Gott zum Gruße, Leser! Die zurückliegende Woche war für mich geprägt von dem Umstand, dass mein Jüngster krank war – nicht schlimm krank, aber doch zu erkältet, um in die KiTa zu gehen; dadurch fehlten mir die ca. 5 Stunden pro Tag, die ich normalerweise dazu nutze, meine Gedanken zu ordnen, Dinge zu erledigen, für die ich Ruhe brauche, oder mich einfach mal zu entspannen, und am Ende des Tages war ich dann erschöpft von all dem Dingen, die ich nicht geschafft hatte. Als nächstes werde ich wahrscheinlich selber krank, na ja, vielleicht auch nicht. Das Gute ist jedenfalls, dass die Nachbetrachtung des langen Himmelfahrts-Wochenendes, einschließlich des Katholikentags, genug Material für das Wochenbriefing abwirft; und in der nächsten Woche komme ich dann hoffentlich mal wieder dazu, mich um Themen wie meine Ausbildung zum Gemeindereferenten, die Religiöse Kinderfreizeit und die "Guerilla-Urlauberseelsorge" in Butjadingen zu kümmern. Venceremos!
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| Komm, Heiliger Geist! |
Spirituelles Strohwitwer-Wochenende
Das lange Himmelfahrts-Wochenende, oder zumindest dessen erste Hälfte, hätte ja eigentlich noch in den Berichtszeitraum des vorigen Wochenbriefings gehört, aber da die vorangegangene Woche, wie erwähnt, mehr als genug Stoff zum Bloggen geliefert hatte, habe ich mir dieses Thema bis hierher aufgehoben. Spulen wir also einmal zurück zum Tag des Hochfests Christi Himmelfahrt: Ich hatte mir im Vorfeld ein paar Gedanken darüber gemacht, wo ich denn zur Messe gehen könnte, nachdem ich meine Tochter am Bahnhof Südkreuz in die Obhut ihrer Wölflingsmeute übergeben haben würde; aber nachdem der Zug mit den Wölflingsmädchen abgedampft war, stellte ich fest, dass es am praktikabelsten war, einfach "ganz normal" nach St. Joseph Siemensstadt zu gehen, wo die Messzeiten so waren wie sonst sonntags. Die Messe dort wurde vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert, und ich fand es ausgesprochen interessant, wie er das Festgeheimnis des Tages in seiner Predigt anging. In der Vergangenheit hatte ich nämlich schon öfter den Eindruck, dass nicht wenige Prediger sich schwer damit tun, aus der Himmelfahrt Christi theologisch "Sinn zu machen"; ein probater Ausweg ist es da offenbar, sich auf die Frage zu konzentrieren, was es für die Jünger bedeutete, dass Christus, nachdem Er ihnen über einen Zeitraum von 40 Tagen wiederholt erschienen war und sie gelehrt hatte, nun dauerhaft von der Erde entrückt wird. Letztes Jahr in Bernau etwa lautete der Kerngedanke der Predigt so ungefähr, Jesu Entrückung in den Himmel sei notwendig gewesen, damit die Jünger Selbständigkeit und Eigeninitiative entwickeln, statt weiter am Rockzipfel ihres Meisters zu hängen. Ich will die Berechtigung dieser Perspektive gar nicht grundsätzlich in Abrede stellen, fand es aber erfrischend, dass der Spandauer Krankenhausseelsorger eine ganz andere Dimension des Himmelfahrtsgeschehens in den Fokus rückte: Pointiert gesagt richtete er den Blick weniger auf die Erde, von der Jesus vermeintlich "verschwunden" ist, als vielmehr eben auf den Himmel, in den Er aufgefahren ist – und der, wie er betonte, schließlich auch unser aller Ziel sei. In diesem Zusammenhang stellte er es als das eigentlich heilsgeschichtlich Relevante an der Himmelfahrt Christi heraus, dass Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, eben nicht nur mit Seiner göttlichen Natur in den Himmel zurückkehrt, sondern auch Seine menschliche Natur sozusagen dorthin mitnimmt und damit uns Menschen den Himmel zugänglich macht. Eigentlich total einleuchtend, muss einem aber offenbar erst mal gesagt werden.
