Dienstag, 20. September 2016

Hass macht blind

Wie bereits angekündigt, war ich in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge beim Marsch für das Leben. Einige meiner Freunde und Bekannten haben kein Verständnis für dieses Engagement. Mir ist es aber wichtig -- so wichtig, dass ich keine Rücksicht darauf nehmen kann, ob es mir jemand übel nimmt. Ich gehe davon aus, dass Jene, die den Marsch für das Leben ablehnen, einfach eine sehr verzerrte Vorstellung von dieser Veranstaltung haben - bzw. davon, wofür sie steht. In besonderem Maße gilt das natürlich für jene, die sich aktiv an Protesten und/oder Sabotageakten gegen den Marsch beteiligen; doch dazu später. 

Cooles Shirt. Will ich auch! 
Wer die Ordner kennt, kriegt auch schnell mal ein Schild in die Hand gedrückt. 

Erst einmal zum diesjährigen Marsch. Wie war's denn da so? -- Gut war's! Sehr gut sogar. Die Angaben zur Teilnehmerzahl schwanken je nach Quelle zwischen 6.000 und über 7.500; im Vorjahr war von 5.000-7.000 Demonstranten die Rede. Natürlich basieren alle diese Zahlen nur auf Schätzungen, aber sehr viele waren es allemal. Als erfreulich festzuhalten ist auch die wachsende Unterstützung durch hochrangige Vertreter der Katholischen Kirche: Nachdem im letzten Jahr mit Rudolf Voderholzer (Regensburg) erstmals ein deutscher Diözesanbischof und zudem zwei Weihbischöfe aus Deutschland (Matthias Heinrich, Berlin, und Thomas Maria Renz, Rottenburg-Stuttgart) und einer aus Österreich (Andreas Laun, Salzburg) beim Marsch dabei gewesen waren, waren es diesmal insgesamt fünf katholische Bischöfe: Bischof Voderholzer und Weihbischof Heinrich nahmen erneut teil, außerdem die Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp (Köln) und Florian Wörner (Augsburg) sowie erstmals auch der Berliner Erzbischof, Heiner Koch. 



Martin Lohmann und eine Gruppe Jugendlicher



Musik gab's von der Gruppe "Gnadensohn"




Bischof Voderholzer, etwas unscharf wegen der großen Entfernung und des schlechten Lichts... 

Erzbischof Koch, dito. 

Bei der vom Vorsitzenden des Bundesverbands Lebensrecht, Martin Lohmann, moderierten Auftaktkundgebung sprachen neben den Bischöfen Voderholzer und Koch unter anderem auch Prof. Paul Cullen, Vorsitzender der "Ärzte für das Leben", Hubert Hüppe, Mitglied des Bundestages (CDU) und stellvertretender Bundesvorsitzender der Christdemokraten für das Leben, Alexandra Maria Linder, Vorsitzender der "Aktion Lebensrecht für Alle", Mechthild Löhr, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben, und Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. Die beeindruckendsten Redebeiträge kamen jedoch wie schon in den letzten Jahren erneut von solchen Personen, die kein nennenswertes Amt bekleiden, dafür aber ein persönliches Zeugnis aus eigener Lebenserfahrung abgaben. Dazu gehörte die Mutter eines schwer behinderten Kindes, das bereits zehn Minuten nach der Geburt starb; eine Frau, die in jüngeren Jahren abgetrieben hat und dies später zutiefst bereut hat; und eine Frau, die fünf Jahre lang ihren todkranken Mann gepflegt hat. Als sehr bewegend empfand ich nicht zuletzt den Auftritt einer jungen Frau, die in schlichten Worten über ihr tägliches Leben, ihren Berufsalltag als Schreibkraft bei der Verkehrspolizei, ihre Hobbies und ihr Verhältnis zu ihrer Familie, ihren Freunden und Kollegen sprach. Alles sehr normal und unspektakulär, aber genau darum ging's - denn diese junge Frau ist mit Trisomie 21, auch bekannt als "Down-Syndrom", zur Welt gekommen. Mit einer Chromosomenanomalie also, die durch pränatale Untersuchungen diagnostiziert werden kann -- und in den allermeisten Fällen führt diese Diagnose dazu, dass das betroffene Kind abgetrieben wird. Wenn man nun diese sympathische und lebensfrohe junge Frau auf der Bühne sah und ihr zuhörte, konnte man wohl kaum begreifen, wie jemand der Meinung sein kann, Menschen mit einer Behinderung wie der ihren sollten besser gar nicht erst geboren werden. 

Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass ich in meinem Zivildienst vor gut 20 Jahren mehrere Kinder mit Trisomie 21 zu betreuen hatte. Ich habe diese Kinder als ausgesprochen liebevoll und lebensfroh kennengelernt, und dasselbe berichten auch viele andere Betreuer, Familienangehörige und Freunde von Menschen mit Trisomie 21. Gleichzeitig kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die durch diese Chromosomenanomalie verursachten körperlichen und geistigen Einschränkungen individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Eine nicht seltene Begleiterscheinung von Trisomie 21 ist ein Herzfehler, hinzu kommt oft ein erhöhtes Infektionsrisiko und eine allgemeine körperliche und geistige Entwicklungsverzögerung. Ohne Zweifel stellt es eine besondere Herausforderung dar, ein Kind mit einer solchen Behinderung aufzuziehen. Es ist daher durchaus verständlich, dass viele Eltern, wenn sie während der Schwangerschaft die Diagnose erhalten, ihr Kind habe Trisomie 21, verunsichert sind und fürchten, sie könnten mit einem solcherart behinderten Kind überfordert sein. Umso verheerender ist es, wenn diesen Eltern als vermeintlich einfachste "Lösung" nahegelegt wird, sie könnten das Kind ja abtreiben. Not täte es vielmehr, den Eltern kompetente Beratung zu den besonderen Bedürfnissen von Kindern mit Trisomie 21 und praktische Unterstützung bei den zu erwartenden Schwierigkeiten anzubieten. Fühlen sich die Eltern dennoch nicht in der Lage, ein behindertes Kind aufzuziehen, gibt es immer noch Adoptiveltern oder Pflegefamilien, die dem Kind ein liebevolles Zuhause bereiten können. 

Aber zurück zur Kundgebung! Wer manchen Medienberichten im Vorfeld, vor allem aber den Mobilisierungsaufrufen zu den Gegenprotesten des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung, der Initiative "Marsch für das Leben? What the Fuck!" und ähnlicher Gruppierungen glaubte, der hätte eigentlich annehmen müssen, von der vor dem Reichstag aufgebauten Bühne herab würde nicht nur eine drakonische Verschärfung des Abtreibungsstrafrechts gefordert werden, sondern es würde obendrein auch noch gegen Homo- und Transsexuelle gewettert, die bürgerliche Kleinfamilie als einzig legitimer Lebensentwurf propagiert und womöglich auch noch das Gespenst des "Volkstods" an die Wand gemalt werden, oder was nicht noch alles. Von alledem war jedoch keine Rede - im Gegenteil: Immer wieder war vom bedingungslosen Lebensrecht und der unterschiedslosen Menschenwürde aller Menschen die Rede,  und statt Verurteilungen, Verdammungen und Forderungen nach Strafe wurde betont, man müsse Menschen in Konfliktsituationen Mut machen, sich für das Leben zu entscheiden. Wozu natürlich Worte allein nicht ausreichen - es sind auch ganz konkrete praktische Hilfen notwendig. Auch dazu gab es in den verschiedenen Redebeiträgen Einiges zu hören.  

