Bei uns ist ganz schön was los, Freunde! So arbeitsintensiv, schlafarm und erlebnisreich die "Religiöse Kinderfreizeit" (RKF) auch war, bei der ich die erste Augustwoche verbracht habe, erscheint sie mir im Nachhinein geradezu wie die Ruhe vor dem Sturm. Was vermutlich daran liegt, dass ich mit meiner Mitwirkung an der RKF so ausgelastet war, dass ich eine gute Ausrede hatte, mich in diesem Zeitraum um nichts anderes zu kümmern. Jetzt aber muss ich mich um andere Dinge kümmern, denn es stehen gleich mehrere tiefgreifende Lebensveränderungen an. Seht selbst!
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| Dieses Symbolbild stammt eigentlich noch von unserem vorigen Umzug vor neun Jahren; aber es passt mindestens ebensogut zum jetzigen. |
Das Leben ist ein Umzugskarton
Ich habe in den zurückliegenden Wochen schon mehrfach angedeutet, dass meiner Familie ein Umzug ins Haus steht, und da die Umzugsvorbereitungen inzwischen so weit fortgeschritten sind, dass ein Teil unserer Möbel und sonstigen Habseligkeiten bereits in der neuen Wohnung steht, wird es wohl so langsam Zeit, ausführlicher darauf zu sprechen zu kommen. Also mal von vorne: Nachdem wir schon seit einiger Zeit zwar nicht direkt mit unserer Wohnung, wohl aber mit den Vermietern bzw. der Hausverwaltung unzufrieden gewesen sind, ist uns unlängst eine Gelegenheit zur Veränderung unserer Wohnsituation in den Schoß gefallen, die man kaum anders als ein Geschenk des Himmels nennen kann. Die Mutter einer Schulfreundin unseres Tochterkindes (die Mädchen sind buchstäblich seit dem ersten Tag ihrer gemeinsamen Probewoche an der Schule miteinander befreundet, also seit gut 3½ Jahren) schlug uns vor, mit ihr zusammen ein Zweifamilienhaus mit Garten zu mieten, gar nicht so weit entfernt von unserer jetzigen Wohnung (sodass sich die gewohnten Wege zur Schule, zur KiTa, zur Kirche, zum JAM usw. nicht allzu drastisch verändern), aber eine große Veränderung ist es trotzdem.
Bis wir aus unserer jetzigen Wohnung ausgezogen sein müssen, ist noch etwas Zeit, aber es gibt auch noch viel zu tun bis dahin; und als erste Stufe der Umzugsvorbereitungen haben wir schon mal mit dem Entrümpeln angefangen. Man sammelt ja über die Jahre so allerlei Kram an, von dem man bei ruhiger Überlegung feststellen würde, dass man vieles davon gar nicht braucht, und da ist so ein Umzug eine willkommene Gelegenheit, sich von Manchem zu trennen – zumal unsere zukünftige Wohnung über signifikant weniger Stauraum verfügt als unsere bisherige. Aus diesem Grund haben wir bereits unseren privaten Bücherbestand um ca. 300 Bände reduziert, und die Kinder haben tapfer Spielzeug und Kuscheltiere aussortiert und damit einen Flohmarkt auf dem nahen Spielplatz veranstaltet. Am Dienstag haben wir bereits mit unserer zukünftigen Mitbewohnerin in der neuen Wohnung gefrühstückt, eine weitere Schulfreundin unserer Großen und deren Mutter waren auch mit dabei, und die Kinder lernten die beiden Katzen kennen, die ebenfalls mit einziehen bzw. schon eingezogen sind.