Nachdem ich am Freitag das Wölflingslager besucht und dort zu Mittag gegessen hatte, sagte ich mir, ich könnte die seltene Gelegenheit, an einem Freitagnachmittag allein zu sein und Zeit zu haben, dazu nutzen, mal wieder in Herz Jesu Tegel zur Eucharistischen Anbetung zu gehen. Ich verbrachte dort rund eine Stunde, und das tat mir sehr gut; gegen Ende dieses Zeitraums öffnete ich die Stundenbuch-App auf meinem Mobilgerät, und auch das erwies sich als eine glückliche Eingebung, denn der Hymnus der Vesper erinnerte mich daran, dass an diesem Tag die Pfingstnovene begann. Wieder zu Hause, suchte ich daher meine "selbstgebastelte" (und zuletzt 2024 aktualisierte) Pfingstnovene heraus und betete den ersten Tag, in der wohllöblichen Absicht, damit in den folgenden Tagen weiterzumachen.
Am Samstag nach dem Frühstück fiel mir ein, dass die Legio Mariae in Herz Jesu Tegel samstags immer eine Rosenkranzandacht abhielt; ich konnte mich jedoch nicht erinnern, ob diese Andacht um 10 oder um 11 Uhr begann, und wie ich etwas verwundert feststellte, war sie weder im Wochenplan der Pfarrei noch im Veranstaltungskalender auf der Website aufgeführt. Na gut, dachte ich mir: 11 Uhr wäre mir eigentlich sowieso zu spät, ich hab ja auch noch was anderes zu tun; also gehe ich mal auf Verdacht um 10 Uhr in die Kirche, und wenn da keiner ist, der den Rosenkranz vorbetet, dann mache ich das eben selber. Gesagt, getan! Am Abend hatte ich dann eigentlich die löbliche Absicht, zeitig schlafen zu gehen, um am nächsten Morgen in aller Früh nach Eichwalde zu fahren und dort zusammen mit den Wölflingen in die Messe zu gehen; aber dann kam es doch anders: Gerade als ich den zweiten Tag der Pfingstnovene zu Ende gebetet hatte und drauf und dran war, mich bettfertig zu machen, da rief mich die Wölflingsleiterin an: Meine Tochter habe schlimmes Heimweh und wolle nach Hause. Also machte ich mich auf den Weg, sie abzuholen.
Weiteres vom Wölflingslager
"Zwei Nächte geschafft!", war das erste, was meine Tochter zu mir sagte, als ich sie quasi mitten in der Nacht aus dem Wölflingslager abholte. Nachdem sie einmal den Entschluss gefasst hatte, sich abholen zu lassen, wirkte sie eigentlich recht wohlgemut und sogar fröhlich; ihren Rucksack hatte sie bereits gepackt. Auf dem Weg zur S-Bahn erzählte sie mir begeistert von der Katechese dieses Tages, in der der Kurat über Eucharistische Wunder gesprochen hatte; in der Bahn zeigte sie mir stolz ihr Probenheft, in dem schon ein paar Aufgaben aus der Rubrik "Leise Pfoten" abgehakt waren (Näheres dazu weiter unten). Und dann schlief sie an meiner Schulter ein.
Der Eindruck, dass es ihr beim Lager trotz Heimweh und trotz Wetterunbill am ersten Tag (inklusive Hagel und Gewitter) gut gefallen hatte, verfestigte sich im Laufe des Sonntags weiter: Sie erzählte mir mit Freude und Begeisterung, was sie alles erlebt hatte, las eifrig in ihrem Wölflingsbuch "Der Weg durch den Dschungel", erwog, welche Aufgaben aus dem Probenheft sie sich ald nächstes abhaken lassen könnte, und sang mir Lieder aus dem Wölflings-Liederbuch "Der Kupferschmied" vor (die ich zum Teil auf der Gitarre zu begleiten versuchte). Am Nachmittag schauten wir uns auf Wunsch des Tochterkindes das Dschungelbuch – nicht die Disney-Version, sondern Zoltan Kordas Realverfilmung von 1942 – auf YouTube an, und währenddessen teilte mein Wölflingsmädchen mir eifrig Hintergrundwissen über die Tiercharaktere mit und zeigte mir, wo die Handlungsschauplätze auf der Dschungel-Landkarte in ihrem Wölflingsbuch eingezeichnet sind. --- Lesern, die sich mit pfadfinderischen Gepflogenheiten nicht besser auskennen, als ich es bis vor gut einem halben Jahr getan habe, muss ich hier wohl den Zusammenhang erläutern. Merke also auf und lausche, o Leser: Dschungelbuch-Autor Rudyard Kipling war mit dem Begründer der internationalen Pfadfinderbewegung, Lord Baden-Powell ("BiPi"), befreundet, und als dieser zusammen mit seiner Assistentin Vera Barclay die Pfadfinderpädagogik um ein Konzept für Kinder unter zwölf Jahren ergänzen wollte, erlaubte Kipling ihm, dafür Motive aus dem Dschungelbuch zu verwenden. Vor- bzw. Leitbild der Wölflingspädagogik ist daher das Aufwachsen Moglis im Wolfsrudel; deshalb wird der Leiter bzw. die Leiterin einer Wölflingsmeute "Akela" genannt, ein fester Bestandteil der Meutenaktivitäten sind Versammlungen am "Ratsfelsen", bei denen Auszüge aus dem Dschungelbuch vorgetragen werden und dann darüber diskutiert wird, was man daraus lernen könne, und die als "Jagd" bezeichneten Geländespiele orientieren sich thematisch ebenfalls oft an Episoden aus dem Dschungelbuch.
