Lampen, Wachet auf usw.) enden zu lassen. Aber man könnte es auch mit dem Weihnachten beginnen und enden lassen, denn mit Weihnachten hat alles begonnen und mit einem Weihnachten endet alles. Man könnte, gar nicht einmal so unsinnig, das tun, was wir bürgerlich gewohnt sind, nämlich mit der Beschneidung Christi beginnen und mit dem Fest desjenigen Papstes, während dessen Pontifikat die Kirche endlich den Sieg über das Heidentum in dem die Gesamtwelt doch mit Recht repräsentierenden Römischen Reich eingefahren hat, des hl. Silvester nämlich, enden lassen. Man könnte mit Ostern anfangen und enden. Man könnte mit Mariä Verkündigung anfangen und, mit drei Zwischentagen, mit dem Fest des hl. Benedikt enden, das Klosterleben hat ja immerhin etwas von einem Abbild des Himmels. Man könnte mit Septuagesima anfangen, an dem ja schließlich mit dem Buch Genesis angefangen wird. Man könnte, auch ein interessanter Zug, mit dem Beginn der *eigentlichen* Fastenzeit, nämlich dem 1. Fastensonntag anfangen, das Evangelium vom Auszug Christi in die Wüste und seinen Versuchungen wäre passend, und mit den Ergänzungstagen der Fastenzeit, Aschermittwoch und die drei folgenden, enden. Und man könnte, worauf vermutlich noch gar keiner gekommen ist, mit dem 18. Januar beginnen, Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen und heute (und 1962 schon) Werktag, vormals aber Fest der Begründung der Ortskirche von Rom durch den hl. Petrus; und dann mit dem 17. Januar enden, an dem *das* kanonische Beispiel für "jemand, der in die Wüste geht, um bei Gott zu sein" gefeiert wird, der hl. Antonius Abbas nämlich.

    Ganz von Fragen der Freundlichkeit des Tonfalls abgesehen: Diese Rolle des 1. Advents als, sicher *auch* sinnvoll, aber im Sinne von "jede Menge anderes hätte auch sinnvoll sein können", *gewählten* Cut von wie die drei Brüder in Endes "Momo" jeweils ineinander übergehenden Zeiten, nicht etwa eines abgehackten "jetzt hatten wir *das* Jahr und dann kommt von Grund auf neu das *nächste*", hat Egidius anscheinend nicht gesehen.

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