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| Die Perspektive täuscht, in Wirklichkeit sind die beiden Katzen annähernd gleich groß (bzw. klein). |
Was ich ebenfalls bereits angedeutet habe, ist, dass unsere neue Wohnung, auch wenn sie wie gesagt nicht weit weg von unserer bisherigen ist, nicht mehr zum Territorium der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gehört – was der zwischenzeitlich aufgetauchten Überlegung, ich könnte mein Engagement in dieser Pfarrei nach fast vier Jahren "innerer Emigration" wieder aufnehmen und intensivieren, natürlich einigermaßen die Luft rauslässt. Unsere zukünftige Wohnortpfarrei wird St. Franziskus Reinickendorf-Nord sein, und wie es sich fügt, liegt das Haus, in das wir einziehen, just im Gemeindegebiet der akut von der Schließung bedrohten Kirche St. Nikolaus, über die ich vor knapp einem Jahr berichtet habe. Das wirft natürlich die Frage auf, in welchem Umfang und in welcher Form ich mich dort zu engagieren gedenke. Eine Idee, die sich mir da spontan aufdrängt, wäre es, einmal in der Woche (oder so) in St. Nikolaus eine halbe Stunde Lobpreis mit dem Stundenbuch (a.k.a. "Beten mit Musik") anzubieten. Muss ich wohl mal mit den örtlichen Verantwortlichen sprechen; vielleicht sind die ja ganz dankbar für Initiativen zur Belebung des Standorts, solange es ihn noch gibt. Gleichwohl wird unser Umzug grundsätzlich nichts daran ändern, dass ich in Sachen Gemeindearbeit weiterhin vorrangig in Siemensstadt und Haselhorst aktiv sein werde – umso mehr, als mein Tochterkind dort zur Erstkommunion gehen soll und die Erstkommunionvorbereitung für ihren Jahrgang demnächst anfängt. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr!
Gott ist nicht im Sturm: Sonntag in Siemensstadt
Am Sonntag gingen wir – zum ersten Mal seit fünf Wochen, denn in der Zwischenzeit waren wir ja erst in Butjadingen und dann bei der RKF gewesen – mal wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; dort gab es – zur großen Freude des Tochterkindes – ein erstes Wiedersehen mit ein paar Leuten, mit denen wir bis zum Vortag bei der RKF gewesen waren, nämlich mit dem Gemeindekirchenmusiker, der seinen angestammten Platz an der Orgel einnahm, und einem der Jungen Leiter, der ministrierte. Von den Kindern, die an der RKF teilgenommen hatten, war hingegen niemand da – die mussten wohl erst mal ausschlafen. Zelebriert wurde die Messe vom Spandauer Krankenhausseelsorger, und zwar in Albe und Stola, was man wohl auf die sommerlichen Temperaturen zurückführen kann; seine Predigt eröffnete er mit der Ankündigung, er werde auf das Evangelium – Matthäus 14,22-33, Jesus wandelt auf dem Wasser – nur kurz eingehen und sich hauptsächlich auf die 1. Lesung – 1. Könige 19,9-13, der Prophet Elijah begegnet Gott am Berg Horeb – konzentrieren. Hätte ich rechtzeitig daran gedacht, dass die Messen aus St. Joseph in der Sommerferienzeit nicht auf YouTube übertragen werden, hätte ich mir während der Predigt wohl Notizen gemacht; so aber muss ich mich darauf stützen, was mir von den Worten des Predigers im Gedächtnis haften geblieben ist. Die Episode aus dem Evangelium, dass Petrus über den See auf Jesus zugehen will und dabei untergeht, deutete er als Warnung davor, Gott zu versuchen bzw. auf die Probe zu stellen; im Übrigen zeigten sich schon in dem Satz "Wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme" die Glaubenszweifel des Petrus, die dann eben auch dazu führen, dass sein Glaube ihn auf dem Wasser nicht trägt. – Zur 1. Lesung führte er aus, die Frage "Wo ist Gott?" ("Der Herr war nicht im Sturm... der Herr war nicht im Erdbeben... der Herr war nicht im Feuer") bewege die Menschen ja immer wieder, besonders auch in Form der Frage "Wo ist Gott im Leid?"; eine geläufige Konkretisierung dieser Frage lautet "Wo war Gott in Auschwitz?". Von dieser Feststellung ausgehend kam der Geistliche auf den Anschlag auf die Berliner CSD-Parade am 25. Juli zu sprechen, anscheinend unbekümmert darum, dass es etwas unverhältnismäßig wirken könnte, dieses Ereignis in einem Atemzug mit dem Holocaust anzusprechen.