In diesem Zusammenhang bietet es sich wohl an, etwas ausführlicher auf das Buch mit den Erprobungen für die Wölflingsstufe einzugehen, das ja nicht von ungefähr Der Weg durch den Dschungel heißt und von dem meine Tochter beim Frühlingslager ihr persönliches Exemplar ausgehändigt bekommen hat. Meine ersten Eindrücke von diesem Buch habe ich schon vor fast drei Jahren mal in einem Blogartikel skizziert, zu einem Zeitpunkt also, als überhaupt noch nicht abzusehen war, dass mein Tochterkind mal in eine Wölflingsmeute der KPE eintreten würde; allerdings gingen diese ersten Eindrücke kaum über einen fragmentarische Überblick darüber hinaus, "was man bei den Wölflingen so alles lernen kann". Worauf ich dabei noch nicht eingegangen bin – was aber andererseits wohl nicht überraschend ist – ist, dass dieses Lernen des Wölflings sich in mehreren Stufen vollzieht, und die erste dieser Stufen ist, dass der Wölfling lernt, auf leisen Pfoten zu gehen. Soweit ich es verstanden habe, müssen die Erprobungen aus der Rubrik "Leise Pfoten" abgelegt werden, bevor der Wölfling in einer feierlichen Zeremonie sein Versprechen ablegt und sein Halstuch bekommt. Inhaltlich sind die Erprobungen gegliedert in die Kategorien "Du erwachst im Dschungel" – da geht es darum, die Regeln und Gebräuche der Wölflinge zu kennen und zu befolgen –, "Du bist Kind Gottes" – dazu gehören etwa Anforderungen wie "Du kannst das Vaterunser, das Gegrüßet seist du Maria und das Ehre sei dem Vater beten" oder "Du weißt, dass die Kirche das Haus Gottes ist, und benimmst dich dort ruhig und ehrfürchtig" –, "Du denkst zuerst an die Anderen" und "Du übst dich im Dienen". Im Normalfall funktionieren die Erprobungen so, dass der Wölfling zu Akela geht, demonstriert, dass er die entsprechende Fertigkeit beherrscht, und sich dies durch eine Unterschrift (Kürzel) beglaubigen lässt; im einigen Fällen (z.B. "Du benimmst dich in der Meutenstunde so, dass Akela und die anderen Wölflinge sich auf dich verlassen können") beurteilen die Leiter aber auch das Verhalten des Wölflings über einen längeren Zeitraum hinweg, und einige Erprobungen, die das Verhalten des Wölflings außerhalb der Meutenaktivitäten betreffen, müssen sogar von den Eltern abgezeichnet werden (z.B. "Du räumst jeden Abend deine Sachen auf und machst am Morgen dein Bett").
Hat der Wölfling die "Leise Pfoten"-Prüfung erfolgreich bewältigt und sein Versprechen abgelegt, gilt es, erst einen und dann noch einen zweiten Stern fürs Barrett zu erwerben; diese sollen die "geöffneten Augen" des Wölflings symbolisieren. Zu den bereits genannten Erprobungskategorien kommen weitere hinzu, so etwa "Du bestehst Abenteuer im Dschungel" und "Du bist ein Freund der Natur". Und dann gibt es auch noch Fähigkeitsabzeichen, für die man je nach Interessenschwerpunkt zwischen verschiedenen Spezialgebieten wählen kann. Aber das ist für uns im Moment noch Zukunftsmusik.