Hier ist nun allerdings auf der Seite der Gegner des Marsches ein gewisses Verschwörungsdenken in Rechnung zu stellen. Man glaubt den Lebensschützern einfach nicht, dass sie das, was sie sagen, auch so meinen; man unterstellt ihnen vielmehr, sie würden ihre wahren Absichten lediglich hinter wohlklingenden Worten verstecken. Sofern diese überhaupt zur Kenntnis genommen werden, heißt das. -- Recht bezeichnend fand ich in diesem Zusammenhang eine Begegnung am Abend vor dem Marsch für das Leben - als ich bei der vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung angekündigten, gegen einen Vortrag der "Demo für Alle"-Organisatorin Hedwig von Beverfoerde gerichteten "Mahnwache" vor der Bibliothek des Konservatismus vorbeiging. Einige Demonstrantinnen hatte ich bereits einige Tage zuvor bei einer Veranstaltung im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung getroffen, über die ich bereits berichtet habe, und sie erkannten mich ebenso wieder wie ich sie; und eine dieser Frauen hielt mir einen Drahtkleiderbügel vor die Nase, an dem ein Flyer befestigt war. Ob ich wisse, was das sei, fragte sie mich süffisant - und ob ich wisse, wofür das stehe. Ich bejahte. Zu einer längeren Auseinandersetzung darüber fehlte mir in diesem Moment schlicht die Geduld, aber ich fand (und finde), dass die Verwendung dieses Kleiderbügels als Symbol, das den Lebensschützern im wahrsten Sinne des Wortes vorgehalten wird, einen fundamentalen Denkfehler offenbart - oder, wenn man so will, ein Missverständnis: nämlich die Auffassung, wer gegen legale und medizinisch professionell durchgeführte Abtreibungen sei, der fördere damit automatisch illegale und nicht medizinisch professionell durchgeführte Abtreibungen. Die natürlich weit gefährlicher für die Mutter sind. Zugegeben: Als ich schon wieder auf dem Heimweg war, ging mir durch den Kopf, dass dieses Kleiderbügelsymbol in gewissem Sinne durchaus eine ernst zu nehmende Mahnung beinhaltet. Nämlich die, dass man das Problem Abtreibung nicht allein und nicht in erster Linie auf strafrechtlichem Wege angehen kann. Wenn und solange Frauen eine ungewollte Schwangerschaft als eine existentielle Notlage empfinden, ist Strafandrohung schlichtweg keine Hilfe, weder für die Schwangere noch für ihr Kind. Aber dessen ist sich die Lebensschutzbewegung auch ohne solche plakativen Mahnungen sehr wohl bewusst - deshalb setzt sie gerade nicht darauf, strenge und unnachsichtige Strafen für Frauen zu fordern, die abtreiben, sondern vielmehr darauf, ein Bewusstsein für den Wert und die Würde jedes Lebens zu wecken. Pointiert gesagt ist ihr Ziel nicht, durchzusetzen, dass Frauen nicht abtreiben dürfen, sondern dafür zu sorgen, dass Frauen nicht abtreiben wollen. Diese Schwerpunktsetzung ging aus den Wortbeiträgen auf der Kundgebung deutlich genug hervor - aber die wollten die Gegendemonstranten ja nicht hören, sondern gaben sich stattdessen alle Mühe, sie mit Trillerpfeifen und Gebrüll zu übertönen. 

Und dann ist da natürlich noch das leidige Thema der Teilnahme von AfD-Politikern am Marsch für das Leben. Für mein Empfinden liegt eine gewisse bittere Ironie darin, dass diese Beteiligung eigentlich gar nicht groß aufgefallen wäre, wenn sie nicht im Vorfeld so skandalisiert worden wäre. Dass AfD-Parteisprecher Ronald Gläser mitten im Berliner Abgeordnetenhaus-Wahlkampf vollmundig die Unterstützung seiner Partei für den Marsch für das Leben bekundete, empfand ich (und sicher nicht nur ich) durchaus als ärgerlich, aber man hätte es ignorieren können - schließlich sind Parteilogos, -banner und -plakate und parteipolitische Äußerungen auf dem Marsch und der Kundgebung nicht zugelassen. AfD-Mitglieder wären so zu sagen nur als Privatleute auf der Demonstration zugegen gewesen (was man ihnen nicht verwehren kann) und nicht als Repräsentanten ihrer Partei. Einige Medienberichte und einige Slogans der Gegendemonstranten erweckten dagegen den Eindruck, der ganze Marsch für das Leben sei eine Wahlkampfveranstaltung der AfD. Was umso absurder wirkt, wenn man an die Anti-TTIP-Demo denkt, die zeitgleich mit dem Marsch für das Leben stattfand: Die AfD ist nämlich auch gegen TTIP, was aber wohl kaum einen linken Aktivisten davon abgehalten haben wird, sich zu diesem Anliegen zu bekennen... 

Bei alledem muss man allerdings sagen, dass sich die Störungen durch Gegendemonstranten in diesem Jahr, verglichen mit den Vorjahren, doch eher in Grenzen hielten. Was zu einem großen Teil natürlich den 1.300 Polizisten zu verdanken war, die die Veranstaltung absicherten. Man mag spekulieren, dass insbesondere der AK Codename Kot mit seinem Aufruf, dem Marsch für das Leben mit Hilfe von Stinkbomben, verdorbenen Lebensmitteln und anderen übelriechenden Substanzen "in einen stinkenden Sündenpfuhl zu verwandeln", eher ein Eigentor geschossen hat -- denn möglicherweise hat gerade dieser Aufruf dazu beigetragen, dass die Polizei diesmal darauf setzte, den Demonstrationszug wirklich sehr weiträumig von den Gegenprotesten abzuschirmen. Die gegenüber den Vorjahren geänderte Route - vom Reichstag an der Charité vorbei zur Friedrichstraße und wieder zurück - tat ein Übriges: Die weitaus größte Zahl an Gegendemonstranten war zu sehen und vor allem zu hören, während der Marsch direkt am Spreeufer entlangzog - und da befanden sich die Gegner auf dem anderen Ufer. 