Es hatte aber durchaus seinen Grund, dass er von allen aktuellen Ereignissen, die die Frage "Wo ist Gott?" aufkommen lassen könnten, gerade dieses in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte: Er verwies darauf, ein "älterer Priester" habe in einer öffentlichen Stellungnahme den Anschlag auf die CSD-Parade als ein "Signal des Himmels" eingeordnet, und dieser Äußerung widersprach der Spandauer Krankenhausseelsorger eindringlich und ausführlich: Gott offenbare sich nicht in Gewalttaten – genau das zeige die 1. Lesung dieses Sonntags –; Gottes Kennzeichen sei vielmehr Zärtlichkeit. –
Ich würde nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Hörer dieser Predigt bewandert genug in der katholischen Medienbubble ist, um zu wissen, auf welche Äußerung der Geistliche sich hier bezog, geschweige denn, was der besagte "ältere Priester" denn nun genau gesagt hatte; ich selbst hatte das bisher auch nur eher oberflächlich und am Rande wahrgenommen (schließlich hatte ich genug Anderes zu tun gehabt), nahm diese Predigt aber nun zum Anlass, mir die Einlassung des 1939 geborenen Pfarrers i.R. Winfried Abel aus dem Bistum Fulda einmal im Wortlaut anzusehen. Der u.a. durch Beiträge auf EWTN und Radio Horeb überregional bekannte Ruhestandsgeistliche kritisiert in einem Leserbrief an die Fuldaer Zeitung, dass der Berliner Erzbischof Heiner Koch den CSD in seiner Stellungnahme zum Anschlag als "frohes und bewegendes Fest" charakterisiert hatte, und charakterisiert die Veranstaltung stattdessen als "Parade der Schamlosigkeit" und "zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion" und letztlich als Paradebeispiel (pun intended) für "die zunehmende sittliche Dekadenz" im "einst christlichen Abendland"; dass auch in Fulda eine CSD-Parade stattfindet, nimmt er zum Anlass, zu fragen: "Wird nun die einst prächtige, nun arg zusammengeschrumpfte Fronleichnamsprozession durch die große Parade der halbnackten Leiber verdrängt?" – Das ist alles ziemlich dick aufgetragen und man muss sich nicht wundern, dass es bei Lesern, die nicht von vornherein mit Pfarrer Abels Sichtweise übereinstimmen, vornehmlich Abwehrreaktionen hervorruft. Entscheidend dafür, dass und auf welche Weise der Spandauer Krankenhausseelsorger in seiner Sonntagspredigt in Siemensstadt auf Pfarrer Abels Leserbrief Bezug nahm, war es indes nicht, was der Fuldaer Ruhestandspriester insgesamt vom CSD und von der LGBTQ-Bewegung hält oder gar, was gläubige Katholiken von diesen Dingen halten sollten – über diesen Punkt ging der Prediger auffallend kurz und salopp hinweg –, sondern die Bewertung des Anschlags als "Signal des Himmels". Wie ist diese zu verstehen? Sieht Pfarrer Abel den offenbar islamistisch motivierten Attentäter als ein Werkzeug Gottes und heißt seine Tat damit gut? Durchaus nicht; er verurteilt scharf "das brutale und menschenverachtende Vorgehen der islamistischen Terroristen" und fordert: "Solchen Terroristen muss das Handwerk gelegt werden." Wie aber ist der Aufruf, "derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels [zu] verstehen", dann zu deuten? – Mir scheint, der Schlüssel zum Verständnis dieser Äußerung liegt in Pfarrer Abels Bezugnahme auf die These Peter Scholl-Latours, "dass die Stärke des Islam in Europa bedingt ist durch die Schwäche des Christentums": Dadurch, dass das Christentum in der Gesellschaft kaum noch, oder allenfalls in einer verwässerten, verharmlosten, individuell bedarfsgerechten moralistisch-therapeutischen Variante, präsent ist, hinterlässt es ein Vakuum in Sachen Sinn und Orientierung, und in diese Lücke stößt der Islam, gerade auch in seinen radikalen, militanten Ausprägungen. Zu dieser Lesart passt es auch, dass Pfarrer Abel seinen "Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr" nicht etwa an Anhänger oder Unterstützer der LGBTQ-Bewegung richtet, sondern an "alle, die sich noch Christen nennen": Diese sollen den christlichen Glauben in der Gesellschaft wieder stärker zur Geltung bringen und damit der "zunehmende[n] sittliche[n] Dekadenz" ebenso Einhalt gebieten wie dem Vormarsch des gewaltbereiten Islamismus. –
Zweifellos ist eine kritische Auseinandersetzung mit Pfarrer Abels Thesen angezeigt und wünschenswert; eine Voraussetzung für eine kritische Auseinandersetzung, die diese Bezeichnung verdient, wäre es allerdings, erst einmal verstehen zu wollen, was der "ältere Priester" eigentlich gemeint hat, statt mit wohlfeilen Strohmannargumenten auf den allgemeinen Empörungszug aufzuspringen. Gerade bei einem Mitbruder im priesterlichen Dienst finde ich dieses Vorgehen einigermaßen enttäuschend, umso mehr, wenn dieser – wie schon angemerkt – zu einem Publikum spricht, das größtenteils wahrscheinlich gar nicht weiß, wovon die Rede ist.