Erwähnt sei übrigens noch, dass meine Tochter mir erzählte, auf der Bahnfahrt ins Lager seien Zettel an die Wölflinge verteilt worden, auf denen sie aufschreiben sollten, warum sie bei den Wölflingen seien bzw. was ihnen bei den Wölflingen besonders gut gefalle oder besonders wichtig sei. Sie habe dazu zwei Sätze aufgeschrieben, verriet sie mir – ihr wäre wohl noch mehr eingefallen, aber es sei nicht so viel Zeit gewesen. Diese zwei Sätze lauteten:
- "Bei den Wölflingen lerne ich Gott und Freunde kennen" und
- "Bei den Wölflingen lerne ich, keine Angst vor dem Übernachten zu haben".
Man könnte sagen, bezogen auf den zweiten Punkt habe das Himmelfahrtslager immerhin einen Teilerfolg gebracht; im ersten Punkt hingegen darf man es wohl als einen vollen Erfolg betrachten. Im Zusammenhang mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Thema Kinderzimmer-Neugestaltung merkte unsere Große neulich an, wenn ihr neues Hochbett aufgebaut sei, wolle sie sich darunter eine Gebetsecke einrichten.
Predigtnotizen: Wir warten aufs Pfingstwunder
Da ich mein Tochterkind am Sonntag erst mal gründlich ausschlafen lassen wollte, sah ich mir die Messe in St. Joseph Siemensstadt im Livestream an, statt persönlich hinzufahren; aber dass ich mir genau diese Messe und nicht irgendeine andere anschaute, erwies sich als gute Entscheidung. Der – wie ich immer gern sage – "örtlich zuständige" Pfarrvikar zelebrierte, und schon in seinen Begrüßungsworten schlug er das zentrale Thema dieser Messe an: "Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten erwarten wir den Heiligen Geist." In seiner Predigt ging er zunächst auf die Lesung aus der Apostelgeschichte ein, in der es hieß, dass die Jünger in der Vorbereitung auf das Pfingstereignis "einmütig im Gebet" verharrten: "Sie sind dort alle versammelt – wir heute haben noch Luft nach oben." (Tatsächlich sah der Kirchenraum, soweit er im Bildausschnitt der Kamera zu sehen war, etwas dünn besetzt aus, aber ich kann mich nicht beschweren, ich war ja auch nicht da.) – Aus dem weiteren Verlauf der Predigt möchte ich nur mal ein paar Sätze herausgreifen, die mir wesentlich erscheinen:
"Zu Pfingsten geschieht etwas Neues, etwas absolut Großartiges, weil wir die DNA Gottes durch den Heiligen Geist eingepflanzt bekommen. [...] Pfingsten macht eine Neuheit aus diesem zusammengewürfelten Haufen [der Jünger], der irgendwie gelernt hat, dass sie geschaffen sind für etwas anderes. Zu Pfingsten kommt der Heilige Geist und holt sie raus aus der Kuschelecke. Ja, die Gemeinde ist schön, wir haben ein Zuhause; aber wir sind nicht nur für die Kuschelecke gedacht. Der Heilige Geist gibt den Aposteln einen Tritt in den Hintern und sagt: Geht in die ganze Welt hinaus und verkündet das Evangelium."
Im Anschluss an die Predigt, oder wenn man so will, als zweiten Teil der Predigt gab es einen Spendenaufruf für die Restaurierung der Kirchenbänke in St. Joseph, und ich fand, es gelang dem Pfarrvikar bemerkenswert gut, auch dieses Anliegen zum Wirken des Heiligen Geistes und damit zum Leitmotiv dieser Messe in Beziehung zu setzen: Er berichtete, nachdem ein erster Anlauf, die Kirchenbänke restaurieren zu lassen, "in die Hose gegangen" sei – "deswegen stehen dort hinten sieben Stühle" –, gebe es jetzt ein Angebot von der Tischlerei der JVA Tegel, alle 38 Bänke zu einem sensationell günstigen Preis aufzuarbeiten; woran man erkennen könne: "Der Heilige Geist existiert." Einschließlich aller Transportkosten usw. würde sich der Geldaufwand für die gesamte Restaurierung auf etwa 250 € pro Kirchenbank belaufen – "wenn da sieben Leute drauf sitzen, sind das 40 € pro Hintern. Also durchaus erschwinglich." – Diese Rechnung geht natürlich nur auf, wenn tatsächlich in jeder Bankreihe sieben Leute sitzen, und auch wenn der allsonntägliche Gottesdienstbesuch in dieser Gemeinde zweifellos besser ist als in vielen anderen, die ich schon besucht habe, würde ich doch sagen: Da ist noch Luft nach oben. Aber auch zum Thema Gemeindewachstum gibt es Neuigkeiten; so erwähnte der Pfarrvikar im Zuge der Vermeldungen, dass es am kommenden Sonntag, also an Pfingsten, im St. Joseph fünf Erwachsenentaufen geben werde – nachdem es schon an den Ostertagen in der gesamten Pfarrei mindestens neun gegeben hatte. "Das ist ein riesiges Geschenk für die Pfarrei", betonte er: "Zu sehen, dass die Menschen einen Weg des Glaubens machen hin zur Taufe, und mit welcher Zärtlichkeit und welcher Treue Gott diese Menschen begleitet. Das ist ein Fest auch für die ganze Gemeinde." – Was auch noch zum Thema Gemeindewachstum gehört, ist die Information, dass von den vier Diakonen, die am nächsten Samstag in St. Hedwig zu Priestern für das Erzbistum Berlin geweiht werden, zwei aus der in Siemensstadt ansässigen Neokatechumenalen Gemeinschaft hervorgegangen sind. Ich denke mal, das sagt eine ganze Menge aus.