Trotzdem bekam man von den Gegenprotesten natürlich Einiges mit. Schon während der Auftaktkundgebung gelang es einigen Störern, sich unter die Teilnehmer des Marsches zu mischen; einer von ihnen versprühte, dem Codename Kot-Aufruf gemäß, aus zwei Spraydosen stinkendes Zeug, aber meine Liebste hatte vorgesorgt und reichte in unserer unmittelbaren Umgebung ein Gläschen mit Tigerbalsam herum, den man sich unter die Nase schmieren und so den Gestank überdecken konnte. Allzu lange hielt das Stinkgas unter freiem Himmel ohnehin nicht vor. Auch im weiteren Verlauf drangen immer mal wieder vereinzelt Störer in die Reihen der Lebensschützer ein und brüllten dort ihre aus früheren Jahren sattsam bekannten, teils völlig sinnfreien, teils mit dem Anliegen des Marsches in keinem Zusammenhang stehenden und zu einem großen Teil lediglich obszönen Parolen. Und auch aus der Entfernung hatten sie es bei einem Schweigemarsch naturgemäß nicht schwer, sich hörbar zu machen. In besonders unschöner Weise fiel das auf, als während der Kundgebung zu einer Schweigeminute für die getöteten Ungeborenen aufgerufen wurde: Die Zaungäste füllten diese Minute mit einem schrillen Pfeifkonzert aus. Auch und besonders der ökumenische Abschlussgottesdienst, der wie die Auftaktkundgebung auf dem Platz vor dem Reichstag stattfand, wurde lautstark gestört. (Wobei, immerhin sorgten die Protestierer auf diese Weise für gute Musik beim Abschlussgottesdienst. Insbesondere die eher dröge und vor allem viel zu lange Predigt des evangelischen Pfarrers Werner Neuer gewann erheblich durch das von der Gegendemo beigesteuerte funky Bass-Riff. Okay, okay, Spaß beiseite. Ich werde gleich wieder ernst.)

Wenngleich die Gegendemonstranten den Marsch für das Leben in diesem Jahr also Alles in Allem gar nicht so sehr störten - wesentlich weniger jedenfalls, als sie es sich selbst zweifellos gewünscht hätten -, macht es doch zumindest mich jedes Jahr aufs Neue ausgesprochen betroffen, junge Menschen (die meisten von ihnen sind sehr jung) zu sehen, die so voller Hass und Erbitterung sind, so verquere Vorstellungen von Freiheit und Recht, von Gut und Böse haben, dass sie eine ausgesprochen friedliche Demonstration, die niemandem etwas Böses will - im Gegenteil! -, als einen Feind ansehen, den es zu bekämpfen gelte. Die dermaßen verblendet sind, dass sie - wie im Nachhinein auf Facebook zu lesen war - in einem bunten und, gemessen am traurigen Anlass, relativ gut gelaunten, ja sogar heiteren Zug von Menschen jeden Alters und unterschiedlichster Herkunft, darunter viele Jugendliche, junge Familien, aber auch Senioren, chronisch Kranke und Behinderte, nichts Anderes sehen als einen Aufmarsch zorniger alter weißer Männer. Besonders auffällig war - wenngleich man auch das schon aus früheren Jahren kennt - die fanatische Gegnerschaft der Protestierer gegen das Christentum. Das zeigte sich einerseits darin, dass gerade der abschließende Gottesdienst in besonderem Maße zur Zielscheibe von Störungsversuchen wurde, andererseits in der blasphemischen Ausrichtung vieler der gebrüllten Parolen und gezeigten Plakate (ich möchte hier nicht ins Detail gehen). Dass es eine solche Aggressivität hervorruft, wenn Christen sich in einer öffentlichen Demonstration zu ihrem Glauben bekennen, ist mir eigentlich unverständlich; denn dieses Bekenntnis bedeutet schließlich nicht, dass der Glaube irgendwem aufgezwungen werden soll. Im Gegenteil, gerade das Christentum legt von jeher größten Wert auf die freie Entscheidung jedes Einzelnen. Dass ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben dennoch als eine so starke Provokation empfunden wird, gibt zu denken - man könnte auf die Idee kommen, dass diejenigen, die dieses Bekenntnis niederzubrüllen versuchen, damit nicht zuletzt auch ihre eigenen Zweifel zum Schweigen bringen wollen, ob nicht doch etwas Wahres daran sein könnte.