Übrigens musste ich während des Eucharistischen Hochgebets etwas stutzen, da mir schien, der Zelebrant habe in den Interzessionen die Nennung von Papst und Bischof (sowie "Priestern, Diakonen und allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind") ausgelassen. Ich kann freilich nicht ganz ausschließen, dass ich lediglich einen Moment lang unaufmerksam war, und mangels YouTube-Übertragung kann ich das auch nicht nachprüfen; aber auch wenn es so war, würde ich das eher auf ein Versehen zurückführen als auf etwaige schismatische Neigungen. Zum etwas irritierenden Gesamteindruck, den ich von dieser Messe mitnahm, trug es dennoch bei.
Abenteuer im Wandschrank
Mit ein bisschen Augenzwinkern könnte man behaupten, diese Sommerferien seien ein einziger Crashkurs in Sachen Kinder-und Jugendpastoral: Erst waren wir beim Kinderprogramm der Urlauberkirche in Butjadingen, dann bei der RKF, und kaum waren das Tochterkind und ich von dort zurück, begann auch schon die diesjährige Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche. Für unsere Kinder war dies nach 2022, '23 und '25 schon die vierte Teilnahme; 2024 fand die Kinderbibelwoche statt, während wir in Urlaub waren. Bei der ersten Kinderbibelwoche, die wir miterlebten, orientierte sich das Programm an der Handlung des Zeichentrickfilms "Asterix erobert Rom", im Jahr darauf ging es um Superhelden und im vorigen Jahr um Sherlock Holmes. Dieses Jahr stand die Kinderbibelwoche unter dem Motto "Für den König – Eine Reise in das Land hinter dem Kleiderschrank"; die Programmgestaltung war demnach von C.S. Lewis' Narnia-Chroniken inspiriert.
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| Schnee im Sommer! |
Zur Eröffnungsveranstaltung am Dienstag fuhren wir direkt von unserer neuen Wohnung aus, und eine Schulfreundin unserer Großen – jedoch nicht die, mit der wir zukünftig im selben Haus wohnen werden – kam auch mit. Die Leiterin erzählte mir, sie hoffe am ersten Tag der Kinderbibelwoche auf mindestens 20 Teilnehmer; tatsächlich kamen mehr als 30. Übrigens erzählte ich der Leiterin in aller Kürze von der RKF, bei der ich mitgearbeitet habe, und sie zeigte sich sehr interessiert – da sie, wie sie mir verriet, auch gerne mal ein Programm zu Mose und zum Auszug aus Ägypten machen würde. Ich stellte ihr in Aussicht, dass ich dazu einige Ideen beisteuern könnte, sowohl bereits erprobte als auch solche, die ich im Rahmen der RKF noch nicht umsetzen konnte, und sie meinte, darüber sollten wir uns bei Gelegenheit mal ausführlicher unterhalten.
Am ersten Tag der Kinderbibelwoche ging ich mehr oder weniger freiwillig zum Elterncafé, das angesichts des Sommerwetters in einer schattigen Sitzecke im Garten stattfand; das "mehr oder weniger Freiwillige" bestand darin, dass ich diese Sitzecke ursprünglich nur aufsuchte, um mir einen Kaffee und ein paar Kekse zu genehmigen, bei dieser Gelegenheit mit anderen Erwachsenen (die ich zum Teil schon kannte und zum Teil noch nicht) ins Gespräch kam und es dann etwas arg demonstrativ gefunden hätte, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als im Elterncafé das "inhaltliche Programm" losgehen sollte, von meinem gemütlichen Platz aufzustehen und stattdessen zum Kinderprogramm zu gehen. Tatsächlich war das "inhaltliche Programm" des Elterncafés an diesem ersten Tag auch gar nicht schlecht – das Thema lautete "Gott ruft uns", und behandelt wurde es anhand der Berufung der ersten Jünger Jesu nach Lukas 5,1-11 –, und am zweiten Tag, an dem ich auf ähnliche Weise erneut im Elterncafé "hängen blieb", war es sogar noch besser: Da ging es, ausgehend vom Buch Jona, um persönliche Gotteserfahrungen, und so etwas finde ich grundsätzlich interessanter als spekulatives Herumgestochere im Bibeltext. Am dritten Tag war ich schon nicht mehr ganz so freiwillig beim Elterncafé, sondern hatte eher den Eindruck, es werde von mir erwartet, daran teilzunehmen, und dazu passte es, dass es mir diesmal nicht so gut gefiel. In der Hauptsache wurde da ein mit zahlreichen Bibelzitaten gesticktes Evangelisierungs-Traktat vorgestellt, mit den üblichen Kernpunkten: Gott liebt uns, aber die Sünde trennt uns von Gott, also hat Er Seinen Sohn gesandt, um diese Trennung zu überwinden, aber damit wir Anteil an der Erlösung durch Jesus Christus haben, müssen wir Ihn als Herrn über unser Leben anerkennen – alles natürlich grundsätzlich richtig und gut, aber in der gedrängten Darreichungsform eines solchen Traktats vielleicht doch ein bisschen holzhammermäßig.