"Quiet Revival" beim Katholikentag?
Wir hörten schon davon, dass die "ZdK"-Präsidentin Irme Stetter-Karp im Vorfeld des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg betont hatte, das breite Spektrum unterschiedlicher Gruppierungen, die bei diesem Event vertreten sein würden, umfasse "auch Gruppierungen aus dem konservativen katholischen Milieu". Davon, wie es damit tatsächlich aussah, vermittelt beispielsweise eine Reportage-Reihe des Fernsehsenders k-tv einen Eindruck, die man sich auch bei YouTube ansehen kann und deren erste Folge nicht von ungefähr unter dem Motto "Gibt's hier auch was Katholisches?" steht. Positiv beantwortet wird diese Frage u.a. dadurch, dass die Kirchenmeilen-Stände von Maria 1.0 und Kirche in Not gezeigt werden (im Kontrast etwa zu denjenigen von Maria 2.0, wo eine Frau im Interview erklärt, im 12. Jh. habe es Priesterinnen gegeben, oder der kjg, an dem den Interviewern kurzerhand beschieden wird "Mit k-tv reden wir nicht"), aber auch durch Interviews mit Ordensschwestern und einer Gruppe junger Frauen, die begeistert von einem Workshop berichten, bei dem sie Rosenkränze gebastelt haben.
Die Tagespost, die in Würzburg ja quasi ein Heimspiel hatte, richtete während des Katholikentags ein sogenanntes "Side-Event" mit "Debatten, Lesungen und Impulsen" aus – insbesondere solchen, für die im offiziellen Katholikentags-Programm kein Platz war; dazu gehörten u.a. ein Vortrag von Cornelia Kaminski, der Vorsitzenden der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA), zum Thema Leihmutterschaft, ein Vortrag von Bettina Röhl über ihre Mutter Ulrike Meinhof, die '68er-Bewegung und die Ursprünge der RAF sowie nicht zuletzt ein philosophisches Streitgespräch zwischen dem postchristlichen Startheologen Magnus Striet und dem Philosophen und Tagespost-Redakteur Sebastian Ostritsch zum Thema "Katholisch mit Kant". Dass der bekennende Kantianer Striet sich auf diese Debatte mit Ostritsch eingelassen hat, nachdem dieser im letzten Herbst "nach Protest von Studenten sowie Vorwürfen des Fundamentalismus und Rechtsextremismus" von der vom Jesuitenorden geleiteten Hochschule für Philosophie (HFPH) in München ausgeladen worden war, an der er einen Vortrag über Gottesbeweise hatte halten wollen, darf man durchaus respektabel finden. Der Schauplatz dieses "Side-Events" war indes eigentlich mal wieder ein Fall für den Hashtag #kannstedirnichtausdenken, denn dabei handelte es sich um das Lügensteinmuseum. Echt wahr. –
Nightfever gab's bei diesem Katholikentag auch wieder, am Samstagabend in der Karmeliterkirche St. Joseph und St. Maria Magdalena; erheblich mehr Aufsehen erregte jedoch das nicht zum offiziellen Katholikentags-Programm gehörende, aber bewusst in dessen räumlichem und zeitlichem Umfeld angesiedelte Event "The Tabernacle" in der Würzburger Tectake-Arena am Freitag, dem 15. Mai, ausgerichtet von der Charismatischen Erneuerung und der Initiative "Jugend für Kirche". Knapp eine Woche zuvor hatte häretisch.de die Veranstaltung unter der Überschrift "21-Jähriger sammelt 100.000 Euro für Event parallel zum Katholikentag" angekündigt und diese Meldung aus Gründen, von denen man nur vermuten kann, dass die Verantwortlichen selbst sie einleuchtend finden, mit einem Symbolbild garniert, das ein Kreuz aus Geldstücken