Sicherlich ist dieser ausgeprägt antichristliche Charakter der Proteste nicht zuletzt dadurch bedingt, dass der Marsch für das Leben nach Meinung der Lebensschutz-Gegner - wie man in den einschlägigen Mobilisierungsaufrufen nachlesen kann - für eine als restriktiv empfundene christliche Sexualmoral steht. Zwar hat das tatsächliche Anliegen des Marsches - das ist, wiederholen wir es ruhig noch einmal, der Einsatz für den Wert und die Würde jedes menschlichen Lebens - bestenfalls am Rande bzw. indirekt etwas mit Sexualmoral zu tun, aber nehmen wir ruhig erst einmal zur Kenntnis, dass die Gegner das anders wahrnehmen. Und dass man am Rande des Marschs für das Leben einer Vielzahl überwiegend junger Menschen begegnet, die die christliche Lehre lediglich als etwas wahrnehmen, das sie in ihrer Freiheit einschränken will - und sei es nur die Freiheit, sich selbst und Andere zu zerstören -, ist ja etwas, das auch über den konkreten Anlass hinaus zu denken geben sollte. Als Christen müssen wir uns da durchaus fragen (lassen): Was tun wir eigentlich dafür, dass Außenstehende die christliche Sexuallehre - wie sie etwa der Hl. Papst Johannes Paul II. in seinen Katechesen zur "Theologie des Leibes" eindrucksvoll dargelegt hat - nicht als eine repressive "Verbotsmoral" wahrnehmen, sondern vielmehr als einen Weg zu einer erfüllten und erfüllenden, kurz: heilen Sexualität? Da gibt es zweifellos Kommunikationsdefizite -- wenngleich man anerkennen muss, dass jedes Bemühen um Kommunikation an seine Grenzen stößt, wenn der Adressat von vornherein nicht bereit ist, zuzuhören. Aufgeben darf man diese Menschen aber trotzdem nicht. Mindestens kann man für sie beten. Das, denke ich, ist dringend notwendig. 

(Davon abgesehen gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass allein der krasse Kontrast zwischen friedlichem Schweigemarsch hier und hasserfülltem Gebrüll dort den einen oder anderen Mitläufer der Gegenproteste doch einmal daran zweifeln lässt, ob er wirklich auf der richtigen Seite steht...)

*****

P.S.: Am Rande des Abschlussgottesdienstes wurden meine Liebste und ich vom katholischen Fernsehsender EWTN interviewt:


Und hier noch einige Links zu anderen Berichten vom diesjährigen Marsch für das Leben:




Ach ja, und nicht zu vergessen: Zeitgleich fand auch in Bern der Schweizer "Marsch für's Läbe" statt. Einen schönen Bericht gibt's hier:





4 Kommentare:

  1. Schöner Artikel!
    Ja, die Gegenseite redet immer sofort und fast ausschließlich von Sex, wenn sie der Kirche an den Karren fahren will.
    Allenfalls noch über Scheiterhaufen.
    Als gäbe es nichts anderes als Sex und Feuer.

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  2. Wie „Die Tagespost“ in ihrer Ausgabe vom 17.09.16 schreibt, hat z.B. die erst 2009 gegründete überkonfessionelle Initiative „1000plus“, die von der pro-life-Frauenhilfsorganisation „Pro Femina e.V.“ in Kooperation mit „Die Birke e.V.“ und der Stiftung „Ja zum Leben“ hundertprozentig spendenfinanziert getragen wird, bereits im letzten Jahr 2439 Frauen beraten (85 Prozent davon im existentiellen Schwangerschaftskonflikt) – selbstverständlich ohne Betatungsscheinausstellung!

    Die Beratung erfolgt wahlweise per Internet, telefonisch oder im persönlichen Gespräch.

    Ziel der z.Zt. 21 psychologisch, medizinisch oder sozialpädagogisch qualifizierten Beraterinnen ist es, gemeinsam mit der Schwangeren eine tragfähige Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu erarbeiten und ihr so eine freie, angstlose Entscheidung für ihr Baby zu ermöglichen.

    Für das Jahr 2020 hat sich 1000plus vorgenommen, jährlich 10000 Frauen zu beraten.

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  3. Lieber Dr. Tobias Klein, ab und zu besuche ich Ihren Blog, den ich sehr schätze, und eben sah ich das Foto, unter das Sie geschrieben haben: "Cooles Shirt, will ich auch". Darum möchte ich Ihnen einen kleinen Tipp geben - schauen Sie mal hier: http://www.catholictothemax.com/brands/Get-Holy.html
    Freundliche Grüße, Natalie Hanke

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