Vor allem war ich aber unzufrieden damit, dass ich vom "inhaltlichen Programm" für die Kinder so wenig mitbekam; darum fragte ich mein Tochterkind an jedem Tag der Kinderbibelwoche, meist in der Schlange zur Essensausgabe, was es denn am jeweiligen Tag für eine Geschichte gegeben habe, und erfuhr auf diesem Wege, dass da jeweils zentrale Passagen aus dem ersten "Narnia"-Band nacherzählt bzw. szenisch dargestellt worden waren. Am dritten Tag hakte ich dann aber mal etwas genauer nach: "Nun heißt das Ganze aber ja Kinderbibelwoche", merkte ich an; "kannst du mir erklären, was diese ganze Geschichte von dem Löwen und der Hexe nun mit der Bibel zu tun hat?" – Das war natürlich ein bisschen eine Suggestivfrage, denn mir ist die vom Autor C.S. Lewis bewusst eingesetzte biblische Motivik in den Narnia-Chroniken durchaus bekannt und auch im Elterncafé wurde wiederholt darauf hingewiesen; die Antwort meiner Tochter lautete jedoch: "Nicht so richtig." Das mag zum Teil auf einen Mangel an Aufmerksamkeit zurückzuführen sein – zumal ja eine ihrer Schulfreundinnen mit dabei war, was nicht selten einen gewissen Hang zur Hibbeligkeit und Quatschigkeit mit sich bringt –, aber es weckt doch Zweifel an der katechetischen Wirksamkeit des Kinderprogramms: Ich hoffe, es wirkt nicht ungebührlich eitel, wenn ich sage, wenn meine Tochter den Zusammenhang schon nicht peilt, kann man das von vielen anderen Kindern erst recht nicht erwarten.
Um mir selbst ein Bild zu machen, ging ich am vierten und letzten Tag der Kinderbibelwoche nicht zum Elterncafé, sondern schaute beim Kinderprogramm zu, wo in teilweise szenischer Darstellung das Finale des ersten Narnia-Bandes präsentiert wurde: Peter, Susan, Edmund und Lucy werden zu Königen und Königinnen von Narnia gekrönt und regieren viele Jahre lang, bis sie eines Tages im Wald den Kleiderschrank wiederfinden, durch den sie einst nach Narnia gelangt sind; neugierig betreten sie den Kleiderschrank und kehren dadurch in unsere Welt zurück, wobei sie wieder zu Kindern werden, weil diesseits des Kleiderschranks so gut wie keine Zeit vergangen ist. – Im Anschluss an diese Darbietung betrat ein Mitarbeiter der Gemeinde die Bühne, richtete ein paar klassische "Ergebnissicherungs"-Fragen an die Kinder, rekapitulierte einige besonders wichtige Handlungselemente und erzählte dann, unterstützt durch einige an die Wand projizierte Bilder, eine biblische Geschichte, die zum zuvor Gesehenen und Gehörten passen sollte. Ich unterstelle mal, der Ablauf wird an den vorangegangenen Tagen prinzipiell derselbe gewesen sein, aber man hat ja gesehen, wie wenig davon bei meiner Tochter "hängen geblieben" ist. Und auf der Basis dessen, was ich am letzten Kinderbibelwochen-Tag live miterlebt habe, wundert mich das auch nicht. Erzählt wurde da die Geschichte von Mephiboschet (bzw. Merib-Baal) nach 2. Samuel 9; befragt man den AI Overview von Google, erfährt man, dass das ein beliebter Text für Kindergottesdienste sei, weil Davids Güte gegenüber Mephiboschet anschaulich mache, "wie Gott zu den Menschen ist", und obendrein könnten Kinder aus dieser Geschichte "lernen, dass jeder wertvoll ist – unabhängig von Behinderungen oder Schwächen"; aber ich fand's doch ziemlich weit hergeholt – im Sinne von "Da kann nur jemand drauf kommen, der die gesamte Bibel quasi in Dauerschleife liest und dadurch irgendwann auf die Idee kommt, man müsse aus jeder noch so abseitigen Episode irgendwas machen können". Im Elterncafé ging es derweil, wie meine Liebste mir hinterher berichtete, um das Gleichnis vom Hochzeitsmahl (Matthäus 22,1-14), was mir dann doch als erheblich näherliegende Wahl erschien.