zeigt. Der Name des als "Jugendgottesdienst" klassifizierten Events wird in diesem Artikel nicht genannt, betont wird indes, die Veranstaltung stehe "nicht auf dem offiziellen Programm des Katholikentags"; gleichzeitig wird allerdings die Versicherung des Initiators Samuel Tussing zitiert, man wolle "nicht als Konkurrenz zum zeitgleich stattfindenden Katholikentag" wahrgenommen werden: "Vielmehr solle es eine Ergänzung zu dem Großereignis des deutschen Katholizismus sein." Die Tagespost brachte am Tag vor dem Tabernacle-Event ein Interview mit Tussing unter der augenzwinkernden Überschrift "Katholikentag für Charismatiker"; darin zeigte der junge Mann sich überzeugt: "Es gibt in Deutschland eine christliche Erweckung. In England und Frankreich noch viel mehr. Da wollen wir uns einklinken." – Genaueres darüber, was bei der Veranstaltung so los war, erfährt man aus einem Bericht der Pressestelle des Bistums Würzburg unter der vielsagenden Überschrift "Lichtshow, Lobpreis und Anbetung". Der Artikel verrät u.a., dass als Moderator Samuel Hartl dabei war, ja, das ist Johannes Hartls Sohn; dass der örtliche Diözesanbischof Franz Jung, der angesichts des Schmutzigen Schismas bestrebt scheint, mit jedem Fuß in einem anderen Lager zu stehen, im Rahmen des Events eine Messe zelebrierte; und dass es sogar ein Grußwort vom Papst gab – was umso mehr auffällt, als es zum Katholikentag keins gab. Weiterhin hebt der Bericht hervor, "dass die wenigsten der rund 600 Besucher am eigentlichen Katholikentag teilnahmen".
Angesichts solcher Entwicklungen sehen die vermeintlich "progressiven" Vertreter des post-volkskirchlichen Establishments natürlich zunehmend im wahrsten Sinne des Wortes "alt aus" – wie auch Benjamin Leven feststellt, der in seinem Katholikentags-Tagebuch auf Communio bemerkt, bei "The Tabernacle" seien "junge Menschen von 15 bis 25 Jahren" – die seitens der Veranstalter als Zielgruppe benannt worden waren – "tatsächlich zahlreich anwesend" gewesen, während bei "vielen anderen Veranstaltungen im Katholikentagsprogramm [...] eher die Generation 60plus" dominiert habe. Da passt es ins Bild, dass die Kritik dieser Kreise an der neuen geistlichen Aufbruchsbewegung sich mehr und mehr so anhört, wie wenn verbitterte Rentner im Bus von Tegel nach Haselhorst über die heutige Jugend wettern. Exemplarisch sei hier der (noch gar nicht mal so alte) Mainzer Dogmatik-Professor Oliver Wintzek angeführt, der in der "Standpunkt"-Rubrik auf häretisch.de vor einer "gefährlichen TikTokisierung des Glaubens" warnt: Wintzek beklagt "hermeneutikfreie Bibelusurpation" und "entkontextualisierte Traditionsmisshandlung" und beschwert sich, dass "individuelle Glaubensüberzeugtheit und private Meinungen eine fundierte Sachkompetenz aufwiegen wollen"; von einer "schrägen Jesus-Unmittelbarkeit" ist da die Rede und, wenn wundert's, auch von "verketzernder Pseudorecht(s)gläubigkeit". Fast möchte er einem leid tun, und mit ihm all die anderen Vertreter einer Theologie, die seit Jahrzehnten darauf hingearbeitet hat, sich selbst irrelevant und überflüssig zu machen, dabei aber offenbar wie weiland Hanno Buddenbrook gemeint hat, "hernach käme nichts mehr" – und nun müssen diese Leute feststellen, dass das Christentum eben doch eine Zukunft hat, aber eine, die ohne sie stattfindet.
Eine kleine Halbzeitbilanz
Halbzeit? Ja, tatsächlich: Dies ist schon die 26. von geplanten 52 Folgen der Wochenbriefing-Reihe "Utopie und Alltag"! Und wie läuft die Reihe so? Von der Statistik her würde ich sagen: tendenziell besser als die vorherigen Wochenbriefing-Reihen – was man sicherlich im Zusammenhang damit betrachten muss, dass die Zugriffszahlen auf meinen Blog seit Februar 2026 insgesamt ein deutlich höheres Niveau erreicht haben als je zuvor, aber so ganz eindeutig ist das Verhältnis von Ursache und Wirkung da wohl nicht. Besonders große Resonanz haben von den bisherigen Folgen die Nummern 2 ("Im Epizentrum der Vorpubertät"), 3 ("Im Epizentrum der Glaubwürdigkeitskrise"), 7 ("Im Epizentrum des Winters") und 11 ("Des einen Auszeit ist des anderen Eiszeit") gefunden. Warum gerade diese? – Da kann man, wie immer, nur spekulieren; einen gewissen Aufschluss geben aber wohl die Leserkommentare, die sich im Fall von Utopie und Alltag 2 vorrangig auf das auch in der Überschrift anklingende Thema "Kümmere dich um die Sexualerziehung deines Kindes, bevor es die Falschen tun" beziehen (zu dem evtl. demnächst mal wieder ein Update fällig wird). Im Fall von Utopie und Alltag 3 entzündete sich die Kommentardebatte – was öfter vorzukommen pflegt – an einer Nebensächlichkeit, nämlich an der Erwähnung des Umstands, dass ich mit meiner Familie auf dem Weg vom Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt zur Nikolausfeier in St. Joseph Siemensstadt einen spontanen Zwischenstopp an einem Infostand der Partei Die Linke einlegte. Ich möchte aber behaupten, der Artikel bietet durchaus gewichtigere Inhalte; in erster Linie betrifft das den Abschnitt "Neues aus Synodalien: Bischöfe von der traurigen Gestalt", auf den sich auch der Gesamttitel der Folge bezieht und der in der These gipfelt, das Problematischste an der vielbeklagten "Unterwanderung des institutionellen Apparats der Kirche durch die 68er-Bewegung" sei es,
"dass aus dem Spektrum dessen, was man mit '68' assoziiert, vorrangig die Laschen und die Lauen, die Spießer und die Langweiler in den kirchlichen Institutionen gelandet sind. Wenn sie ein bisschen mehr Mumm, mehr Feuer und mehr missionarischen Eifer gehabt hätten, wären diese Leute zur RAF gegangen oder hätten wenigstens ein Haus besetzt, statt Pastoralreferenten zu werden oder sich in den Pfarrgemeinderat wählen zu lassen."
Die Leserkommentare zu Utopie und Alltag 7 drehen sich vorrangig um meine hier erstmals bekannt gegebene Absicht, eine Ausbildung zum Gemeindereferenten anzustreben; als das eigentliche Hauptthema des Artikels, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht, würde ich indes die MEHR 2026 betrachten, auch wenn ich diese nur "aus der Ferne" beobachten konnte. – Zu Utopie und Alltag 11 gibt es kaum Leserkommentare, daher kann ich nur vermuten, dass der Erfolg dieses Artikels gerade in seiner thematischen Buntheit begründet ist: U.a. geht es da um eine Show im Friedrichstadtpalast, um Neuigkeiten aus dem Baumhaus, Winterurlaub in Butjadingen sowie last not least um Ralf Schulers Talk mit Johannes Hartl auf dem Portal NiUS und die empörten Reaktionen der postchristlich-progressiven Theologenbubble auf diesen Auftritt. Letzteres darf man wohl als das gewichtigste Thema des Artikels ansehen.
Im Ganzen habe ich den Eindruck, der Rückblick auf die erste Hälfte der Reihe Utopie und Alltag unterstreicht meine explizit erst in Folge 21 geäußerte Einschätzung, die "in anderen Teilen der westlichen Welt, etwa in Frankreich und Großbritannien, schon etwas länger zu beobachtende religiöse Erweckungsbewegung, oder sagen wir 'Aufbruchstimmung'", die "allmählich auch in Deutschland und auch ganz konkret in Berlin ankommt", könnte sich als "das wesentlich Neue" herausstellen, "das die Reihe Utopie und Alltag von meinen früheren Wochenbriefing-Reihen abhebt". Hervorheben und zur Lektüre empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch die Abschnitte "Sind wir nicht alle ein bisschen KiNC?: Hilfe, die hippen Missionare kommen" in Utopie und Alltag 5 und "Neues aus Synodalien: Hilfe, neue Mitglieder!" in Utopie und Alltag 17; als bisherige spirituelle Highlights des Berichtszeitraums der Reihe Utopie und Alltag sei hier einerseits der Lobpreisabend mit Timo Langner in der Gemeinde auf dem Weg genannt, von dem auch meine achtjährige Tochter sagt, er habe ihr "geholfen, tiefer ins Christentum hineinzukommen", und andererseits den Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle. Ich bin aber zuversichtlich, dass in der zweiten Hälfte der Reihe noch weitere, vielleicht sogar größere Highlights hinzukommen werden...!