(Natürlich könnte man – in dem Sinne, wie in der Leseordnung für die Heilige Messe die 1. Lesung und das Evangelium oft miteinander korrespondieren – beide Texte nebeneinander stellen und aufeinander beziehen. Aber das würde dann mehr Zeit und Sorgfalt erfordern, und wahrscheinlich auch ein qualifizierteres Publikum – auf diesen Punkt komme ich noch zurück.)
Alles in allem muss ich somit zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich die diesjährige Kinderbibelwoche unter katechetischen Gesichtspunkten weniger überzeugend bzw. gelungen fand als die RKF. Natürlich kann man sagen, das sei ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, aber wie ich von meinem Deutsch- und Religionslehrer auf dem Gymnasium gelernt kann man Äpfel und Birnen sehr wohl miteinander vergleichen – schließlich handelt es sich in beiden Fällen um Obst. Zu den grundsätzlichen Unterschieden zwischen den beiden Veranstaltungsformaten, die man in Betracht ziehen muss, gehört, dass bei der RKF wesentlich mehr Zeit war: sechs volle Tage, wenn man An- und Abreisetag nicht mitrechnet, und davon waren täglich mindestens drei Stunden der "inhaltlichen Arbeit" im engeren Sinne, also der Arbeit an der Mose-Geschichte, gewidmet; demgegenüber umfasste die Kinderbibelwoche vier Nachmittage, wovon jeweils rund eine Dreiviertelstunde der Nacherzählung bzw. szenischen Darstellung der Narnia-Geschichte samt katechetischer Ausdeutung gewidmet war. Hinzu kommt das tendenziell unterschiedliche Alter der Zielgruppe: Die Kinderbibelwoche richtete sich an Kinder bis 12 Jahre, gut ein Viertel, vielleicht sogar ein Drittel der Teilnehmer war noch im Vorschulalter; dagegen war die RKF für ein Altersspektrum von 8 bis 14 Jahren konzipiert und der weit überwiegende Teil der Teilnehmer war mindestens zehn Jahre alt. Aber auch über solche eher äußerlichen Faktoren hinaus lassen sich für die Unterschiede zwischen den beiden Veranstaltungsformaten auch tiefer liegende konzeptionelle und, wie ich glaube, auch theologische Ursachen benennen. Die letzteren sind naturgemäß komplexer, also stellen wir sie erst einmal zurück; zum Konzeptionellen ist jedenfalls zu sagen, dass die EFG The Rock Christuskirche ihre jährliche Kinderbibelwoche nicht zuletzt auch als "Schaufenster"-Veranstaltung nutzt, um insbesondere für ihr wöchentliches Kinderprogramm JAM zu werben und allgemein mit Familien aus der Nachbarschaft in Kontakt zu kommen. In allererster Linie soll das Programm also Spaß machen und dafür sorgen, dass die Kinder Lust bekommen, wiederzukommen. Dabei wird – schon allein durch den Namen der ganzen Veranstaltung, aber auch dadurch, dass an verschiedenen Punkten des Programms gebetet wird und Lobpreislieder gesungen werden – durchaus offen kommuniziert, dass man den Anspruch hat, den Kindern Grundlagen des christlichen Glaubens zu vermitteln, aber dabei wird – ungeachtet der Tatsache, dass der weit überwiegende Teil der teilnehmenden Familien ohnehin bereits Stammgast beim JAM sind; ein paar "Neue" sind halt doch jedes Jahr dabei – ein Niveau eingehalten, das keine einschlägigen Vorkenntnisse voraussetzt. Im Unterschied dazu hat man es bei den Teilnehmern der RKF im Wesentlichen mit Kindern zu tun, die schon bei der Erstkommunion und also auch beim Erstkommunionunterricht waren. Kurz gesagt, fasst man – wie ich es aus Father Mallons "Wenn Gott sein Haus saniert" gelernt habe – Evangelisierung, Katechese und Jüngerschaft als aufeinander aufbauende Stufen der Glaubensentwicklung auf, dann steht die Kinderbibelwoche bewusst und absichtlich auf der untersten Stufe, oder man könnte sogar sagen, es ist eine Vorstufe zur Evangelisierung. Dagegen steht die RKF – zumindest potentiell; es kommt halt immer darauf an, was man aus den Möglichkeiten des jeweiligen Formats macht – schon auf einer höheren Stufe.
Dabei gilt es zu betonen, dass das eine nicht zwingend besser ist als das andere; grundsätzlich ist beides notwendig, und wenn man beim Vergleich zwischen Kinderbibelwoche und RKF mit in Betracht zieht, dass das eine ein freikirchliches und das andere ein post-volkskirchliches Format ist, dann könnte man auf den Gedanken kommen, "bei uns" fehle es gerade an solchen niederschwelligen Einsteigerangeboten für ein (noch) nicht kirchlich gebundenes und entsprechend "vorkonditioniertes" Publikum: Die Großkirchen verlassen sich immer noch zu sehr darauf, dass die Leute "von selber" zu ihnen kommen – anders ausgedrückt, sie verlassen sich zu sehr auf ihre Bestandskunden, also etwa darauf, dass Eltern ihre Kinder zum Erstkommunionunterricht anmelden, sobald sie das dafür übliche Alter erreicht haben. Und für die Leute, die eben nicht "von selber" kommen, tut man nichts. Das kann so nicht weitergehen.
(An dieser Stelle sei mir die Anmerkung erlaubt, dass ich mir wünschen würde, das Programm der Urlauberkirche in Butjadingen hätte ein bisschen mehr Ähnlichkeit mit dem der Kinderbibelwoche – bei der übrigens auch gebastelt wurde.)
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| Hier z.B. ein "Mini-Narnia", flankiert von zweimal "Wald im Glas". |
Betonen möchte ich übrigens, dass es meiner Tochter bei der diesjährigen Kinderbibelwoche ausgesprochen gut gefallen hat und dass sie insbesondere die Narnia-Geschichte toll fand. Wenn ich trotzdem den Eindruck habe, was das katechetische Niveau angeht, wächst sie so allmählich aus diesem Format 'raus, dann hat das wohl auch damit zu tun, dass die Evangelikalen eine Theologie haben, die – sprichwörtlich ausgedrückt – auf einen Bierdeckel passt. Da findet also schon allein deshalb nicht so viel an Katechese statt, weil es gar nicht so viel an Glaubenswissen zu vermitteln und zu reflektieren gibt: Letztlich läuft alles immer wieder auf dieselben vier bis sechs Kernsätze hinaus, und wie oft kann man die einem Kind gegenüber wiederholen, ohne dass es innerlich abschaltet und denkt "Weiß ich doch alles schon"? (Dass die post-volkskirchliche Kinderkatechese demgegenüber vielfach so mies ist, dass sie es nicht einmal schafft, den Kindern diese Grundlagen zu vermitteln, steht indes auf einem anderen Blatt.)
Geistlicher Impuls der Woche
Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet. Fürchtet also jetzt den Herrn und dient ihm in vollkommener Treue! Schafft die Götter fort, denen eure Väter jenseits des Stroms und in Ägypten gedient haben, und dient dem Herrn! Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
Ohrwurm der Woche
Jimi Hendrix: All Along the Watchtower
Der war wohl überfällig, nachdem ich diesen Song in den zurückliegenden Wochen zweimal zum Vergleich mit dem da jeweils gerade aktuellen Ohrwurm der Woche herangezogen habe. Die endgültige Entscheidung fiel dann, als ich gestern auf dem Weg zum letzten Tag der Kinderbibelwoche zusammen mit den Kindern an einem Straßenmusiker vorbeikam, der gerade diesen Song performte – leider nicht besonders gut, aber welcher Gitarrist ist schon "gut", wenn er sich an Jimi Hendrix messen lassen muss? – Ursprünglich stammt "All Along the Watchtower" natürlich aus der Feder von Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, aber es heißt, sogar dieser selbst habe, nachdem er Jimi Hendrix' Interpretation gehört habe, erklärt "It's Jimi's song now". Dem ist wohl nichts hinzuzufügen...