Geistlicher Impuls der Woche
Es ist Jesus selbst, der zu seiner Kirche spricht. Seine Botschaft ist an alle einzelnen Teilkirchen gerichtet und betrifft ihr inneres Leben, dss manchmal gekennzeichnet ist durch das Vorhandensein von Auffassungen und Gesinnungen, die mit der Überlieferung des Evangeliums unvereinbar sind, oft von verschiedenen Formen der Verfolgung heimgesucht wird und – was noch gefährlicher ist – durch besorgniserregende Symptome der Verweltlichung, des Verlustes des ursprünglichen Glaubens und des Kompromisses mit dem Denken der Welt gefährdet ist. Nicht selten haben die Gemeinden nicht mehr die frühere Liebe (vgl. Offb 2,4).
Es ist zu beobachten, wie sich unsere kirchlichen Gemeinschaft mit Schwächen, Mühseligkeiten und Widersprüchen herumschlagen. Auch sie haben es nötig, die Stimme des Bräutigams wieder zu hören, der sie zur Umkehr einlädt, sie anspornt, Neues zu wagen, und sie aufruft, sich für das große Werk der Neuevangelisierung einzusetzen. Dir Kirche muss sich ständig dem Urteil des Wortes Christi unterordnen und ihre menschliche Dimension in einem Zustand der Läuterung leben, um immer mehr und immer die Braut ohne Flecken und Falten zu sein gekleidet in strahlend reines Leinen (vgl. Eph 5,27; Offb 19,7-8).
(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 23)
Ohrwurm der Woche
Johnny Nash: I Can See Clearly Now
Ein bisschen Ironie des Schicksals ist es ja, dass ausgerechnet am Himmelfahrtswochende das Wetter nicht so toll war; aber das ist wohl kaum ein Grund sich nicht darüber zu freuen, dass es jetzt schöner ist. Dieser Ohrwurm kam zu mir auf dem Wege einer Assoziationskette von Songs mit "Sun" oder "Sunshine" im Titel; wozu ich anmerken möchte: Wenn in einem Songtext von Sonnenschein, klarem Himmel, sich verziehenden Wolken die Rede ist, dann muss man das vielleicht nicht unbedingt metaphorisch verstehen, aber in diesem Fall ist es ganz bestimmt so gemeint. Der Song ist nicht einfach nur optimistisch, sondern hoffnungsfroh, und das durchaus auch in einem transzendenten Sinne. So gesehen passt er auch zu Pfingsten, finde ich.
Vorschau / Ausblick
Pfingsten steht vor der Tür! Ich gehe davon aus, dass wir am morgigen Pfingstsonntag in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen werden; am Montag sind wir zum traditionellen Pfingstbrunch bei Bloggerkollegin Claudia eingeladen. Am Dienstag ist dann noch schulfrei, Kampfsporttraining ist aber trotzdem; schauen wir mal, ob die Kinder da hingehen wollen. Und von Mittwoch bis Freitag geht unser Jüngster dann auf KiTa-Reise. Mit zwei Übernachtungen. Das kann ja spannend werden! Auch spannend ist, dass direkt danach das Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee beginnt, bei dem meine Liebste als Helferin eingeplant ist. Es ist anzunehmen, dass das eher ein Thema fürs übernächste Wochenbriefing wird, aber ich will doch schon mal verraten, was ich in dieser Zeit mit den Kindern zu unternehmen gedenke: Bei den Schöneberger KPE-Wölflingen ist am Samstag das erste Meutentreffen nach dem Lager, gleichzeitig findet auch die Wichtelgruppe statt, das trifft sich schon mal gut; später könnte man dann zur Community Networking Night im Baumhaus gehen. Und am Sonntag ist KiWoGo... Ansonsten habe ich ja schon im Einleitungsabsatz dieses Wochenbriefings festgehalten, welchen Themen ich mich im nächsten widmen will. Schauen wir mal, was draus wird!



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