Vorschau / Ausblick
Heute ist bzw. war das Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, kurz Mariä Himmelfahrt; man darf wohl davon ausgehen, dass die "äußere Feier" dieses Hochfests in der morgigen Sonntagsmesse nachgeholt wird. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch daran, dass meine alte Heimatgemeinde Herz Mariä Burhave traditionell an Mariä Himmelfahrt ihr Patronatsfest feiert – und dass die dortige Gemeinde, wenn auch nicht das Kirchengebäude, heuer ihr 80jähriges Bestehen feiert, oder jedenfalls feiern könnte: Die aktuelle Ausgabe des Gemeindeblatts "Willehad aktuell" enthält keinerlei Hinweise darauf, dass dieses Jubiläum irgendwie besonders gewürdigt würde. Immerhin trifft es sich ganz gut, dass Mariä Himmelfahrt in diesem Jahr auf einen Samstag fällt und somit im Rahmen der regulären Vorabendmesse in Burhave gefeiert werden kann – mit anschließendem Grillen im Pfarrgarten.
Im Übrigen sind immer noch Sommerferien, aber gefühlt nicht mehr so ganz: Meine Liebste muss ab Mittwoch wieder zur Arbeit – Vorbereitungswoche –, daher haben wir das Tochterkind für diese Woche zur Ferienbetreuung in Ihrer Schule angemeldet, und das würde ich gern auch zum Anlass nehmen, den Jüngsten wieder zur KiTa zu bringen – aber da hat er durchaus ein Mitspracherecht. Die Umzugsvorbereitungen gehen natürlich weiter, und ich muss mich weiterhin um meine Immatrikulation in Paderborn kümmern, wozu ich in der zurückliegenden Woche nur wenig Zeit und Muße gefunden habe. Es bleibt also spannend...!




>>Das ist alles ziemlich dick aufgetragen und man muss sich nicht wundern, dass es bei Lesern, die nicht von vornherein mit Pfarrer Abels Sichtweise übereinstimmen, vornehmlich Abwehrreaktionen hervorruft.
AntwortenLöschenIch würde ja durchaus behaupten, unter diese Leute eigentlich nicht zu gehören. Insbesondere ist wahrscheinlich das meiste, was er gesagt hat, an sich richtig. (Wer mir die unverdiente Ehre antut, sich an einige meiner Kommentare zu erinnern, der weiß vielleicht, daß „an sich richtig“ bei mir oft einen genervten Ton hat.)
Gerade deswegen habe ich aber umso heftigere Abwehrreaktionen.
Wenn ein Linker (man verzeihe die vereinfachende Richtungsangabe) aus seiner Sicht feststellt, „aha, ein Homophober äußert sich homophob“, dann wird ihn das nicht besonders aufregen; selbst wenn er aus taktischen Gründen so tun sollte, aber in der Regel wird er nicht einmal das. Er nimmt das halt her, um seine Mitmenschen davor zu warnen, diesen Leuten im aus seiner Sicht Irrtum (also uns) Gehör zu schenken, dafür kann es ihm nur Recht sein.
Ganz anders sieht es bei uns aus. Der sagt etwas, was im wesentlichen stimmt, aber er sagt es zu einem Zeitpunkt und auf eine Art und Weise, in der das eine andere Wirkung als Vergraulen gar nicht haben kann. Solche Dinge erörtert man dann, wenn man konkret nach ihnen gefragt wird - oder nachdem die Trauerzeit zu Ende ist.
Man macht doch auch der illegitimen Zweitfrau des Geschiedenen, die gerade als trauernde Witwe an dessen Grab steht, nicht *in diesem Moment* Vorwürfe! Und wer gegen die Macht der Gewerkschaften ist, der redet davon nicht unmittelbar, wenn ein Moslem ein Auto in eine Gewerkschaftsdemonstration gefahren hat (wie in München geschehen)!
Zumal wenn man dann noch Ausdrücke gebraucht wie hier „Zeichen des Himmels“, die die Öffentlichkeit nicht in der Lage ist und nicht die Zeit und Gemütsruhe aufzubringen willens ist, sie richtig zu erörtern und zu verstehen. Das kann man vorher wissen, und ein Priester, der das ohnehin immer Wagnis einer ihm in seinem Priesteramt zuordenbaren öffentlichen Äußerung eingeht, *muß* es wissen. Und danach handeln.
Es gibt keine Dispens von der Vorschrift, klug zu sein.
Sorry.
"Ein Signal des Himmels" kann durchaus darin bestehen, dass der Herr des Himmels (und der Erde) in manchen Fällen seinen Schutzengeln eben NICHT befiehlt einzuschreiten, sondern dem Geschehen seinen Lauf lässt.
AntwortenLöschenDas ist jedenfalls MEIN nachdenklicher Kommentar zu Pfarrer Abels Einlassung.